Ein Abschied?

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Martha
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Re: Ein Abschied?

#31 Beitrag von Martha » 12.02.2019, 14:07

Hallo Imhierundjetzt!

Meine Kinder waren zwischen 10 und 15. Beide wurden noch konfirmiert in der NAK. Ein Kind zog aus und lernte einen evangelischer Mann kennen und ging dann in seine Kirche. Erst besuchten sie beide Kirchen, als der NAK Vorsteher sich aber in einem GD über die leeren Kirchenbänke der evangelischen Kirche lustig machte und in den Jugendstunde gesoffen wurde, zogen sie es vor in die evangelischen Kirche zu gehen und meine Kind trat aus der NKA aus. Als es evangelisch wurde ging ich an dem Tag mit in diese Kirche. Ich wollte ihm meine Wertschätzung geben und sagte meinem Kind, dass es alles richtig gemacht hat.
Das andere Kind ging längere Zeit noch in die NAK, aber die Zustände (vor allem menschlich) wurden dort immer schlechter, so dass es eines Tages sagte, dass sie nicht mehr geht. Erst nachdem sie nicht mehr ging, wurden meine Besuche in der NAK weniger und durch die leere in den Predigten der NAK ging ich dann irgendwann auch nicht mehr. Später trat ich aus. Das brauchte ich für mich.

Männer können sich nur schlecht lösen. Das liest du in dem Bericht von Ulrike Bär und es ist auch so.
Vor allem gehen die Männer arbeiten und ihr 2. Arbeitsplatz ist die NAK und so bleibt ihnen keine Zeit mehr sich mit der Bibel auseinander zusetzen.
Ich selbst habe nach vielen Jahren Kirchenabstinenz eine frei evangelische Gemeinde aufgesucht und in der hat es auch meinen Mann gefallen und so ist jetzt die ganze Familie von der NAK weg.

Ich wusste z.B. aus tiefstem Herzen, dass ich aus der NAK gehe, aber ich wusste nicht wie und wann. Keiner wusste davon, außer Gott.
ALLE Familienmitglieder waren Nakis und die Männer hatten alle das Priesteramt. Ich war das "schwarze" Schaf :) aber nur für sie.
In der Familie (nicht die eigene Familie, sondern Eltern, Geschwister, Schwager usw.) wird nicht darüber geredet. Wir treffen uns und reden übers Wetter und sinnlose Dinge. Das sind Zeiten die man absitzen muss....
Mein Schwiegervater redet immer über die tollen GD in der NAK und wenn du ihn nach Inhalten fragst ist Ruhe. Er begreift im Moment seine Umwelt nicht.
ABER ist stelle fest, dass seitdem eine Neffe aus der NAK austrat und auch evangelisch wurde in einer Familie eine Veränderung statt findet.
Gott arbeitet.....

Ich kann dich gut verstehen. Es ist sehr schwer für dich sich zu lösen.
Bete einfach darum. Gott wird dir einen Weg zeigen. Höre auf seine Stimme und finde ein Naheverhältnis zu ihm.
Ich habe in der Zeit als ich in keine Kirche ging viel Bobby Schuler und Joyce Meyer im TV gesehen.
Da gab es immer mal ein Tipp. Allerdings findest du dann die Predigten in der NAK noch leerer, wenn du weiterhin die NAK besuchst.

Hast du und dein Mann Mut mal in andere Kirchen zu gehen?
Kinder haben übrigens ein gutes Gespür. Meine Kinder haben mir manches gesagt, was ich erst später merkte oder verstand.
Meinst du nicht, dass dein Kind spürt, was du fühlst?

Mein Mann wollte immer in eine Kirche gehen und wir einigten wir uns, dass er weiter in die NAK geht, denn ich fand erst einmal keine Kirche für mich.
Wir haben viel geredet miteinander und erst dann stellten wir fest, dass es zwischen unseren Elternhäuser unheimlich große Unterschiede gab.
Meine Kindheit findet du in den Bericht von Ulrike Bär. Bei meinem Mann war es längst nicht so streng.
Ich persönlich musste mich erst einmal von allem lösen, um wieder neu anfangen zu können.
Wichtig für eure Ehe ist, dass ihr miteinander reden könnt und das kein Partner die Ehe von der Kirche abhängig macht.
Ihr habt die Ehe vor Gott geschlossen und nicht vor der NAK. Keiner sollte auf den anderen Zwang ausüben.

