Ein Abschied?

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Blackcat
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Re: Ein Abschied?

#11 Beitrag von Blackcat » 24.12.2018, 23:46

Zu später Stunde noch ein Statusbericht.

Das erste Weihnachtsfest ohne meine Mutter. Ein Datum, das mich im Voraus schon mit Schrecken erfüllt hat. Tatsächlich sollte es ein emotionaler Tag werden. Beansprucht war ich wirklich vom Verarbeiten des Verlusts und des Vermissen. Gleichzeitig von meiner (danke Detlef) vorzunehmenden Güterabwägung. Allerdings sollte ich unerwarteten Beistand bekommen: Telefonate mit zwei alten Freunden, die der gleiche Frust, die selben Überlegungen bewegen. Tat gut, nicht alleine zu sein, sondern das im vertrauten Umfeld zu bewegen.

Nachmittags ein Umtrunk mit guten Freunden "aus der Welt" und meiner Partnerin, bevor diese in ihre katholische Heimat aufbrach.

Der Abend dann erst mit einem Essen unter Tränen, nur mit meinem Vater. Dann eine Wandlung. Wein, Gespräche, Bob Dylan, Lou Reed, Billy Bragg. Gespräche über meine Mutter, das Leben - und die Kirche. Vornehmlich gemeinsamer Frust über die Exklusivhaltung, den Fűhrungsstil die stellenweise falsche "Liebe". Das Thema hinter uns gelassen, völlige Entspannung. Entspannung wie selten, sollte mein Vater meinen.

Nun zuhause. Und die Angst beginnt und ich realisiere, dass es der erste "Samstag" ist, an dem ich klar und nicht von Adrenalin und Alkohol von Sinnen oder meiner Partnerin beruhigt bin. Die Erkenntnis, dass ich den Sonntag verdrängt habe, bis er da war. Dass ich zu berauscht war um Angst vor ihm zu haben. Nun die Angst.

Jetzt versuche ich mein Weihnachten zurück zu holen, wie es vor einer Stunde war.


Um in einer anarchistischen Version eines bekannten Liedes zu bleiben:

Euer Schicksal nehmt in eigene Hände,
sprengt die Grenzen in jedem Land,
wenn alle HERRschaft erst zuende
ist das der Freiheit höchster Stand

Stefan
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Re: Ein Abschied?

#12 Beitrag von Stefan » 25.12.2018, 13:07

Hallo Blackcat,

du ahnst nicht, wie dicht unsere Wege zusammen laufen. Triff eine Entscheidung, mich welcher du gut leben kannst!

Ich habe für mich ebenfalls eine solche treffen müssen und sie ging gegen die Kirche. Weitestgehend. Wobei ich sagen kann und muss, dass ich wieder Erwarten, einen Ansprechpartner in der Kirche gefunden habe, welcher mich ernst- und annimmt. Eine echte Rarität in der Kirche! Da ist tatsächlich jemand, mit welchem ich streiten kann, ohne dass er alles auf die Goldwaage legt oder versucht mich zu erschlagen. Er ist Evangelist und Vorsteher und kann gut zuhören. Aber, die Entscheidung musste ich treffen. Es ist mein Leben, mein Glauben und irgendwann mein Sterben. Aber mein Freund hat mir begreiflich gemacht, dass die göttliche Liebe allen Menschen gilt. ALLEN! Auch denen, die als Zweifler gelten, am "Rande stehen" und wie auch immer. Gott ist der Souverän wird sich durch die NAK keine Vorschriften machen lassen, sondern er schaut auf unser Leben und unsere Orientierung an Christus.

Ich wünsche dir Mut, Gottes Segen und ein friedvolles Weihnachtsfest. Und finde eine Entscheidung, in welcher du dich wohlfühlst, mit der du konform gehen kannst und berücksichtige, dass du immer das Recht hast, deine Entscheidung neu zu überdenken.

Es grüßt dich
Stefan

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Re: Ein Abschied?

