Zum fünfzigsten Jahrestag der Kapitulation

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Anne
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#41 Beitrag von Anne » 13.10.2009, 16:27

Cemper hat geschrieben:Ich meine aber, dass gesagt werden darf, dass er es besser lassen sollte. Aber dazu hätte ich dann eine Frage: Warum sollte "er" es lassen? Was wäre der Vorteil?
Cemper, der Vorteil läge auf der Hand: Weil seine Bemühungen bzw. die der KL dann nicht so eingeschätzt werden müssten, wie z.B. Sie es getan haben.
Cemper hat geschrieben: Ihre Kirche ist offensichtlich nicht in der Lage, ihre eigene Geschichte zu verstehen und darzustellen - sie hat zur eigenen Geschichte nach meinem Eindruck kein solides Verhältnis. Auf mich wirkt das Sammelsurium des historischen NAK-Schrifttums so diffus, dass ich mich frage, ob ein Kirchenpräsident - also Dr. Leber - überhaupt die Möglichkeit hat, in öffentlichen Veranstaltungen auf der Basis solider Grundlagen so und so seriös zu argumentieren. Das bedeutet praktisch, dass teilweise Erwartungen oder Forderungen gestellet werden, die nicht eingelöst werden können. Ich jedenfalls glaube nicht, dass das Botschaftsdilemma aufzuarbeiten ist.
Wenn die Aufarbeitung nun aber nicht "solide" bzw. "seriös" sein kann (und ich gehe davon aus, dass Sie das beurteilen können - bitteschön :wink: ), was leitet sich dann daraus ab...? Die Antwort liegt auch auf der Hand. Und die Reaktionen der SchreiberInnen hier "sprechen dazu".

Cemper, ich muss wohl nicht sagen, dass es unerträglich wäre, wenn festgestellt werden muss, dass die Auseinandersetzung mit diesem großen Thema NAK - Geschichte wieder nur "geschickt" wäre; wenn sie Anlass dazu wäre, allen die Rückkehr an das "Mutterherz NAK innigst zu erwünschen" ... und so weiter.

Und wenn Sie schreiben:
Cemper hat geschrieben:Ich meine, dass ein Gottesdienst oder eine andere "Veranstaltung" schon deshalb gut sind, weil dann erkennbar wird, welche historisch gerichteten Vorstellungen die Kirchenleitung hat und welche Konsequenzen sie in der Gegenwart aus den Erfahrungen der Vergangenheit ziehen will oder zu ziehen plant oder hofft, ziehen zu können ...
dann mag es wirklich dazu dienen, dass die, die Klarheit suchen und brauchen, diese auch finden: Über das Vermögen oder Unvermögen der KL. Das wäre dann wieder eine Basis für Entscheidungen.

Schöne Grüße
Anne
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne
(aus "Stufen", H. Hesse)

shalom
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#42 Beitrag von shalom » 13.10.2009, 20:26

Rapante hat geschrieben:Heute hat BAP Koberstein in Frankfurt bekanntgegeben, dass der STAP am 3. Oktober 10 einen GD in Frankfurt halten wird, zum Gedenken an obiges Ereignis (aus Termingründen eben etwas später). Er hat das nur etwas anders ausgedrückt... Der GD wird nicht übertragen. Die werden schon wissen warum :twisted: (das ist nur für die alten Kader bestimmt...). Meine Vorfreude hält sich in beherrschbaren Grenzen. Also, wenn dann jemend eine Karte braucht, sofern welche ausgegeben werden :mrgreen:

Euer Rapante
(der das schnell loswerden musste, damit das Essen gleich schmecken kann)

