NAK - Diakon auf der Suche: Ein Abschied?

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Bezirks-Elster
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Re: Ein Abschied?

#41 Beitrag von Bezirks-Elster » 15.02.2019, 07:45

Hallo Imhierundjetzt,

ich war mit meinem Statement über die Ehe einen Schritt weiter gegangen. Ich meinte, die Ehe habt ihr erstmal als Mann und Frau geschlossen. Ohne Gott. Natürlich war es sicher eine kirchliche Trauung und der Durchführende hat die Wichtigkeit, Gott einzubeziehen sicher sehr betont und ihr habt es gelobt. Doch im Grunde ist es eine Beziehung, ein Vertrag zwischen dir und deinem Mann. Wenn es im Moment ein Problem mit deinem Gottesbild gibt, würde ich dieses erstmal aus der "mathematischen Aufgabe ausklammern" und mich auf das Wesentliche konzentrieren: Wir beide sind füreinander da.

Mein Heimatbild ist nicht ganz rosig. Es ist ein verklärtes Bild im Zurückschauen mit einer Zeitdistanz dazwischen. Ich hatte auch oft keinen Bock in die Kirche zu gehen, fand die Predigten inhaltsleer, usw. Aber diese Wohnzimmerstimmung, die vertraute Klanglichkeit der Heimatlieder, das Freuen auf Jesu Wiederkehr, ja das engstirnige, das vermisse ich manchmal. Es ist wie eine Hassliebe.

Du sagtest, dein Mann lebt seine Leidenschaft nur da aus. So war es bei mir auch. Ich habe Musik gemacht und das im Grunde nur im Rahmen der NAK. Habe aber schon frühzeitig dieses Koordinatensystem auch außerhalb der NAK verankert, so dass ich meine Musik nun ausserhalb der NAK sehr gut ausführen kann. MAche regelmäßig Orgeldienste in ev. wie auch kath. Kirchen. Was ich sehr gemein fand, war der Ausspruch meines Bezirksältesten beim Aussprachetermin: "Mein Freund, du hast Musik im Blut. Ausserhalb der Kirche bist du nichts. Du wirst nicht weggehen." - Man sollte nicht glauben, was diese Worte einen Anspron geben können .... :wink:

Wir hatten während der Austrittszeit zuerst mal einige Tanzkurse gemacht. Man, war das eine schöne neue Erfahrung!

Ich sehe das Problem mit deinem Kind gar nicht so tragisch. Lasst es gern in zwei Welten aufwachsen, es kennt damit beide Seiten und wird denke ich nicht mehr anfällig, psychische Schäden zu bekommen. Ich denke, wir haben diese "Kirchenmacke" bekommen, weil wir eben nur eindimensional erzogen wurden. Wichtig ist dass ihr euer Kind liebt - du mit einem kirchenkritischen Vorzeichen, dein Mann noch verzahnt in der Gemeinschaft, versuchend die Liebe von Christo in das Kind einzubauen. Euer Kind ist schlauer, als wie ihr denkt, das braucht kein schwarz-weiss-Erziehungsstil. Gebt ihm einen Korridor.

Meine Frau - der Kirchenabstand kam aus ihrer Initiative - hat das sehr elegant gemacht. Hut ab. Sie sagte: "Ab heute gehe ich nicht mehr in die Kirche. Du kannst gern weiterhin gehen. Die Kinder gehen auch nicht, es sei denn, sie wollen." Kein Stress, kein Druck, keine Erwartungshaltung. Einfach nur ein ABstecken der eigenen Grenzen. Irgendwie war das wie ein Magnet für mich....
"Liebe Geschwister, `im Natürlichen` gibt es den Bewehrungsstahl ....."
Co-Predigt zum Thema "Bewährung" in einer deutschen Landeshauptstadt im Jahr 2015

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Lulo
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Re: Ein Abschied?

#42 Beitrag von Lulo » 15.02.2019, 09:36

Imhierundjetzt hat geschrieben:
14.02.2019, 14:47
@Lulo: Weshalb wäre es einfacher gewesen zu bleiben? Wegen deinem sozialen Umfeld?
Sich eigene Gedanken zu machen, Entscheidungen selbst zu treffen, Verantwortung selbst zu übernehmen, das musste ich erst lernen. Das war anstrengend. Vorher war es einfach: Man legt alles ins Gebet und ER wird schon machen - der Heiland sorgt für dich. Und inmitten einer Gemeinde zu sein, dieses Herdengefühl, trägt noch dazu bei, dass man einfach mitläuft - sehr bequem. Außerdem hat man dort seine Leute, man kennt sich, meist schon über viele Jahre. Weshalb sollte man daran etwas ändern?

