Zum fünfzigsten Jahrestag der Kapitulation

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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evah pirazzi
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#21 Beitrag von evah pirazzi » 12.10.2009, 18:09

Cemper hat geschrieben: ... dann verstünde ich diesen Thread und die Aufregung auch nicht. Bischoff hat in seiner Funktion als Leiter der NAK in den Jahren 1930 bis 1960 entscheidend diese Kirche geprägt.

...Wer möchte in solchen Zeitläuften Leiter einer religiösen Sondergemeinschaft mit chiliastischer Ausrichtung sein?

Warum sollte der gegenwärtige Kirchenleiter - also Dr. Leber - keinen Gedenkgottesdienst halten? Mir ist allein diese Frage unverständlich. Ich halte es sogar für einen Akt der Höflichkeit und der Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Geschichte...
Ja, warum zelebriert der Mensch Gedenktage? Ich denke, zum einen aus Anlass eines erfreulichen Ereignisses, z.B. ein Kriegsende oder eine Wiedervereinigung zweier zusammengehöriger Staaten, die 40 Jahre zwangsweise getrennt waren, oder die Reformationsbewegung innerhalb einer alles dominierenden Kirche, die eine geistliche Befreiung der Menschen beinhaltete und zum anderen finden Gedenktage aus Gründen der Mahnung statt, auf dass nicht vergessen werden soll, was in der Vergangenheit Schlimmes geschehen ist, z.B. der Totensonntag, wo der Gefallenen der Kriege gedacht wird oder der 17. Juni, wo der willkürlichen Staatsgewalt mahnend gedacht wird, die vielen Menschen das Leben gekostet hat.

Ich frage mich deshalb, zu welcher Art Gedenktag soll derjenige am 3.10.2010 gehören? Sicher, Stap Bischoff war 30 Jahre ein prägender "Führer" der NAK und in gewisser Hinsicht wohl auch eine Ersatzfigur des "Führers" (für den übrigens auch keine Gedenktage veranstaltet werden - warum wohl nicht?). Bischoff wurde auch "Vater" genannt, obwohl Jesus gelehrt hat: Niemand lasse sich Vater nennen. Das Volk der NAK-Christen brauchte wohl noch eine solche Führerfigur, das bedeutete Sicherheit usw.

Entscheidend bei der Beurteilung einer Figur der Geschichte ist letzten Endes immer das Ende. Hat derjenige ehrlich, uneigennützig, zum Wohl aller und weise seiner Sache gedient? Ich komme noch einmal auf die Anti-Gedenk-Figur schlechthin: Hitler. Auch er hat während seiner Amtszeit einiges Gutes für das Volk getan und dennoch hat er durch seine egoistische und machthungrige Politik und die Greueltaten an seiner Vorstellung nach minderwertigen Menschen unterm Strich keine Lorbeeren verdient, es gibt keine Gedenktage, die an seine guten Taten erinnern, höchstens solche, die der Mahnung dienen.

Betrachtet man das Wirken Bischoffs - und ich denke, er hat trotz der schwierigen Zeiten sehr gern diese Rolle übernommen, schon allein der Ehre und Anerkennung wegen - so kann man bestimmt einiges aufzählen, was er in den Jahren seiner Amtszeit Gutes an den Schäfchen getan hat, die Sicherheit, die starke Persönlichkeit, an der man sich in Krisenzeiten orientieren konnte usw., aber was ist wirklich unterm Strich geblieben? Der Kreis der Apostel war furchtbar zerstritten, es gab undurchsichtige Machenschaften um die Eigentumsverhältnisse des Verlages, der schließlich aus Opfergeldern der Gläubigen entstanden ist und am Ende sein Eigentum war, er wollte seine Machtposition nicht aufgeben und erfand dann nach und nach diese "göttliche" Botschaft, die die NAK bis heute erschüttert, obwohl wiederum überlieferte Jesulehre besagt: Zeit und Stunde weiß niemand.