...da waren die Gäule wohl etwas mit mir duchgegangen...
Der Anlass lautet im offiziellen Sprachgebrauch natürlich anders: Fünfzigster Todestag von... na? Ratet mal! :D
Werte DiskursteilnehmerInnen,

da waren die Gäule wohl nicht nur mit unserem Rapante etwas rasante durchgegangen. Die NaKi hat ja gar keine eigene Gebietskirche und somit auch gar keine eigenen Kirchen (evtl. mit Ausnahme des Andachtsräumchens in ihrer Züricher Residenz). Wie unzählige offizielle Berichte von neuapostolischen Ereignissen unverblümt klarstellen, wird der Stammapostel jeweils eingeladen (was denn sonst?). Z. B.: nach Chicago ([=>Gastgeber: Leo Kolb]) oder nach Düsseldorf ([=>Gastgeber Wirtschaftsapostel Brinkmann]) oder auch in den Kongo zu dem großartigen [=>Häuptling Latorcai] und selbst zum kühlen Justizapostel [=>Schumacher], der auch schon mal den Gastgeber zu mimen hatte.

Warum sollte also nicht der Bernd den Wilhelm gefragt haben, ob er schon am 3.10.2010 was vorhätte? Schließlich kann der selbstbildbewusste Gebietskirchenpräsident von Qierschied (Saarland), Finanzapostel Koberstein auf gute gemeinsame Essen und innige Gemeinschaft mit der [=>AGdS] zurückblicken. Auch der Zusammenbruch der DDR und das östliche Entgegenkommen dürfte handfeste ökonomische Hintergründe gehabt haben. Warum sollte es in einer glaubenskommerziell orientierten Gebietskirchenlandschaft anders sein, zumal wenn sie von profunden Kirchenfinanzstrategen beraten wird?

Der NaKi-Präsident braucht so langsam mal Erfolge – zumal in so einem Jubiläumsjahr – und der Saarländische Gebietskirchenpräsident könnte sie ihm liefern. Alles hat seinen Preis. So ein saarländisches Schmankerl (Saargräko-alation) dürfte sich kein regionaler Präsident vom neuapostolischen Butterbrot nehmen lassen, zumal das die neuapostolische Verhandlungsposition im öffentlichen Licht nachhaltig stärken könnte. Ein so präsentierter Verhandlungserfolg würde zudem die VAG weiter unter Druck setzen und gleichzeitig die Botschaft weiter aus dem Fokus nehmen.

Es darf also weiter munter gekobert werden :wink: .

shalom
Zuletzt geändert von shalom am 13.10.2009, 21:22, insgesamt 1-mal geändert.

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evah pirazzi
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#43 Beitrag von evah pirazzi » 13.10.2009, 20:29

Cemper hat geschrieben: Sie wissen nicht, ob es eine „Gedenkfeier“ geben wird. Ich weiß es auch nicht. Also müssen wir abwarten, was passieren wird.

Ich jedenfalls glaube nicht, dass das Botschaftsdilemma aufzuarbeiten ist. Falls Sie meinen, dass das möglich ist: Wie könnte das denn gemacht werden? Nach meiner Meinung ist kaum mehr möglich als das, was Leber gesagt hat, nämlich, dass die Botschaft für ihn eine ungeklärte Sache ist. Ich halte diese Argumentation übrigens für geschickt und auch für korrekt.
Ich habe der Berichterstattung Rapantes entnommen, dass die Ankündigung Bap Kobersteins eindeutig war: Gedenken an Stap Bischoff anlässlich seines 50. Todestages.

Und wie eine Feierlichkeit dieser Art begangen wird, konnte man sich im Januar 2005 in Braunschweig anschauen, als des 100. Todestages von Stap Krebs gedacht wurde. Irgendeine Erklärung, die auch nur ansatzweise eine Geste der Entschuldigung in Richtung Botschaftsgeschädigte beinhaltet, wird es demnach 2010 in Frankfurth bestimmt nicht geben.

Und warum ist Ihrer Meinung nach "kaum mehr möglich als das, was Leber gesagt hat, nämlich, dass die Botschaft für ihn eine ungeklärte Sache ist" und wie er noch 2007 erklärte: "Im Übrigen: Ich bin persönlich nach wie vor der Meinung, dass es eine Offenbarung war. Die Botschaft ist als Offenbarung, als göttliche Mitteilung, aufgefasst und in die Gemeinden hineingetragen worden" ?