Ich schreibe hier von einen Zeitraum von fast 15-20 Jahren.....Lasse dir bei allen Entscheidungen Zeit.

Blackcat
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Re: Ein Abschied?

#32 Beitrag von Blackcat » 12.02.2019, 16:31

Hallo Imhierundjetzt,

jemand schrieb mir hier noch im alten Jahr, ich müsse wohl eine Güterabwägung vornehmen. Auch das klingt erstmal hart, zumal bei dir potentielle Szenarien ja noch eine ganz andere Tragweite haben, als das bei mir der Fall war oder ist. Ich für meinen Teil habe mich von der Vorstellung verabschiedet, das sei ein sehr direkter Weg, alles ginge in einem Ruck. Stattdessen versuche ich Gelegenheiten zu nutzen, kleine Schritte zu gehen, mich selbst immer mehr zu befreien und gleichzeitig zu prüfen. Für mich kann ich sagen, dass es teils sehr anstrengend ist. Es gab tageweise Phasen, da war ich so mit der Thematik aufgewühlt und beschäftigt, dass ich bei der Arbeit kaum etwas auf die Reihe bekommen hätte, mir sehr hart von meiner Partnerin anhören musste, sie wolle in einem derart unaufgeräumten Zustand eigentlich keine Zeit mit mir verbringen. Ich will dir keine Angst machen - das haben wir auf ander Weise ja schon zur Genüge erlebt - aber es ist eben Arbeit. Arbeit an sich selbst und in deinem Fall auch Arbeit am anderen. Vielleicht schaffst auch du es, kleine Schritte zu machen, Freiheiten einzubauen und auch deinem Mann den Wert dieser Freiheiten zu zeigen? Gerade dadurch, dass ihr in einer "fremden" Gemeinde seid, könnt ihr gemeinsam die Freude erleben, wie es ist, von der Fremd- in die Selbstbestimmtheit zu kommen. In meinen Augen ist es auch hier, wie in anderen Beziehungsbelangen, wichtig zu erkennen, dass nicht jeder immer so schnell unterwegs sein kann wie der andere, dass man vllt auch mal warten muss.

Marta hat es schon hier erwähnt: Miteinander reden und klarstellen, dass die grundsätzliche Haltung des anderen kein Faktor ist, von dem der Fortbestand eurer Partnerschaft abhängig gemacht wird. Das kann euch beiden hoffentlich etwas Sicherheit bei euren individuellen und gemeinsamen Schritten geben. Für den täglichen Umgang mit unterschiedlichen Wegen eine kleine Alltagserfahrung: Meine Partnerin und ich haben berufsbedingt an vielen Wochenenden, und damit auch unter der Woche, nicht gemeinsam frei, gelegentlich funkt mir da auch noch ein Hobby dazwischen. Inzwischen nutzen wir beide das als Chance, sich jeweils selbst aufzuräumen, individuelle Interessen zu pflegen und uns für und auf den anderen, der eben gerade unterwegs ist, vorzubereiten. Ggf ist es auch für deinen Mann, wenn er die Sache nicht komplett sein lassen kann oder will, ein schönes Erlebnis, wenn er von seinem "Hobby" nachhause kommt, von dir einen gänzlich anderen Input zu bekommen, dich zufrieden und aufgeräumt zu erleben. Und für dich selbst die Chance, Zeit für deine eigene Entwicklung und Selbstpflege zu haben. Klar, ich mache es mir hier etwas einfach, da ich die Situation mit eurem Kind hier ausklammere, allerdings kann ich mich überhaupt nicht in diese Situation versetzen, sodass ich mir auch keine Gedanken dazu anmaße.
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Re: Ein Abschied?

#33 Beitrag von detlef.streich » 12.02.2019, 18:46

Hallo Imhierundjetzt, ich kann und möchte Marthas Aussage ganz dick unterstreichen, die schrieb:

"Die Kinder finden IHREN (!) Weg."

Meines Erachtens ist es durchaus keine gute Entscheidung, aus vermeintlicher Rücksicht auf Kinder ihretwegen einen wichtigen Schritt zur eigenen Persönlichkeitsentwicklung aufzuschieben, anstatt ihn in aller Konsequenz und Offenheit zu gehen.

Die Aufschiebung ist letztlich an Vorbild für eine passive oder gar devote Unterordnung unter Prinzipien, die von außen indoktriniert wurden.
Eine konsequente Entscheidung hingegen ist ein Vorbild für das Kind, Entscheidungen zu treffen und das Leben nach eigenen Kriterien zu entscheiden, zumal die Erkenntnis der Falschheit der NAK bereits stark vorhanden ist.

