Glaubenserziehung beim eigenen Nachwuchs

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fridolin
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Re: Glaubenserziehung beim eigenen Nachwuchs

#11 Beitrag von fridolin » 11.10.2020, 15:00

7
@Markus
wir gehen in die Versammlung, bzw. sind Zeugen Jehovas (unsere gesamte Familie).
Was nicht bedeutet das ich wenigstens hier im Netz, auch andere Gedanken mir anhöre oder lese.
Da Markus und seine Familie zu den Zeugen Jehovas geht, ist es doppelt schwierig wenn ein
Familienkind nicht mehr richtig nach dem vorgeschriebenen Glauben spurten will. Dann bricht für die Eltern die noch treu im Glauben sind etwas innerlich zusammen. Die Glaubensgemeinschaft kennt
auch noch das Ausschluss-Verfahren, wonach mit denen die ausgeschlossen sind, nicht mehr geredet werden darf. Auch das gegrüßt werden, sollte dann tunlichst unterlassen werden. Auf die andere Straßenseite sollte dann gewechselt werden um den Kontakt zu vermeiden. Ich kenne mich da einigermaßen aus.
Schon mal was von Rückbesuchern gehört.

Das ist nicht nur bei den Zeugen ein Problem, wenn das Kind nicht mehr will. Damit haben auch andere ein Problem. Als Eltern möchte man und wünscht sich, das sein Kind denselben religiösen Weg geht den man selbst geht. Das funktioniert vielfach aber nicht. Das Kind wird größer und bleibt nicht im Kindesalter stehen. Wird erwachsen, entwickelt eigene Lebensinhalte und Vorstellungen, geht dann einen anderen Weg. Ob wir das wollen oder nicht.

Tunlichst sollte dann vermieden werden, ein vorwurfsvolles Familien-Konzert anzustimmen. Das bringt meistens überhaupt nichts, außer das der Konflikt schärfer werden kann. Kinder ticken nicht immer nach dem Gleichklangswunsch der Eltern. Haben wir doch vielfach auch nicht gemacht. Und unsere Eltern
haben das auch nicht immer gemacht :D
Seit Generationen ist das der Zeitenlauf und wird sich nicht ändern.

Detlef hat das sehr gut auf den Punkt gebracht.
Ich als Vater muss einsichtig genug sein, dass "Glauben" nicht durch Druck -welcher Art auch immer- entsteht und wächst.
Jede Art von Druck (und erst recht körperliche Züchtigung etc.) den Glauben betreffend sind ein absolutes Negativglaubenserlebnis und bringen auf lange Sicht eher Abkehr als ehrliche Überzeugung aus dem Glauben heraus!!
"Schande" machen die Kinder oder Jugendlichen Dir bzw. der Familie wenn sie auf die Frage, warum sie nicht mehr am Gemeindeleben teilnehmen antworten: "Weil da alles mit Zwang und Druck geschah"

Martha
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Re: Glaubenserziehung beim eigenen Nachwuchs

#12 Beitrag von Martha » 13.10.2020, 06:55

Hallo Markus!

Was ist die richtige Richtung? Hin zur Bibel denke ich und nicht hin zu den Sonderlehre der Religionsgemeinschaften.
Lass deinen Sohn in der Bibel lesen und lies mit.

Mein Vater hat mich auch im Sinn der NAK erzogen und war unerträglich streng.
Das hat aber dazu geführt, dass ich mich im Erwachsenenalter von allem gelöst habe.
Er durfte es noch miterleben :cry:

Du schreibst: "ohne den Druck und die Führung der Eltern wären meine Frau und ich wohl auch keine so treue Anhänger geworden."
Da bekomme ich Gänsehaut. Willst du dein Kind zerstören?
Hat Jesus seine Jünger und Anhänger gezwungen an ihn zu glauben?

Lies mal bitte dieses wunderschöne Gedicht
https://www.zgedichte.de/gedichte/khali ... inder.html

Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken,

Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts
noch verweilt es im Gestern.

fridolin
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Re: Glaubenserziehung beim eigenen Nachwuchs

#13 Beitrag von fridolin » 13.10.2020, 09:53

@Martha
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben,
aber nicht eure Gedanken,
Denn sie haben ihre eigenen Gedanken.
Ihr dürft ihren Körpern ein Haus geben,
aber nicht ihren Seelen,
Denn ihre Seelen wohnen im Haus von morgen,
das ihr nicht besuchen könnt,
nicht einmal in euren Träumen.
Ihr dürft euch bemühen, wie sie zu sein,
aber versucht nicht, sie euch ähnlich zu machen.
Denn das Leben läuft nicht rückwärts
noch verweilt es im Gestern.
Martha, ein inhaltsvolles und lehrreiches Gedicht, über das nachgedacht werden sollte. :!:


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Andreas Ponto
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Re: Glaubenserziehung beim eigenen Nachwuchs

#14 Beitrag von Andreas Ponto » 14.10.2020, 20:02

Der größte Missbrauch geschieht aus meiner Sicht, wenn Eltern, Lehrer und Religionsführer jungen Menschen weismachen wollen, dass alles klar ist und alles schon bekannt ist, sie nur fleißig nicken und schlucken müssen. Das hat die NAK mit mir gemacht. Sie hat mir erklärt wie die Welt ist, was Gott sagt, denkt und tut und dass nur sie das Wissen über all das von Gott, im Heiligen Geist, persönlich haben. Und das habe ich schön brav nachgeplappert und andere mit Eifer missioniert. Es war doch alles klar und ich wusste doch nun auch alles.

Nichts davon, aber auch gar nichts davon hat gestimmt.

Warum wurde ich nicht zum kritischen Denken und Hinterfragen, zum in Frage stellen erzogen?
Warum wurde mir nicht beigebracht, wie ich mir selbst etwas aneigne?
Warum wurde ich nicht zum freien, eigenverantwortlichen Glauben und Leben ermächtigt?
Warum wurde mir nicht gezeigt, wie ich auf mein Selbst, auf mein Inneres hören und achten kann?

Sie wollten Macht über mich, aber niemals meiner Seele Heilung!

Ich bin so froh und dankbar, dass ich trotzdem meine Kinder zum kritischen Denken, zum offenen Nach- und Hinterfragen und eigenverantwortlichen Glauben anleiten konnte.
Und dass liebe Menschen mir durch ihr schlichtes Beispiel schließlich zum Sehen, kritischen Nachdenken, Hinterfragen, in Frage stellen verholfen haben;
dass ich mich schließlich befreien konnte von diesem sektiererischen und missbräuchlichen Dogmatismus, Absolutheits- und Exklusivitätsanspruch.

Lieber Markus, das wünsche ich dir ebenfalls.

Geh sorgsam, achtsam, einfühlsam und in Liebe mit denen um, die dir anvertraut sind. Aber zuallererst mit dir und deinem Selbst.

LG
Andreas

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