Warum ist man "naiv" und verlangt "zuviel", wenn man von den Männern, die für sich in Anspruch nehmen, die in dieser Zeit einzige Tür zum Heil der Seele zu sein, an der man nicht vorbei kommt, weil nur durch sie "Heiliger Geist" (ohne Artikel, versteht sich) gespendet werden kann, vollgültig Abendmahl gefeiert werden kann, die Bibel richtig ausgelegt werden kann etc.? Warum kann man an diese einzig wahren "Lichtbringer" ins Dunkel der Unkenntnis nicht den Anspruch geltend machen, wahrhaftig nach Versöhnung zu streben - zumal nach 50 Jahren!?

Sie fragen, wie das gemacht werden könnte. Das ist doch im Grunde ganz einfach, die Botschaft hat sich nicht erfüllt, also war sie nicht göttlichen Ursprungs, das weiß jeder halbwegs intelligente Mensch und das sollte man zum einen einfach zugeben. Zum anderen ist viel Leid und Unglück geschehen an denen, die damals schon erkannt hatten, dass diese Botschaft nicht göttlich sein konnte und diesen Menschen gegenüber sollte die heutige Kirchenleitung eindeutig ein Bedauern äußern, dass das damals so passiert ist und dass die nachfolgende Leitung durch ihr Schweigen nicht wahrhaftig gehandelt hat. Mit solch einem Bekenntnis könnte die derzeitige Kirchenleitung nur gewinnen, weil jeder die Wahrhaftigkeit spüren würde. Und das ist es eigentlich auch, was mich am meisten an der ganzen Sache stört: Diese Unaufrichtigkeit.

Sie, Herr Cemper, betrachten das Ganze nur von außen, vergleichen die Vorgehensweise der Kirchenleitung mit anderen Kirchenleitungen, die vielleicht ähnliche Probleme zu meistern haben und nennen es "geschickt und korrekt", Sie sind in diesem "einzig wahren Werk Gottes" nicht aufgewachsen, haben diese Milch nicht von Kind auf "gesoffen", Sie können die Enttäuschung über diese "Gottesmänner" nicht wirklich verstehen, dass dieses "Rumeiern und Taktiern" einen richtig zornig machen kann. Aber Ihre Meinung dazu, aus der Perspektive des Außenstehenden ist natürlich auch recht interessant. :wink:

So, das musste ich noch zu dem Thema loswerden, es sind wieder viel zuviele "Wörter" geworden. Autor, die alte Miesmuschel, wird es wohl wieder bemängeln.


Bild
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

autor

#44 Beitrag von autor » 13.10.2009, 21:19

Werte "evah pirazzi",

du zweifelst also am "Stammapostelamt"? Ach, könnte ich deinem schwachen Glauben nur aufhelfen. Lass dir sagen – der Zweifler empfängt nichts. Bleibe treu! Vielleicht öffnet diese kleine Lektüre dein verstockt fragendes und kritisierendes Herz.

Grüße

a.

42
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#45 Beitrag von 42 » 13.10.2009, 21:47

Ein so präsentierter Verhandlungserfolg würde zudem die VAG weiter unter Druck setzen und gleichzeitig die Botschaft weiter aus dem Fokus nehmen.
Wie ein Gedenken an J.G. Bischoff stattfinden soll ohne seine Botschaft zu beruecksichtigen, stelle ich mir schwierig vor.

tergram

#46 Beitrag von tergram » 13.10.2009, 21:53

42 hat geschrieben:... Gedenken an J.G. Bischoff ...ohne seine Botschaft ...
Sei unbesorgt, die kriegen das hin:

Nach der ultimativen Lobhudelei - wir ahnen die Worte - wird auf dem Höhepunkt der allgemeinen und wohlwollenden Sentimentalität "alles Ungute und menschlich-fehlerhafte ins Meer des Vergessens geworfen und mit dem Mantel der Liebe zugedeckt...". Dies verbunden mit der Ermahnung, nicht zu richten, sondern zu vergeben und weiter "treu" zu bleiben. Danach feiert man gerührt das Abendmahl für die Entschlafenen und der Chor singt zum Abschluss: "Lass du mich stille werden..."