So zeigt man als Mutter - und das sage ich als Mann - wie sich eine starke Frau verhält!

Zudem gilt, dass jeder Tag, den man sich früher entscheidet, auszutreten und sich damit der unseligen Indoktrination entzieht, gerade auch für das Kind ein gewonnener Schritt in die eigene Freiheit ist!

Dann erst finden die Kinder auf jeden Fall "IHREN" Weg ...

Imhierundjetzt
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Re: Ein Abschied?

#34 Beitrag von Imhierundjetzt » 12.02.2019, 19:49

Ich danke euch von Herzen für eure Beiträge.
Danke Detlef für den Tritt in den A.... Ein grosser Teil sagt ja, absolut deiner Meinung
Ein anderer Teil hat riesige, lähmende Angst.

Ich bin gerade daran den Artikel zu lesen, welcher u.A Martha geteilt hat. Auf den ersten Blick hatte ich das Gefühl, dass diese Aussagen, auf vor meiner Zeit zu treffen. Langsam erkenne ich die grosse Diskrepanz zwischen mir als Person und dem inneren NAK Schäfchen.
Ich habe zum Beispiel nie an die Exclusivität geglaubt. Ich nehme die "typische NAK Amtsträger Frau" nicht ganz ernst und lehne mich gegen starke Strukturen / Amtsträger auf. Ich wollte nie einen Amtsträger heiraten und habe es trotzdem gemacht.
Ein Teil von mir fühlt sich gebunden und will doch eigentlich nur von den Herren in Schwarz Weiss, welche eine Vater Figur representieren, gesehen und akzeptiert werden.

Ich erkenne, dass viele Regeln und Zwänge sehr subtil waren. Und ich sehe auch klarer, weshalb ich trotz meiner Rebellion und Distanz so sehr gelitten habe. Ich sehe heute tiefer in die erlebte emotionale Erpressung. Und den Schmerz welches dieses zweite Leben auslöst (welches ich seit langem bei neuen Bekanntschaften verheimliche).

Zum Glück haben wir uns vor Kind bewusst dazu entschieden, dass wir unserem Kind keinen abwesenden Vater zumuten wollen. Das war für viele bereits unverständlich und hat viel Standhaftigkeit gebraucht. Darauf bin ich stolz.

Blackcat ich habe deinen Beitrag für meine Zwecke genutzt, ist das o.k?

Ich werde später auf eure Einträge eingehen. Im Moment muss ich mich etwas sortieren.

gärtner
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Re: Ein Abschied?

#35 Beitrag von gärtner » 12.02.2019, 21:45

Liebe Imhierundjetzt,
aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen mit dem Partner reden, reden und nochmal reden. Über die eigenen Empfindungen und Erfahrungen, aber auch den Partner sehr ernst nehmen. Das mit dem Kind das regelt sich dann von alleine. Auch da spreche ich aus Erfahrung.

Wir hatten eine Phase, meine Frau war schon viel weiter als ich und hat die Gottesdienste nicht mehr besucht. Ich habe krampfhaft noch daran festgehalten aber gemerkt, dass es immer schwieriger wurde. Es kamen seitens der Geschwister dumme Fragen und Bemerkungen warum denn meine Frau und die Kinder nicht mehr die Gottesdienste, Sonntagsschule usw. besuchen. Ich kam immer mehr in einen inneren Zwiespalt und Ausreden fielen mir immer schwerer. Für die Wahrheit hatte ich da noch nicht den Mut. Zugute kam mir in dieser Zeit, dass gerade die Kirchengemeinde aufgelöst wurde und wir in die große Zentralkirche zu gehen hatten. Vorher hatte ich einige Pöstchen inne, war aber zum Glück kein Amtsträger und habe in der neuen Gemeinde alle Anfragen dort mit den Pöstchen weiter zu machen abgelehnt.

Eine sehr große Hilfe waren für mich die vielen oft sehr langen Gespräche mit meiner Frau die keinen Druck auf mich ausgeübt hat. Es ist ein schwieriger und langer Weg bis man die NAK innerlich hinter sich lassen kann. Das Ganze war verbunden mit einem Wechsel von Ignoranz und hinter her schleimen seitens der Amtsträger und den bis dato befreundeten Geschwistern. Freundschaften sind als dann auch ich nicht mehr ging unwiederbringlich weggebrochen. Im noch NAK-aktiven Verwandtenkreis wurde es anfangs sehr schwierig was sich aber teilweise wieder etwas gelegt hat.