Und wenn Sie schreiben von einem Akt der Höflichkeit und Ehrlichkeit gegenüber der eigenen Geschichte, dann frage ich zurück: Wo ist bis heute dieser Akt der Höflichkeit und Ehrlichkeit gegenüber der Geschichte in Bezug auf die Aufarbeitung der gescheiterten Botschaft und die ausgebliebene Entschuldigung gegenüber den Exkommunizierten geblieben?

Warum also sollte der gegenwärtige Kirchenleiter keinen Gedenkgottesdienst abhalten? Ganz einfach, weil er es noch immer nicht geschafft hat, das Botschaftsdilemma aufzuarbeiten. Erst dann, so meine ich, wäre eine Gedenkfeier gerechtfertigt!!

Sodele.
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

42
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#22 Beitrag von 42 » 12.10.2009, 18:34

Evah Pirazzi hat geschrieben:Sodele.
Frau Evah, Sie sprechen perfekt auslaendisch fuer eine Hessin.

Fuer Nicht-Schwaben: Das Wort verwenden die Schwaben in allen moeglichen Lagen, wenn sie eine Taetigkeit zur Zufriedenheit abgeschlossen haben.

Brombär
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#23 Beitrag von Brombär » 12.10.2009, 19:03

42 hat geschrieben:
Evah Pirazzi hat geschrieben:Sodele.
Frau Evah, Sie sprechen perfekt auslaendisch fuer eine Hessin.

Fuer Nicht-Schwaben: Das Wort verwenden die Schwaben in allen moeglichen Lagen, wenn sie eine Taetigkeit zur Zufriedenheit abgeschlossen haben.
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42

das hast du aber sehr, sehr schön ausgedrückt :lol: :lol: :lol:
Das ist unsere Berufung, dass einer dem anderen Rast biete, auf dem Weg zum ewigen Haus.

Pritzebilsky

#24 Beitrag von Pritzebilsky » 12.10.2009, 19:16

Eine Gedenkfeier für einen, der die Naziideologie in einflussreicher Position unterstützt hat? Zu dessen Untaten sich die NAK bis heute nicht klar negativ geäußert hat? Ach nee, bei allen Erklärungsversuchen von Herrn Cemper, was die armselige Denke des Herrn Bischoff betrifft, das sollte sich die NAK doch mal lieber verkneifen.

Dieser Versuch, autoritäres und boshaftes Verhalten zu verstehen, ist erst einmal viel sinnvoller, als nur Kraftausdrücke oder verständnisloses Entsetzen. Derart versucht z.B. Schmidt-Salomon in seinem neuen Buch, Eichmanns Handlungs- und Denkweise zu verstehen.

So wichtig und richtig es einerseits ist, selbst assozialstes Verhalten zu erklären, um seine Ermöglichungsbedingungen aufzuzeigen, abzufeiern gibt es gar nichts bei seinen Vertretern.

Man sollte dabei auch nicht vergessen, dass Bischoff Stammapostel war und zwar in einer Sekte, die mit dem Anspruch auftritt, im Stammapostel den autorisierten Sprecher Gottes vorweisen zu können. Von daher hielte ich es für spannender, die Frage zu erörtern, was denn in den Köpfen der KL vorgeht, dass sie einem wie Bischoff immer noch ihre Anerkennung versichert. Und das nach allem, was heute über ihn bekannt und belegt ist und nach einem zeitlichen Abstand, bei dem man wohl eine kritische Beurteilung erwarten dürfte.

Rapante

#25 Beitrag von Rapante » 12.10.2009, 20:03

Hallo nochmals in de Runde :D

Natürlich ist eine Kapitulation immer ein Vorgang unter maßgeblicher Mitwirkung des Kapitulierenden - sonst wäre es ja keine 8)

Ich habe diesen Begriff tatsächlich etwas weiter ausgelegt. Die NAK hat vor fünfzig Jahren m. E. konsequent und umfassend die Vorarbeit gleistet (Botschaft) - die Niederlage menschlicher Vermessenheit vor Gottes Willen aber bis heute nicht beurkundet. Seis drum - ich war so frei!