Genau so. Wieso auch nicht? Hat doch bisher auch immer funktioniert.

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#47 Beitrag von evah pirazzi » 13.10.2009, 22:34

Nein tergram, der Chor singt: "Der Herr ist mein Licht..."

und alle erheben sich und lauschen stehend - das ist oligatorisch!!!

:wink:
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

tergram

#48 Beitrag von tergram » 13.10.2009, 22:42

Ja. Stimmt. Ich war wohl zu lange nicht mehr... *schäm* :oops:

Also bitte: ..."dass ich mög' bleiben im Hause des Herrn... allezeit..."

Cemper

#49 Beitrag von Cemper » 13.10.2009, 23:34

evah pirazzi hat geschrieben:
Cemper hat geschrieben: Sie wissen nicht, ob es eine „Gedenkfeier“ geben wird. Ich weiß es auch nicht. Also müssen wir abwarten, was passieren wird.

Ich jedenfalls glaube nicht, dass das Botschaftsdilemma aufzuarbeiten ist. Falls Sie meinen, dass das möglich ist: Wie könnte das denn gemacht werden? Nach meiner Meinung ist kaum mehr möglich als das, was Leber gesagt hat, nämlich, dass die Botschaft für ihn eine ungeklärte Sache ist. Ich halte diese Argumentation übrigens für geschickt und auch für korrekt.
Ich habe der Berichterstattung Rapantes entnommen, dass die Ankündigung Bap Kobersteins eindeutig war: Gedenken an Stap Bischoff anlässlich seines 50. Todestages.

Und wie eine Feierlichkeit dieser Art begangen wird, konnte man sich im Januar 2005 in Braunschweig anschauen, als des 100. Todestages von Stap Krebs gedacht wurde. Irgendeine Erklärung, die auch nur ansatzweise eine Geste der Entschuldigung in Richtung Botschaftsgeschädigte beinhaltet, wird es demnach 2010 in Frankfurth bestimmt nicht geben.

Und warum ist Ihrer Meinung nach "kaum mehr möglich als das, was Leber gesagt hat, nämlich, dass die Botschaft für ihn eine ungeklärte Sache ist" und wie er noch 2007 erklärte: "Im Übrigen: Ich bin persönlich nach wie vor der Meinung, dass es eine Offenbarung war. Die Botschaft ist als Offenbarung, als göttliche Mitteilung, aufgefasst und in die Gemeinden hineingetragen worden" ?

Warum ist man "naiv" und verlangt "zuviel", wenn man von den Männern, die für sich in Anspruch nehmen, die in dieser Zeit einzige Tür zum Heil der Seele zu sein, an der man nicht vorbei kommt, weil nur durch sie "Heiliger Geist" (ohne Artikel, versteht sich) gespendet werden kann, vollgültig Abendmahl gefeiert werden kann, die Bibel richtig ausgelegt werden kann etc.? Warum kann man an diese einzig wahren "Lichtbringer" ins Dunkel der Unkenntnis nicht den Anspruch geltend machen, wahrhaftig nach Versöhnung zu streben - zumal nach 50 Jahren!?

Sie fragen, wie das gemacht werden könnte. Das ist doch im Grunde ganz einfach, die Botschaft hat sich nicht erfüllt, also war sie nicht göttlichen Ursprungs, das weiß jeder halbwegs intelligente Mensch und das sollte man zum einen einfach zugeben. Zum anderen ist viel Leid und Unglück geschehen an denen, die damals schon erkannt hatten, dass diese Botschaft nicht göttlich sein konnte und diesen Menschen gegenüber sollte die heutige Kirchenleitung eindeutig ein Bedauern äußern, dass das damals so passiert ist und dass die nachfolgende Leitung durch ihr Schweigen nicht wahrhaftig gehandelt hat. Mit solch einem Bekenntnis könnte die derzeitige Kirchenleitung nur gewinnen, weil jeder die Wahrhaftigkeit spüren würde. Und das ist es eigentlich auch, was mich am meisten an der ganzen Sache stört: Diese Unaufrichtigkeit.