Ein ganz wichtiger Faktor kann sein, ist man von den Eltern noch abhängig, z.B. finanziell oder dass mal das Kind gehütet wird. Das macht den Weg des Ausstieges nicht einfacher oder vielleicht sogar unmöglich.

Jedenfalls wünsche ich Dir und deinem Mann alles Gute auf diesem Weg und noch ein Tipp, auf die innere Stimme hören ist gut. Sich verbiegen und es den anderen recht machen wollen ist schlecht.
Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und sie eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher.
(Bertolt Brecht)

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Bezirks-Elster
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Re: Ein Abschied?

#36 Beitrag von Bezirks-Elster » 13.02.2019, 08:47

Liebe Imhierundjetzt,
das liest sich fast wie der Bericht meiner Frau (sie hat aber keinen geschrieben). Sie war auch weiter als ich, der seine Pöstchen ausgefüllt hatte.
Bei mir kam der Umstand noch erleichternd dazu, dass das Verhältnis von mir mit dem Vorsteher sehr angespannt war und ich diesbezüglich reagieren musste. Unterordnung oder Emanzipation. Ich habe mich dann für das Zweite entschieden und ein Sabbatjahr gemacht, aus welchem ich dann - anders als geplant - nicht mehr zurückkam.
Ich kann dich so gut verstehen. Ich bin fest der Ansicht, dass Gott es sehr gut ertragen kann, wenn du oder jemand sich von ihm zeitweise abwendet. Darum bin ich auch der Meinung, die Ehe habt ihr erstmal selber geschlossen. (und nicht mit/vor Gott) Wenn er mit dabei sein kann, um so besser. Wenn er während einer Krisenzeit erstmal aussen vor ist - auch gut. Schaut zu, dass ihr euer Mikroklima der Familie - Vater, Mutter, Kind - gesund erhaltet, innerlich wachsen könnt und gegen Angriffe von aussen, und seien es die Schwieger-/Eltern abgrenzt.
Hör auf deine innere Stimme. Gott ist tiefer drin, als einem bewusst ist. Ich war z.B. letztes Jahr ein einziges Mal in einem NAK-GD, ok ich übernehme woanders hin und wieder noch Orgeldienste usw., und wurde gestern Abend bei einem Vorbereitungtreffen für die Übernahme eines politischen Amtes als "Kirchenmann" und praktizierender Christ vorgestellt. Ich musste schmunzeln.
Ich drück dir die Daumen. Wie immer du dich entscheidest, es wird gut. BTW, ich bin jetzt im 4....5. Jahr meiner Emanzipationsphase. Ich bin sicherlich gut aufgestellt und äusserlich gefestigt - innerlich trauere ich immer noch meiner verlorenen Heimat nach :-)
"Liebe Geschwister, `im Natürlichen` gibt es den Bewehrungsstahl ....."
Co-Predigt zum Thema "Bewährung" in einer deutschen Landeshauptstadt im Jahr 2015

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Lulo
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Re: Ein Abschied?

#37 Beitrag von Lulo » 13.02.2019, 14:50

Abschied nehmen ist nie einfach und im Nachhinein muss ich sagen, zu gehen war schwieriger als wenn ich geblieben wäre. Aber ich will hier keinem den Mut nehmen - im Gegenteil, das eigene Leben mal gründlich aufzuräumen ist jede Mühe wert.

Mir hat eine Liste mit dem Für und Wider geholfen: Was gewinne ich und was verliere ich? Es war gar nicht so leicht, die Dinge beim Namen zu nennen, aber wenn man das durchzieht, ist es schon die halbe Miete. Es hilft, Struktur in das Gedanken-Chaos zu bekommen. Danach war für mich die Entscheidung sonnenklar.... und trotzdem schmerzhaft. Es ging dann alles sehr schnell. Innerhalb eines Jahres folgte dem Status des 100-prozentigen Gotteskindes (Auskaufen jeden GDs + Chor etc.) eine erbetene Aus-Zeit und schließlich der Austritt aus der NAK beim Amtsgericht.