Es ist nicht so, dass ich vor meinem Abschied noch nie Zweifel hatte. Die waren immer mal wieder da, aber als gelernter neuapostolischer Gläubiger kann man mit Zweifeln umgehen: Verdrängung und Gebet um Erkenntnis. Das klappte sehr gut, denn die Zweifel verschwanden (da wuchs Gras drüber) und alles war wieder Friede, Freude, Eierkuchen. So einfach war das.

Was unmittelbar vor meinem Abschied anders war? Tja, ich habe die Zweifel nicht weggebetet, jedenfalls nicht so konsequent wie vorher, sondern ich habe sie zugelassen. Ich WOLLTE sie zulassen, weil ich maßlos enttäuscht war von meinem Bezirksältesten, der mich vor der kompletten Gemeinde bloßgestellt hatte (es ging um meine Trennung, also ganz private Dinge, die er auf sehr herablassende Weise und mit moralischer Keule thematisiert hat) und hinterher zu mir sagte, dass ich gar nicht gemeint gewesen sei. Von da an zweifelte ich, welchen Wert das Wort vom Altar noch haben kann, wenn ganz bewusst Einzelne verurteilt werden, egal ob ich oder jemand anderes. WO WAR DER HEILIGE GEIST IN DIESEM GD?? Gibt es ihn überhaupt??

Und jetzt zurück zu deiner Frage. Zweifel zu unterdrücken, war leicht. Als ich sie zuließ, wurde es anstrengend. Denn die Antworten, die ich fand, forderten unweigerlich Konsequenzen. Ich konnte nicht einfach so weitermachen wie bisher. Mein komplettes Weltbild stand plötzlich Kopf und ich musste irgendwie damit klar kommen. Für mich waren das schmerzhafte Erkenntnisse, weil ich wirklich geglaubt hatte. Dazu kam, dass es nur schwer auszuhalten war, wie alle trauerten (NAK-Familie, Leute in der Gemeinde) als sei ich gestorben. Ich habe noch Jahre später "gefühlt", dass genau jetzt der GD beginnt. Diese ganzen Emotionen waren sehr anstrengend.

Zusammenfassend und nunmehr neun Jahre nach meinem Abschied kann ich sagen, dass sich mein Leben richtig anfühlt. Bauchgefühl und Verstand stehen sich nicht mehr gegenseitig im Weg. Wenn der Bezirksälteste nicht so ein emotionaler Autist wäre, müsste ich ihm im Grunde für seinen Tritt sogar dankbar sein.

Lulo
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Blackcat
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Re: Ein Abschied?

#43 Beitrag von Blackcat » 07.05.2019, 09:11

Dann will ich nach längerer Zeit doch mal wieder einen Statusbericht machen:

Im letzten Vierteljahr habe ich es dann doch tatsächlich in einen NAK-Gottesdienst geschafft, in einer etwas weiter weg gelegenen, für mein Empfinden recht fröhlichen, progressiven Gemeinde. Der Gottesdienst war schön Jesus zentriert, vom Apostolat war nicht die Rede, die Predigt lebensfroh und lebensnah. Der hefitge Moment war für mich lediglich, als zum Abendmahl die schwarze Wand aufmarschierte. Es hat absolut nichts feierliches, sondern wirkt mit etwas Distanz einfach nur noch albern bis einschüchternd.

Ansonsten genieße ich gerade die freien Sonntage, beschäftige mich viel mit evangelischer Literatur, auch die hier von Andreas geposteten Tageslosungen sind ein Freude. Beim Lesen von Luthers Freiheit des Christenmenschen hatte ich Tränen in den Augen, ebenso beim ein oder anderen Beitrag auf evangelisch.de oder beim Stöbern in diversen Predigten. In einen evangelischen Gottesdienst habe ich bislang noch nicht geschafft, zu sehr genieße ich diese "freien" Sonntage. Dennoch fühle ich mich meinem christlichen Glauben und dem Evangelium verbundener denn je.

Wie es weiter geht? Innerlich ist die Sache wohl klar, da bin ich raus aus der NAK. Dennoch fürchte ich etwas die Reaktionen meiner Familie...mal schauen.
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Re: Ein Abschied?

#44 Beitrag von fridolin » 07.05.2019, 11:09

Wie es weiter geht? Innerlich ist die Sache wohl klar, da bin ich raus aus der NAK. Dennoch fürchte ich etwas die Reaktionen meiner Familie...mal schauen.
Wer ist denn mit meiner Familie gemeint?
Der Ehepartner, deine Kinder oder die übliche neuapostolische Verwandtschaft. :D

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Re: Ein Abschied?