Sie, Herr Cemper, betrachten das Ganze nur von außen, vergleichen die Vorgehensweise der Kirchenleitung mit anderen Kirchenleitungen, die vielleicht ähnliche Probleme zu meistern haben und nennen es "geschickt und korrekt", Sie sind in diesem "einzig wahren Werk Gottes" nicht aufgewachsen, haben diese Milch nicht von Kind auf "gesoffen", Sie können die Enttäuschung über diese "Gottesmänner" nicht wirklich verstehen, dass dieses "Rumeiern und Taktiern" einen richtig zornig machen kann. Aber Ihre Meinung dazu, aus der Perspektive des Außenstehenden ist natürlich auch recht interessant. :wink:

So, das musste ich noch zu dem Thema loswerden, es sind wieder viel zuviele "Wörter" geworden. Autor, die alte Miesmuschel, wird es wohl wieder bemängeln.


Bild
Liebe Frau Pirazzi,

ich habe Rapantes Eröffnung dieses Threads das entnommen, was Rapante geschrieben hat. Ich zitiere: „.Heute hat BAP Koberstein in Frankfurt bekanntgegeben, dass der STAP am 3. Oktober 10 einen GD in Frankfurt halten wird, zum Gedenken an obiges Ereignis.“ Das obige Ereignis ist - so ebenfalls der Rapante-Eintrag - der „fünfzigste Jahrestag der Kapitulation“. Für Sie heißt das: „Ich habe der Berichterstattung Rapantes entnommen, dass die Ankündigung Bap Kobersteins eindeutig war: Gedenken an Stap Bischoff anlässlich seines 50. Todestages.“ Ich hatte das so nicht verstanden. Die Sachlage ist jetzt aber klar. Es geht um "die Botschaft". Lassen wir das Problem der Klarheit und Verständlichkeit der Rapante-Aussage deshalb beiseite. Ich nehme mir aber die Freiheit, demnächst zu schreiben, dass es in Berlin bewölkt ist, was dann heißen soll, dass es in Rom regnet.

Zu Ihrem nächsten Punkt - Gedenkgottesdienst Krebs - kann ich nichts sagen. Ich sehe auch nicht, was Krebs mit der Bischoff-Botschaft zu tun hat.

Im dann folgenden Abschnitt fragen Sie mich, warum meiner Meinung nach - ich zitiere Sie - "kaum mehr möglich (ist) als das, was Leber gesagt hat, nämlich, dass die Botschaft für ihn eine ungeklärte Sache ist" und wie er noch 2007 erklärte: "Im Übrigen: Ich bin persönlich nach wie vor der Meinung, dass es eine Offenbarung war. Die Botschaft ist als Offenbarung, als göttliche Mitteilung, aufgefasst und in die Gemeinden hineingetragen worden" ?

Meine Antwort: Herr Dr. Leber kann nicht mehr sagen, weil der Botschafts-Sachverhalt nicht geklärt werden kann.( Am Rande: Ich meine, dass die mangelnde Klärungsmöglichkeit nicht nur „eine Meinung“, sondern eine Tatsache ist.) Wir können eben nicht sagen, auf welcher Grundlage Mitte des vorigen Jahrhunderts der oberste Geistliche einer christlichen Sondergemeinschaft - der Neuap. Kirche - verkündet hat, dass die Wiederkunft Christi ein Ereignis zu seiner „Lebzeit“ sein würde. Wir können nur anhand einiger Tondokumente und Predigtmitschriften feststellen, dass er diese Wiederkunft verkündet hat - und das ist der „harte Kern“ der Botschaft. Niemand kann mit Sicherheit die Grundlagen dieser Botschaft als Tatsachenbeschreibung erläutern. Es ist nicht möglich zu sagen, dass Herr Bischoff eine Offenbarung empfangen hat. Es ist auch nicht möglich zu sagen, dass er keine Botschaft empfangen und nur geträumt hat. Es ist auch nicht möglich, Herrn Bischoff psychologisch zu untersuchen. Es kann nur „spekuliert“ werden. Dabei muss es jedem überlassen bleiben, ob er diese Geschichte so oder so sieht. Für Herrn Dr. Leber - der ausdrücklich von seiner „persönlichen Meinung“ spricht - ist die Botschaft eine Offenbarung. Gegen eine solche persönliche Meinung kann niemand etwas sagen. Herr Leber und andere haben - und das ist Konsequenz der Religionsfreiheit - das Recht, die „Botschaft“ als Offenbarung zu verstehen und sogar trotz aller faktischen Ungereimtheiten bis heute an eine Botschaft zu glauben. Herr Leber und andere können auch Zweifel oder Unsicherheiten bekunden. Wenn ich mich richtig erinnere, hat Herr Leber in einem Interview auch gesagt, dass er es für möglich hält, dass Herr Bischoff - der Stammapostel der Neuap. Kirche - etwas falsch verstanden hat. Das ist alles in Ordnung. Zugleich haben andere im Rahmen des Rechts der Meinungsfreiheit das Recht, einen solchen Glauben oder ein solches Verständnis als unsinnig zu bezeichnen. Die Reaktionsweisen sind freilich - und das halte ich auch für richtig - strafrechtlich durch einschlägige Bestimmungen zum Schutz der Religionsfreiheit und Religionsausübung begrenzt.