Rein inhaltlich könnt ihr hier ja gerne alles mögliche in die Ankündigung als solches hinein interpretieren. Nur war die Ankündigung, was die Beweggründe für den bevorstehenden Besuch angeht, völlig eindeutig!

Euer Rapante

P.S.: Die Reaktionen der Ohrenzeugen mit denen ich bisher darüber sprach schwankten zwischen Fassungslosigkeit und Amüsiertheit. Hingehen will jedenfalls keiner! Aber gut: Mein Bekanntenkreis stellt wohl nicht wirklich einen representativen Querschnitt der NAK-Schäfchen da :D

autor

#26 Beitrag von autor » 12.10.2009, 21:53

evah pirazzi hat geschrieben:ganz viele Wörter
Liebe Tante Pirazzi,

was wäre dieser oder jener "Verführer" ohne diejenigen, die ihm blindlings folgten, scharenweise? Richtig. Er wäre keiner. Dieses oder jenes Elend derartig pointiert an der "Führerfigur" aufzuhängen, wie es dir so flockig aus der Feder fließt, ist jenes Geschichtsbild, was sich mal eben schnell, schön, einfach – um nicht zu sagen billig – ohne viele Gedanken aus der Tasche zaubern lässt. (Mündend in ein doppeltes Ausrufezeichen, oho)

An solchen Gedenk-Tagen feiert man nicht nur den Führer, sondern zu einem guten Teil sich selbst (Wenn nicht gar ausschließlich sich selbst) Wir haben "ja" zur Botschaft gesagt – und das ist ok! So ähnlich lautet wohl die Kernaussageabsicht einer solchen Veranstaltung. Für den Herrn Leber ist das Aufarbeitung.

Grüße

a.

42
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#27 Beitrag von 42 » 12.10.2009, 22:05

Hingehen will jedenfalls keiner! Aber gut: Mein Bekanntenkreis stellt wohl nicht wirklich einen representativen Querschnitt der NAK-Schäfchen da(r)
Jetzt verstehe ich, woher die Einlasskarten stammen werden. :wink:

Stell Dir vor, es ist Gedenktag und keiner geht hin.

tergram

#28 Beitrag von tergram » 12.10.2009, 22:08

autor hat geschrieben:Für den Herrn Leber ist das Aufarbeitung.
Vermutlich ja. Nur ist Herr Dr. Leber eben nicht die NAK. Er repräsentiert sie lediglich. Es scheint an der Zeit, Schilder hochzuhalten:

Bild

Aber es ist zu befürchten, dass die Lämmer auch weiter schweigen. Man wird auch diesen GD über sich ergehen lassen: Nach aussen verkünden, man sei "wieder so selig geworden" und innerlich froh sein, dass es vorbei ist. Sonst wird nichts sein. Gar nichts. Ausser der schleichenden Erosion.

GG001

#29 Beitrag von GG001 » 12.10.2009, 22:26

Wordsmith "deaconess" denkt sich
grave news
I imagine that the VAG will be receiving engraved invitations

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evah pirazzi
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#30 Beitrag von evah pirazzi » 12.10.2009, 22:45

autor hat geschrieben:
evah pirazzi hat geschrieben:ganz viele Wörter
Liebe Tante Pirazzi,

Für den Herrn Leber ist das Aufarbeitung.
Na, Herr Krawallbürstenreiter mit Tendenz zum Seifenbeißer -

Du meinst also, Herr Leber leistet Geschichtsaufarbeitung, indem er Gedenktage zelebriert? Wow, da hast du wohl den psychoanalytischen general overlook.

Mir erschien es eher wie eine beabsichtigte Fortführung der Verdrängungs- und Ignoranzpolitik, wie sie schon seit Jahren praktiziert wird. Aber was weiß ich schon, schreibe halt manchmal gerne spontan viele Worte und lass mich dabei nur von intuitiven Gedanken leiten.

Bild
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

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