#13 Beitrag von detlef.streich » 25.12.2018, 17:15

In Ergänzung zu Stefan:

"Gespräch anno 33.:
A.: Wissen Sie schon das Neueste?
B.: Nein. Was ist passiert?
A.: Die Welt ist erlöst.
B.: Was Sie sagen!
A.: Ja. Der liebe Gott hat Menschengestalt angenommen und sich in Jerusalem hinrichten lassen; dadurch ist nun die Welt erlöst und der Teufel geprellt.
B.: Ei, das ist ja ganz scharmant."
(Arthur Schopenhauer, Philosoph, 1788-1860).

“Der erste Schritt zur Wahrheit ist der Zweifel.”(Denis Diderot).

Der Glaube einer gottesdienstlichen Religion ist ein Fron- und Lohnglaube (fides mercenaria, servilis) und kann nicht für den seligmachenden angesehen werden, weil er nicht moralisch ist. Dieser muß ein freier, auf lauter Herzensgesinnungen gegründeter Glaube sein.
(Immanuel Kant, dt. Philosoph, 1724-1804)

Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage steht.
(Albert Schweitzer, dt. Theologe, Mediziner & Phil., 1875-1965)

„Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, daß er tun kann, was er will, sondern, daß er nicht tun muß, was er nicht will“ (Jean-Jaques Rousseau).

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Re: Ein Abschied?

#14 Beitrag von Blackcat » 25.12.2018, 18:02

Stefan, danke für deine Gedanken.

Ich denke, den ein oder anderen verständigen "Vorgesetzten" gibt es öfter als man denkt. Traurigerweise, so meine Erfahrung, ist aber auch hier oft eine sehr digitale NAK-Denke verwurzelt, entweder 0 oder 1."Naja,ich verstehe dich. Aber nur ein bisschen 'Amtsträger' sein, das geht halt nicht." Ja warum denn nicht!? Zumal: Wenn man sich seitens der Führung schon immer mehr eines Managementsprech bedient, sollte man doch auch Teilzeitmodelle und Sabbaticals kennen.

Heute mal mit Fortuna Ehrenfeld:

Und nach irgend 'nem blöden Gebet auf den Lippen und zwei leeren Schachteln Zementmischerkippen
Komm' ich irgendwie, irgendwie, irgendwie durch die Nacht

Viel zu müde, aber nicht penn' könn'
Bisschen aggro, aber nicht flenn' könn'
Renn' woll'n, aber nicht renn' könn'
Viel zu müde, aber nicht penn' könn'

Bisschen aggro, aber nicht flenn' könn'
For they are in the struggle and together we shall win.
Our days shall not be sweated from birth until life closes,
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Bezirks-Elster
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Re: Ein Abschied?

#15 Beitrag von Bezirks-Elster » 02.01.2019, 10:41

Hallo Blackcat,
alles Gute erstmal für das neue Jahr! Ich habe deine Beiträge gelesen, die mich sehr bewegen.
In deinem Fall macht eine Auszeit Sinn. In etablierten Kirchen greift sowas auch immer öfter um sich, bei Ehrenamtlichen die unter Burn-out leiden. So wurde mir jedenfalls von einer evangelischen Kanorin unlängst berichtet.
Ich selber habe vor vier Jahren ein Sabbatjahr angekündigt. Ich war sehr sicher, danach gestärkt wieder zu meiner Arbeit zurückzukehren (Diakon, Chorleiter, Organist). ABer das "zur-Ruhe-kommen" birgt auch eine "Gefahr". Bei mir war es, dass ich im Anschluss mein Amt zurückgegeben habe und nun im Jahr gerade mal 2...3 GD der NAK besuche. Eine Mitarbeit in dieser Gemeinschaft scheidet momentan aus Gewissensgründen aus. Wohlgemerkt steht auch meine Familie (Frau kam in ihrer Jugend dazu, 2 Kinder mit "Kirchen-phobie") nicht dahinter, das ist auch ein wichtiger Punkt.
Nun bin ich knappe vier Jahre "ohne Geländer" unterwegs. Habe viele schöne unberührte Landschaften gesehen. Aber wenn der Wind um die Ohren pfeift, kanns auch mal ungemütlich werden.
Im Grunde bin ich eher sein "Schisser". MAche lieber das, was man als Erwartungshaltung an mich heranträgt. Habe ein Sicherheitsdenken (was ist, wenn ...). Das ist nun alles vorbei. Ich bin verantwortlich für meine eigenen Entscheidungen und die Realisierungen meiner Werte.
ALles Gute für dich. Auch in Bezug auf das Abschiednehmen von deiner Mutter, die dir sehr viel bedeutet hat. Und das "In-Kontakt-bleiben" mit deinem Vater, egal wie du dich in naher Zukunft entscheiden wirst.
"Liebe Geschwister, `im Natürlichen` gibt es den Bewehrungsstahl ....."
Co-Predigt zum Thema "Bewährung" in einer deutschen Landeshauptstadt im Jahr 2015