#45 Beitrag von Blackcat » 07.05.2019, 11:52

fridolin hat geschrieben:
07.05.2019, 11:09
Wie es weiter geht? Innerlich ist die Sache wohl klar, da bin ich raus aus der NAK. Dennoch fürchte ich etwas die Reaktionen meiner Familie...mal schauen.
Wer ist denn mit meiner Familie gemeint?
Der Ehepartner, deine Kinder oder die übliche neuapostolische Verwandtschaft. :D
Im wesentlichen das Elternhaus. Man liest ja teils Dinge, wie sich Eltern von ihren Kinder abgewendet haben etc...
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Re: Ein Abschied?

#46 Beitrag von fridolin » 07.05.2019, 12:41

Im wesentlichen das Elternhaus. Man liest ja teils Dinge, wie sich Eltern von ihren Kinder abgewendet haben etc...
Wer überwirft ich gerne mit dem Elternhaus. Kann nicht verstehen. Aber zum Elternhaus gehören noch in der Regel Geschwister und deren Eheleute. Der Kreis kann recht üppig sein. Auch wenn du Sonntags noch regelmäßig zum Gottesdienst erscheinst, haben sie irgendwie doch sicherlich erfahren das du zwischenzeitlich anders tickst. Durch eventuelle Äußerungen deinerseits.
Vielleicht wurden dir sogar schon mehrere Standpauken gehalten. Mit folgenden Inhalten: Dein Seelenheil ist in gefährlich am Abgrund geraten, ändere dich usw. Gott kann zornig werden. Das mit der ersten Auferstehung kannst du dann vergessen, weil du wenn du den Herrn verlässt kein Gotteskind mehr bist, usw.
Du hast deswegen Angst ihnen gegenüber entwickelt, solche Angst das du dich gar fürchtest, wie du schreibst. Wahrscheinlich vor zwei Dinge, vor dem zornigen Gott der zornig werden kann wenn du sein Werk verlässt und dem zornigen Elternhaus bzw. Verwandtschaft. Liege ich in meiner Analyse richtig?

Wenn ja, lass dir nicht so einen Quatsch, besser gesagt Sch... , einreden. :D
Zuletzt geändert von fridolin am 07.05.2019, 13:05, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Ein Abschied?

#47 Beitrag von Blackcat » 07.05.2019, 12:57

Wie gesagt, ich erscheine seit Wochen nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst, auch im Zusammenhang mit meiner gewünschten Beurlaubung als AT. Seitens Eltern wurde ich vor ein paar Wochen am Rand eines Gesprächs kurz recht lapidar gefragt, ob ich denn derzeit noch irgendwo zur Kirche ginge, meine Antwort "gelegentlich" wurde nicht weiter kommentiert und das Gespräch ging anderweitig weiter. Standpauken wurden nie gehalten, eher der gelegentliche Appell an die "Vereinsarbeit". Btw. im Bezug auf meine Heimatgemeinde seit vielen Jahren mein einzig wirklich ernsthaftes Anliegen im Bezug auf die NAK, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin.
Einen Zorn Gottes fürchte ich zumindest nicht bewusst.
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Re: Ein Abschied?

#48 Beitrag von fridolin » 07.05.2019, 13:17

Wie gesagt, ich erscheine seit Wochen nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst, auch im Zusammenhang mit meiner gewünschten Beurlaubung als AT.
Warst schon im Priesteramt?

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Re: Ein Abschied?

#49 Beitrag von Blackcat » 07.05.2019, 13:41

fridolin hat geschrieben:
07.05.2019, 13:17
Wie gesagt, ich erscheine seit Wochen nicht mehr regelmäßig zum Gottesdienst, auch im Zusammenhang mit meiner gewünschten Beurlaubung als AT.
Warst schon im Priesteramt?
Nene, Bewahre! :D unverheiratet sieht man das nicht so gern glaub.
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Re: Ein Abschied?

#50 Beitrag von fridolin » 07.05.2019, 14:09

Nene, Bewahre! :D unverheiratet sieht man das nicht so gern glaub.
Siehste dann brauchst du auch kein schlechtes Gefühl haben.
Hast niemanden Sonntags vom Altar aus NAK Doktrinen angeboten. :D
Darf ich davon ausgehen da du nicht verheiratet bist, auch kein Priester warst,
altersgemäß noch jung bist?

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