Der Sauberlehrling

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shalom
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Der Sauberlehrling

#1 Beitrag von shalom » 18.02.2012, 08:32



        • Der Sauberlehrling

          (am Infoabend saßen Apostel zu Kehricht)

          Hat der alte Textemeister
          Sich doch einmal wegbegeben!
          Und nun sollen seine Geister
          Nach neuem Willen leben.
          Sein Wort und Werke
          Merkt sich und den Brauch,
          Und mit Geistesstärke
          Tun Apostel Wunder auch.

          Walle! Walle
          Manche Strecke,
          Dass, zum Zwecke,
          Opfer fließe
          Und mit reichem, vollem Schwalle
          Zu dem Bade sich ergieße.

          Und nun komm, du alter Besen!
          Schlüpf in schwarze Ämterhüllen;
          Bist schon lange Heilger Geist gewesen:
          Nun erfülle Stammapostels Willen!...
          Kehre, kehre bis zum Wiederkehren
          Halt des hohen Amtes Teppich sauber
          Mit reinen Bischoff- und Apostellehren
          eitlem wortgeklaubtem Zauber

          Walle! Walle
          Manche Strecke,
          Dass, zum Zwecke,
          Opfer fließe
          Und mit reichem, vollem Schwalle
          Zu dem Bade sich ergieße.

          Seht, wie der Teppich holpert,
          Wahrlich! Dreck hat keine Chance,
          Glaube drüber stolpert
          Nicht jeder ist in Trance.
          Und zum Abendmahle!
          Wie der Teppich plötzlich schwillt!
          Über Berg und Tale
          Apostel sind im Bild

          Stehe! stehe!
          Denn wir haben
          Apostel Gaben
          Voll gemessen! –
          Ach, merkt es! Wehe! wehe!
          Haben sie das Wort vergessen!

          Ach, das Wort, worauf am Ende
          er das wird, was er gewesen.
          Ach, er läuft und bringt behende!
          Wärst du doch der alte Besen!
          Immer neue Geistergüsse
          Schiebt er schnell noch unter,
          Ach! und hundert Überflüsse
          Treibens unterm Teppich immer bunter.

          Nein, nicht länger
          Könn ’n wir ’s lassen;
          Woll ’n ihn fassen.
          Das ist Tücke!
          Ach! nun wird uns immer bänger!
          Welche Mine! welche Blicke!

          O du Ausgeburt des Himmels!
          Soll der Teppich in die Vertikale?
          Seh ich als Folge dieses Fimmels
          Probleme selbst für Klerikale.
          Drunter geht nicht - nur noch drüber,
          Neue Besen kehren gut und führen
          Apostel brachten ’s sauber rüber
          Probleme halt vor anderer Kirche Türen

          Wollt am Ende
          Gar nicht lassen?
          Nicht zu fassen,
          Nichts zu halten
          Und die Kirch behände
          Mit geschärfter Zunge wieder spalten?

          Seht der Retro-Kult kommt scheppernd wieder!
          Wiederaufgerichtet und ganz galant.
          Gläubge, da haut ’s euch ganz schön nieder;
          Edelteppiche, oben aus purem schwarzem Amt,
          Der Besen fegt
          Es weht ein neuer Geist
          Der an der Lehre sägt
          Und Apostel heißt

          Wehe! wehe!
          Botschaftsteile
          Auferstehn in Eile
          Als Geisteskinder Knechte
          Artig in die Höhe!
          Helft uns, ach! ihr hohen Mächte!

          Und sie glauben! Kess und kesser
          Wird ’s im Saal und auf des Altars Stufen.
          Welch entsetzliches Geplätscher!
          Herr und Meister! hör uns rufen! –
          Ach, da kommt der Meister!
          Herr, die Not ist groß!
          Die Johann rief, die Geister
          Wird die Kirche nicht mehr los.

          "In die Ecke,
          Besen, Besen!
          Seid ’s gewesen.
          Denn als Geister
          Ruft euch nur zu diesem Zwecke,
          Erst hervor der alte Meister."

          (Abdruck mit freundlicher Erlaubnis von CID)

          s.

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