Liebe(r) Blackcat und Imhierundjetzt, jeder muss seinen Weg gehen. Die Entscheidung, welcher es ist, müsst ihr selbst treffen. Vielleicht hilft es euch zu lesen, dass andere vor euch genau dieselben Ängste und Überlegungen hatten wie ihr jetzt und wie sie damit umgegangen sind. Ich drücke euch die Daumen.

Lulo
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Re: Ein Abschied?

#38 Beitrag von Lulo » 14.02.2019, 09:45

Nachtrag:

Vielleicht kennt ihr Marie Kondo (sie hat das Aufräumen neu erfunden :wink:). Aufräumen hat immer mit Entscheidung zu tun. Brauche ich das Teil noch oder kann es weg? Oftmals lässt sich diese Frage nicht so einfach beantworten, man ist hin- und hergerissen, will eigentlich Ordnung schaffen und brauchen tut man das Teil nicht wirklich, aber... Für diese Situation empfiehlt Marie Kondo folgende Frage: "Macht es mich glücklich?"

Diese Frage lässt sich in viele Lebensbereiche übertragen. Wenn ich jetzt diese Entscheidung fällen müsste, würde ich mich genau das fragen. Macht es mich glücklich einen GD zu erleben, die Sünden vergeben zu bekommen, im Chor zu singen...??

Lulo
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Re: Ein Abschied?

#39 Beitrag von Imhierundjetzt » 14.02.2019, 14:47

Ich danke euch für die vielen guten Gedanken.

Bezirkselster: Danke, ja wir haben die Ehe vor Gott geschlossen und wir sind eine Familie unabhängig von der NAK.
Ich nehme deinen Rat auf, uns als Familie zu stärken. Ich möchte in nächster Zeit einige Wochenend Ausflüge machen, zum Beispiel in den Schnee. Das stärkt uns und gibt Distanz zur Kirche.

Ich verstehe, dass du die Kirche als Heimat vermisst. Ich habe die Kirche nur selten als wirkliche Heimat empfunden. Ich habe sehr früh einen Schicksalsschlag erlitten und fühlte mich in dieser Zeit fallen gelassen. Das hat zu einem grossen Schmerz und Enttäuschung geführt. Das habe ich verarbeitet und verstehe rückblickend auch die Überforderung der Leute.
Ich bin viel umgezogen und war in keiner Gemeinde länger als 6 Jahre. In der aktuellen Gemeinde hatte ich zeitweise schöne Kontakte zu anderen Mütter. Doch jetzt mit Schule und nach diversen Konflikten und Getratsche, bleibt da nur noch wenig Freundschaft und Vertrauen.
Für meinen Mann wäre dies schwieriger, da er eine Leidenschaft nur dort ausübt. Früher hat er die komplette Freizeit in der Kirche verbracht. Freunde hat er keine.


@gärtner: danke für deinen Erfahrungsbericht. Ich habe viel zu lange den Fehler gemacht nur auf emotionaler Ebene zu reden. Erst durch das Thema Frauenbild habe ich angefangen Themen von allen Seiten zu beleuchten und dadurch auch mehr Fakten und nicht nur Emotionen zu diskutieren.
Wie habt ihr das gemacht, einfach geredet wenn ein Thema gerade aktuell war?
Wir sind da sehr unterschiedlich. Mein Mann spricht sehr wenig und sehr überlegt. Er durfte zu Hause nie Fragen stellen, das heisst er hat wirklich nix hinterfragt, obwohl er sehr gescheit ist. Ich könnte ihm über verschiedene Themen einen ganzen Vortrag halten und überfordere ihn damit teilweise :-). Wir wollen gemeinsam unsere Haltung gegenüber dem Kind erarbeiten. Wir brauchen irgend einen Rahmen und Verbindlichkeit. Es reicht nicht, dass ich schaue wo ich stehe, sondern er muss dies auch tun. Für unser Kind.

Zum Glück bin ich von der Verwandtschaft nicht abhängig. Ich frage mich ob es gescheiter ist, wenn wir in Zukunft direkt kommunizieren, oder wenn wir alles einfach auslaufen lassen und sie dann irgendwann hören, dass ich nicht mehr "treu" bin (und Kind).

Ich bin im Dilemma zwischen meinem Mann keinen Druck machen und für mein Kind einstehen. Ich wünsche mir, wir können uns gemeinsam für das Beste für das Kind entscheiden. Aber ich glaube soweit ist er noch nicht. Und ich weiss meine nächsten Schritte noch nicht.