Sie fragen dann, warum es naiv sei, wenn ... und warum man zu viel verlange. Die Antwort ist einfach: Es ist naiv und zu viel verlangt, die Klärung eines Sachverhaltes zu erwarten, der nicht geklärt werden kann.

In dem dann folgenden Absatz sagen Sie, dass die Lösung des Problems „doch im Grunde ganz einfach“ sei. Sie argumentieren: „Die Botschaft hat sich nicht erfüllt, also war sie nicht göttlichen Ursprungs, das weiß jeder halbwegs intelligente Mensch und das sollte man zum einen einfach zugeben.“

Ich kann an dieser Stelle Ihrer Argumentationslogik nicht folgen. Ich kann nicht erkennen, wieso Sie hier von „also“ sprechen: „Die Botschaft hat sich nicht erfüllt, also war sie nicht göttlichen Ursprungs ...“ Ich kann Ihnen nicht folgen, weil mir Ihr Gottesbegriff oder Ihr Verständnis von Gott unklar ist. Sie haben - so vermute ich - einen neuap. Gottesbegriff. In einen solchen Gottesbegriff passt das Botschaftsproblem „nicht rein“. Sie denken (und glauben) vermutlich, dass Gott das, was er verspricht, hält, und dass dann, wenn etwas als von Gott versprochen verkündet wurde und sich „nicht ereignet“, nicht mehr gesagt werden kann, dass es von Gott versprochen war. Deutlicher: Sie sagen dann, dass die „Botschaft“ nicht von Gott gekommen sein kann und fordern, dass das endlich zugegeben wird. Sie sind auch nicht bereit, der neuap. Argumentation zu folgen, nach der Gott „seinen Willen geändert hat“. Warum folgen Sie dieser Argumentation nicht? Ich halte sie übrigens neuapostolisch-systemimmanent nicht für unlogisch.

Mein Problem liegt auf einer anderen Ebene. Ich habe erstens keinen Gottesbegriff, zu dem Offenbarungen oder Botschaften der fraglichen Art passen. Ich denke und glaube eher in Dimensionen, die mit Formulierungen dieser Art beschrieben werden können: Einen Gott, den es gibt, gibt es nicht. Gott ist ein Synonym für Gott. (Das sind Gedanken von Bonhoeffer und Tillich. Ich will sie jetzt nicht vertiefen.) Und zweitens habe ich dieses Problem: Ich frage mich, wieso Menschen im 20. Jahrhundert das glauben, was in der Neuap. Kirche gelehrt wurde und wird. Dabei interessieren mich besonders Menschen mit einer „guten Ausbildung“. Ich möchte wissen, warum - wie ich schon gelegentlich geschrieben habe - der neuap. Mathematikprofessor A, der neuap. Medizinprofessor B, der neuap. Rechtsprofessor C, der neuapostolische Ökonomieprofessor D, der neuap. Rechtsanwalt E, der neuap. Arzt F. usw. „neuapostolisch glauben“. Zur Zeit ist die Frage allerdings etwas diffus; es ist ja unklar, was der „harte Kern“ der neuap. Glaubenslehre ist.