Boris
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Re: Ein Abschied?

#16 Beitrag von Boris » 03.01.2019, 10:33

Hallo Blackcat,

eine interessante Aufgabe, über dieses Thema nachzudenken und sich mitzuteilen. Wie du erfahren konntest, sind hier viel wertvolle Beiträge möglich.
Nun möchte ich an dieser Stelle auch noch meine Gedanken und Erfahrungen ausdrücken.

Vorab möchte ich gern den Dalai Lama zitieren:

"Du brauchst keinen Lehrer, der dich beeinflusst.
Du brauchst einen Lehrer, der dich lehrt, dich nicht mehr beeinflussen zu lassen."

und:

"Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar.
Man braucht dafür keine Tempel und keine Kirche, ja nicht einmal unbedingt einen Glauben,
wenn man einfach nur versucht, ein menschliches Wesen zu sein, mit einem warmen Herzen und einem Lächeln. Das genügt!"

Du berichtest ja, dass du Freunde und Bekannte hast, die dir guttun. Halte dich an diese. Schenke ihnen Vertrauen. Nachdem du gelernt hast, dir selbst zu vertrauen.
Aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass das Selbstvertrauen eine Schlüsselrolle einnimmt (Mit Selbstvertrauen meine ich nicht Selbstüberschätzung). Unabhängig von Religion, können unsere Eltern uns oft nicht das nötige Maß an Selbst vertrauen vermitteln.
Dazu kommt dann die Indoktrination, welche auch in der NAK sehr ausgeprägt sein kann. Daraus sind in vielen Fällen Selbstzweifel, Unfähigkeit zur Entscheidungsfindung etc., etc. die logische Folge.
Wir haben als Mensch Emotionen/Gefühle vom Schöpfer mitbekommen. Die erfüllen, jede einzelne, einen bestimmten Zweck und dienen uns zur Entscheidungsfindung. Sie sind die Sensoren, die uns unseren Weg finden lassen.
Wenn man uns immer wieder sagt:
"so wie du es fühlst/siehst/denkst, ist es falsch, du musst das anders sehen!"
ist die folgerichtige Konsequenz,
dass man uns das eigene Empfinden und daraus folgende Entscheidungsvermögen aberzieht.

Deshalb hatte ich, nachdem ich gelernt hatte, meine eigenen Gefühle wahrzunehmen und ihnen zu vertrauen, Schlüsselerlebnisse und Aha-Effekte (Erkenntnisse) in sehr kurzer zeitlicher Folge. Das war für mich eine neue Erfahrung und sehr interessant.
Die Angst, dass ich einem NAK-Gott missfiele und dem Satan anheim fiele, wich mit der Zeit und ich bin nun in der Erkenntnis angelangt, dass ich mich für keinen bestimmten Lebensweg entscheiden muss. Nichts so machen muss, wie irgend jemand anderes.

Was ich machen muss: Mich selbst entscheiden. Immer wieder.
Die Folgen meiner Entscheidungen trage ich auch selbst. Das nimmt mir niemand ab.
Inzwischen fühlt sich das für mich sehr gut und richtig an.
Ich habe gelernt, dass mir das Leben Fragen stellt, auf die mir niemand antworten kann. Alle Antwortversuche, die man mir aufzwingen wollte, waren falsch.
Auch wenn es für mich bequemer wäre, wenn ich Antworten hätte, oder eine Lebenswegbeschreibung: Ich habe verstanden, dass es nur Ansichten dazu gibt. Auch der Heilige Geist schickt mir diese offenbar nicht. Der würde sich m. E. nicht irren, oder seine Meinung ändern.