@Blackcat die Güterabwegung. Ja, die sagt ganz klar, dass ich für mich einen Schlussstrich ziehen will. Und ich kann es nicht verantworten mein Kind in diesen gegensätzlichen Welten zu erziehen. Das Risiko ist mir zu gross, dass sie später vor den gleichen Problemen / Schaden steht wie ich. Mein Mann darf gerne weiter gehen, wie im bisherigen Rahmen. Doch das wird schwierig mit Kind, da es gerne seine 2,3 Spielkameraden sieht.
Mir ist meine psychische, seelische und physische Gesundheit wichtig und die langfristige Gesundheit meines Kindes. Und ich wünsche mir, dass wir dieses bewältigen können als Familie, und dabei auch die individuellen Bedürfnisse berücksichtigen.
Mich triggert es, wenn mein Mann in die Kirche geht. Ich fühle mich innerlich gestresst und unruhig. Ich konnte bisher die Zeit nicht nutzen. Danke für deinen Gedanken Anstoss. Ich werde mir ein Sonntag Ritual überlegen.
Ich kann deine schlechten Tage sehr gut nachvollziehen. So geht es mir im Moment auch. Ich muss mir ab Samstag eine Auszeit nehmen und mir neben Auszeit, Zeiten schaffen in welchem wir uns damit bewusst auseinandersetzen.
Die Balance zwischen nicht verdrängen und nicht forcieren ist mein Ziel.


@Lulo: Weshalb wäre es einfacher gewesen zu bleiben? Wegen deinem sozialen Umfeld? Natürlich musst du darauf nicht antworten!
Ich kenne Marie Kondo schon lange. Und wenn ich die Frage stelle: Bringt mir die Kirche / Gemeinde / Gemeinschaft Freude, dann kann ich heute klar sagen nein. Ich habe keine Freude mehr. Da ist nur noch Schmerz und unbehagen. Ich ziehe mich entweder zurück, oder spiele eine Rolle. Und wenn ich zurück schaue als ich noch aktiv war, auch da war die Freude viel kleiner als der Ärger. Ich denke ich habe mich immer mit diesen Konflikten und Ungerechtigkeit beschäftigt um nicht die grossen Fragen stellen zu müssen. Hätte ich mir die Grundfragen gestellt, hätte ich schon lange die Konsequenzen ziehen müssen.

Danke Martha für deine Worte. Ich habe mir bereits öfters überlegt in eine andere Kirche zu gehen und schaue mir immer das Programm an. Etwas hält mich zurück. Ich habe gestern eine von dir genannte Predigt auf YouTube angeschaut und als gesagt wurde die Gemeinde soll sich gegenseitig die Hand geben und sagen : "Gott liebt dich und ich dich auch". Da kamen mir die Tränen und ich habe erkannt wie schmerzhaft es ist, dass ich diese Liebe nicht mehr spüren kann. Darum fällt es mir auch schwer Gott in diesen Prozess einzubeziehen. Da ich hier wohl zu oft noch die NAK Stimme höre.
Ich denke mein Loslösungs Prozess ist schon lange im Gang. Immer wieder wenn ich verletzt und enttäuscht vor Trümmern stand. Irgendwie hat es mich trotzdem wieder zurück gezogen (nach Umzug etc.) um erneut zum gleichen Punkt zu kommen. Doch dieses Mal ist es anders. Ich sehe klar, dass nicht die Zwischenmenschlichen Dinge das Problem sind. Auch nicht nur das Frauenbild sind das Problem, sondern die Fundamente der NAK u.a die Apostel Nachfolge usw.

Ich danke euch für den Austausch und die vielen Impulse. Es tut gut nicht mit leeren Worten angefertigt zu werden! (kein Verein ist perfekt, wo Menschen arbeiten da fallen Späne...)

Blackcat
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Re: Ein Abschied?

#40 Beitrag von Blackcat » 14.02.2019, 15:31

@Imhierundjetzt

Es mag sich etwas einfach und albern lesen, aber mein Sonntagsritual sieht, zumindest wenn ich den Sonntagmorgen alleine verbringe, dann gerne so aus: Bis halb neun schlafen, zum Bäcker laufen, frühstücken, Kaffee trinken, lesen, Musik hören. Den Sonntag erstmal als ganz normalen Tag behandeln. Damit kann ich dann auch eventuell vorhandenen religiösen Bedürfnissen Platz für eine wirkliche Entwicklung geben. Letzteres ist aber nicht der erste elementare Schritt, sondern eher so eine Kann-Option.
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