Ein letzter Punkt: Sie sagen, dass ich „das Ganze“ nur von außen betrachte, dass mir dieses und jenes fehlen würde und dass ich deshalb nicht verstünde, warum ...

Das ist einerseits richtig. Andererseits braucht man aber nicht viel Phantasie, um sich vorzustellen, wie groß die innere Bedrängnis der Männer war, die nach dem Tod des Herrn Bischoff in verantwortlicher Stelle und vermutlich über die Maßen überfordert waren. Dabei geht es nicht nur um die leitenden Männer. Es geht um das "normale Kirchenvolk". Es geht um Frau oder Herrn X, die/der geglaubt haben, dass - und die in den Trümmern ihrer eigenen Glaubenswelt saßen und nicht mehr wussten, wo hinten und vorne ist.

Sehen Sie die Zusammenhänge, über die wir hier reden, doch einmal nicht durch die Brille der Alltagslogik und auch nicht durch die Brille der Theo-Logik, sondern durch die Brille der Psycho-Logik. Es wird dann klar, dass leitende Herren in einer religiösen Sondergemeinschaft ohne theologische und seriöse bibelkundliche Kenntnisse einerseits und mit großen religiösen Bedürfnissen andererseits in Problemlagen kommen und gläubige Menschen in den Sondergemeinschaften in Problemlagen bringen.

Die gegenwärtige NAK-Leitung hat das - so mein Eindruck - in Ansätzen erkannt. Sie hat - teilweise - eine unvergleichlich bessere Ausbildung als die "neuap. Altvorderen" und versucht, Wege und Auswege zu finden. Kritik an diesen Versuchen ist nicht verboten. Sie ist aber nicht immer hilfreich. Manchmal wird sie auch zu Verhärtungen führen.

Evah - dieser Eintrag ist unvollständig. Ich weiß es. Seien Sie nachsichtig mit mir.

Cemper

Cerebron

#50 Beitrag von Cerebron » 14.10.2009, 09:09

Werter Cemper,

gestatten Sie einige Gedanken am Rande: Bei der Empörung über die "Botschaft" müssen doch zwei Aspekte behandelt werden, nämlich das "was" und dass "wie" der Botschaftsverkündung. Zum Inhalt der Verkündung - Wiederkunft des Heilandes zu Lebzeiten des Stammapostels Bischoff - haben Sie sich geäußert. Für viele neuapostolische Christen gehören aber die Umstände der Botschaftsverkündung untrennbar zum Inhalt der Botschaft selbst, sie prägen die Botschaft mit. Und diese Umstände werden vielfach als untragbar empfunden. Die Umstände sind doch nicht einfach so auf "Gottes Volk" herabgekommen, sondern bestehen aus den konkreten Handlungen und Unterlassungen auch und gerade der damals kirchenleitenden Amtsträger. Diese Handlungen und Unterlassungen gegenüber solchen neuapostolischen Kirchenmitgliedern, die Skepsis gegenüber der "Botschaft" erkennen ließen, lassen sich vielfach (zu vielfach) mit den Attributen bezeichnen: lieblos, unversöhnlich, verleumderisch, unbedacht, aufgeblasen, kurz: dem Guten feindlich. Der hervergerufene Ekel über die Form der Botschaftsverkündung wird deshalb leicht auf den Inhalt der "Botschaft" erstreckt.

Und deshalb reicht es nicht, sich darauf zurückzuziehen, der Sachverhalt könne nicht geklärt werden. Es gibt wie oben beschrieben im Komplex "Botschaft" sehr konkrete Sachverhalte, die geklärt und aufgearbeitet werden können. Sehen Sie auch in soweit, dass "die gegenwärtige NAK-Leitung das ... in Ansätzen erkannt [hat]", und dass "[sie] versucht, Wege und Auswege zu finden"?

Gruß,
C.E.

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