Mein Fazit:
Lerne, dir selbst zu vertrauen. Deine innere Stimme sagt dir den richtigen Weg.
Die vielen Fragen zu den vielen anhängigen Themen werden sich nach und nach vielleicht beantworten, nachdem du eine andere Denkrichtung zugelassen hast.
Manche Fragen beantworten sich nie. Das ist dann eben so.

Mut zur Freiheit wünscht dir
Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

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Re: Ein Abschied?

#17 Beitrag von Blackcat » 06.01.2019, 10:34

Euch allen an dieser Stelle erstmal vielen Dank für eure Beiträge und die damit verbundenen Impulse.

Aktuell sitze ich am Frühstuckstisch, nachdem ich mich bewusst für einen kirchenfreien Sonntag entschieden habe. Bewusst auch deshalb, weil er eben keiner langen feierwütigen Nacht oder dem gemeinsamen Ausschlafen geschuldet war. Die Gefühle sind hier etwas durchwachsen. Einerseits Ruhe und Entspannung, andererseits das oft erwähnte schlechte Gewissen. Letzteres brach sich auch dadurch Bahn, dass ich mir das heutige Textwort zu Gemüte führte. Da ich bislang auf die Leitgedanken verzichtet habe, ist mir noch nicht klar, wo die Jahreslosung "Reich in Christus" mit dem 1. Korinther 1, 5-7 in NAK-Predigten hinführen sollte. Für mich gab das gesamte Kapitel allerdings einen wichtigen Blick auf die Exklusivität der NAK: Paulus sagt, dass keiner sich auf den berufen soll, der ihn taufte, sondern allein auf Christus. Das verursachte nun ein Lächeln und Zufriedenheit. Dennoch aber, eben mit blick auf den langen Glauben der Eltern..."ich bin kein Verräter aber fühl mich wie einer..."

Euch allen einen schönen Sonntag!
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Re: Ein Abschied?

#18 Beitrag von W/E » 06.01.2019, 15:12

Hallo Blackcat,

Deine Geschichte lese ich schon eine zeitlang mit und ich möchte jetzt auch meinen "Senf" dazu geben.

Mein Abschied aus der NAK erfolgte das erste mal so vor 20 J, da legte ich mein Amt als Diakon nieder und trat die Flucht an.
Für die vielen Jahre des Dienstes im Sinne Christus Jesus, in dem ich mehrmal bei AP Hepp antreten musste,
als Diakon einen Priesterbezirk hatte, Mädchen für Alles war, bekam ich nur einen Fußtritt, kein Danke so wie es sich normalerweise gehört.

Dann kam die Zeit als ich nochmals so 6-8 Jahre in Regelmäßigkeit die GD besuchte und auch eine jetzt noch vorhandene Einrichtung in der Gemeinde
mit organisierte, jedoch gäbe es dann ein erstes Ereignis, was zum Bruch in der Gemeinde führte.
Seither ging ich nur noch sporadisch zum GD.
Auch ich machte mir so manche Gedanken, vor allem was die Aussage betraf: kann ich mich nicht für oder gegen entscheiden!
Meine endgültiger Ausstieg erfolgte zum 01.01.2018 - Austritt aus der NAK - ca 60 J nach der Versiegelung durch AP Startz.
Ich gehe trotzdem mit Freunden oder NAK Bekannten aus oder treffe mich mit ihnen.

Mir geht es gut, weil ich eben konsequent eine Entscheidung getroffen habe, Zweifel ob es richtig war, habe ich nicht.

Ich bin überzeugt, Du wirst mit Hilfe Deines Gefühles die für Dich "richtige" Entscheidung treffen.
Aber warte nicht zulange, denn der Zweifel zermürbt Menschen.

Lege das Gefühl des Verräters ab, Du bist für Dein Leben zuständig, nicht für das Deiner Eltern, Geschwister oder Partner. "DEINS"

Dir alles erdenklich Gute, reichen göttlichen Segen (den gibt es auch ausserhalb der NAK) und den Mut zur Entscheidung.

Herzlich liebe Grüße aus Bayrisch-Schwaben
Wenn Du in Lebenskampf Müde und Matt, Sorgen und Kummer ... gehe zu Jesus (Gott), denn er mit Dir ist. Ruhe Zufügen beim ihm im Gebet.

Prinzipal
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Registriert: 31.07.2018, 12:51

Re: Ein Abschied?

#19 Beitrag von Prinzipal » 06.01.2019, 16:10

Lieber Blackcat, ich kann mich in Ihre Situation sehr gut einfühlen da es mir ähnlich ging. Sich beim sonntäglichen Frühstück als Verräter zu fühlen, weil man entschieden hat, auf die NAK-Predigt mal zu verzichten, zeigt doch einmal mehr, wie sehr die Indoktrinierung Wirkung zeigt.
Schließlich wurden wir seit frühester Kindheit eindringlichst ermahnt, jede Segensstunde auszukaufen um die Würdigkeit zu erlangen. Andernfalls blieben wir beim Tag der ersten Auferstehung zurück. Und was dann?
Seit Fehr haben wir dann gelernt, dass 2 Gottesdienste pro Woche künftig auch ok sind. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass in meiner erzkonservativen Familie damals manche nicht wussten, was sie nun mit dem freien Sonntagnachmittag anfangen sollten.Das fand ich schon erschreckend.
Mir hat eine längere Auszeit von der NAK, während der ich viel nachgedacht habe, geholfen, mich viel besser zu fühlen.
Mit den Predigten, zumindest in unserer Gemeinde kann ich leider kaum etwas anfangen. Meist bestehen diese lediglich aus einer Aneinanderreihung von Phrasen und Neuapostolizismen, die sich seit Jahrzehnten wiederholen. Darin geht es meistens um die NAK selbst, um bedingungsvolle Nachfolge auf dem Weg, um die Wichtigkeit des Apostelamtes usw.
Christus steht oft gar nicht im Mittelpunkt. Kontext zu historischen und biblischen Hintergründen leider fast völlige Fehlanzeige.
Wenn ich die Situation der (von mir gleichermaßen geschätzten und bedauerten) ehrenamtlich tätigen AT‘s betrachte, kann es auch kaum wirklich besser gelingen. Meist ohne Hintergrundwissen besteht dann die Predigtvorbereitung aus der kurzen Lektüre der oftmals sehr fragwürdigen Leitgedanken. Was dabei herauskommt ist eine Mischung aus Leitgedanken und oft wiederholten Phrasen. Kaum jemand löst sich mal davon und lässt mal dem Heiligen Geist freien Lauf.

So erlebe ich die NAK derzeit.

Mittlerweile weiß ich, dass Gott sich nicht zum neuapostolischen Glauben bekehren lässt und in seiner Souveränität in allen Dingen entscheidet. Da können die NAK-Kirchenpräsidenten sagen und machen was sie wollen.

fridolin
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Re: Ein Abschied?

#20 Beitrag von fridolin » 06.01.2019, 16:59

Das verursachte nun ein Lächeln und Zufriedenheit. Dennoch aber, eben mit blick auf den langen Glauben der Eltern..."ich bin kein Verräter aber fühl mich wie einer..."
Du bist kein Verräter, brauchst dich auch nicht selber in der gefühlten Richtung einordnen. Lass dir auch von niemanden so ein Sch... einreden. :D

Boris hat das gut formuliert.
Dazu kommt dann die Indoktrination, welche auch in der NAK sehr ausgeprägt sein kann. Daraus sind in vielen Fällen Selbstzweifel, Unfähigkeit zur Entscheidungsfindung etc., etc. die logische Folge.
Geh deinen nun eingeschlagenen Weg unbeirrt weiter. :D
Zuletzt geändert von fridolin am 06.01.2019, 18:51, insgesamt 1-mal geändert.

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