NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Boris
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#81 Beitrag von Boris » 10.03.2017, 10:04

R/S hat geschrieben:... Zu bemängeln an diesem grundsätzlichen Ausgangspunkt ist vorerst lediglich, dass dem Kirchenvolk (im Gegensatz zum Staatsvolk) die Unvereinbarkeit solchen Denkens mit dem Evangelium auffallen müsste und dass des Weiteren Kirche keine dem Staat vergleichbare Legitimation besitzt, um Freund-/Feindbilder aufzubauen, Verteidigungsphrasen zu schüren und Minderheiten zu verfolgen. ...
Dem möchte ich zustimmen.
Die Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit (Angstfreiheit) wird von diesen Institutionen ausgenutzt, um die Nachfolger in die psychische Abhängigkeit zu treiben. Man gaukelt mit Scheinargumenten eine gewisse Sicherheit vor.
Der Vergleich mit einem Placebo könnte m. E. hinkommen. Ein gewisses Maß an Hilfe wird tatsächlich wahrgenommen. Kommt tatsächlich an. Nur hat sich der Mensch durch seine Selbstheilungskraft selbst geholfen. Nicht Gott. Es gab halt nur einen Anstoß von außen.
Kommen aber einmal echte Probleme/härtere gesundheitliche Probleme, reicht dieses Placebo (die Selbstheilungskräfte) nicht mehr aus.
Jetzt ist der Zeitpunkt eingetreten, wo tatsächliche Hilfe von außen benötigt wird. Und da versprechen Kirche & Co. oft viele Sachen, die sich im Bedarfsfall als schlichtweg falsch/Lüge darstellen. Der Patient soll sich halt weiter selbst helfen. Kann aber nicht mehr. In ganz perfiden Einrichtungen wirft man dem Patienten gar noch Selbstverschulden vor.

Wer sich nicht hat abhängig machen lassen, ist relativ schnell von diesen Institutionen abgesprungen. Die anderen holen sich externe, realistische Hilfe oder gehen kaputt.

Ein kleiner Teil dieser Gemeinschaften blüht allerdings auch auf. Die Nutznießer dieser Gemeinschaften.

Als recht anschauliche Darstellung solcher Probleme empfinde ich den Film, den glasperle im Nachbarthread als Link eingestellt hat.

https://m.youtube.com/watch?v=l_9TErhiLlc

Ich habe erst die ersten 25 Minuten gesehen. Dort wird die Unfähigkeit der Kirchen an einem Fallbeispiel dargestellt, Leidtragenden Trost zu spenden. Man kann wieder so deutlich erkennen, dass geschwafelt wird.

Schwafeln bedeutet: Ich kann keine schlüssige Antwort geben und texte meine Gesprächspartner mit möglichst viel Text und Fachbegriffen zu, bis ihnen die Ohren klingeln und sie vielleicht das eigentliche Problem vergessen haben. Vielleicht schaffe ich es sogar, ihnen irgendwie Unwissenheit unterzuschieben.

Der Glaube und die damit verbundenen Taten kann sicher zum Segen der Menschen genutzt werden. Wir erleben allerdings m. E. einen flächendeckenden Missbrauch, der den Leuten in die Hände spielt, die die Existenz Gottes abstreiten,

meint Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

R/S
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#82 Beitrag von R/S » 10.03.2017, 14:30

Boris:
Die Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit (Angstfreiheit) wird von diesen Institutionen ausgenutzt, um die Nachfolger in die psychische Abhängigkeit zu treiben.
Ich würde die Aussage von Boris um folgende Ergänzung erweitern:
"Die Sehnsucht der Menschen nach Sicherheit (Angstfreiheit) wurde und wird von diesen Kirchen häufig ausgenutzt, um die Nachfolger in die psychische Abhängigkeit von Kirche zu treiben."

Denn genau darum geht es. Anstatt, wie im Evangelium verkündigt, die Menschen an Gott und seine über den Tod hinausgehende Liebe zu binden - die dem Menschen übrigens kein Schlaraffia und auch kein sorgenfreies Leben verheißt, im Gegenteil -, wird der Mensch an Kirche und kirchensystemische Strukturen gebunden, die ihm Dinge vorgaukeln, die bei Lichte nüchterner Vernunft betrachtet, gar nicht zutreffen können. Aber wie viele Menschen haben die innere Kraft und seelische Reife, um das Kleingedruckte (ganz zu schweigen vom Verschwiegenen ...) zu lesen, geschweige denn zu verstehen ...
Das geht dann wie beschrieben soweit, dass selbst abstruseste Versprechen für garantiefähig gehalten und umgekehrt erschreckendste Kollaboration mit faschistischen Systemen schlimmstenfalls als notwendiges Übel (wenn nicht gar als göttliche Ordnung) akzeptiert werden.

Und ja, es ist ganz natürlich, dass Dinge dann als tatsächliche Hilfe wahrgenommen werden, die oft nicht mehr als Vertröstungen sind und nicht selten an Wahrheitsverschleierung grenzen. Wenn man am Ertrinken ist, ergreift man eben auch mal die Flosse des Haifischs, weil sie das kleinere Übel zu sein scheint. In der Not sind die meisten Menschen ohnehin nur mehr von Instinkten getrieben, die kaum eine Unterscheidung zulassen zwischen Schwarz und Weiß, Wahrheit und Lüge, geschweige denn die Nuancierung zwischen Realität und Wirklichkeit.
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich…; und irgendwann – wenn sich die Wahrheit nicht mehr leugnen lässt – imitieren sie dich. (In Anlehnung an M. Gandhi)

Gerlinde

Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#83 Beitrag von Gerlinde » 10.03.2017, 14:48

Hat der Mensch sich wirklich selbst geholfen? In gewissem Sinne würde ich Dir zustimmen. Ein Gebet mag z.B. ein Placebo sein, ist aber hilfreich, weil man dadurch die inneren Kräfte mobilisiert, und Fragen stellt.

R/S
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#84 Beitrag von R/S » 10.03.2017, 14:56

Gerlinde,
Hat der Mensch sich wirklich selbst geholfen? In gewissem Sinne würde ich Dir zustimmen. Ein Gebet mag z.B. ein Placebo sein, ist aber hilfreich, weil man dadurch die inneren Kräfte mobilisiert, und Fragen stellt.
Sie haben meine uneingeschränkte Zustimmung, liebe Gerlinde, denn letztlich bleibt ja die Frage offen, warum der Mensch offen ist für Placebos, warum es sie überhaupt gibt und nicht zuletzt, welche Gesetzmäßigkeiten und Ursachen ihnen (und vielen anderen Dingen) zugrunde liegen.

Das tragische ist, dass alles, was der Mensch persönlich mit Gott erlebt, ganz schnell von Kirche vereinnahmt wird, sodass viele dann glauben, dass es sich um einen konfessionellen Gott handeln müsse, der nur in dieser oder jener Kirche bzw. in diesem oder jenem Amt (vollumfänglich) wirken kann ...
... weswegen es auch keine wirkliche Ökumene geben wird.
Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich…; und irgendwann – wenn sich die Wahrheit nicht mehr leugnen lässt – imitieren sie dich. (In Anlehnung an M. Gandhi)

Schmetterling40

Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#85 Beitrag von Schmetterling40 » 10.03.2017, 19:41

Das wohl größte Drama auf diesem Planeten ist, dass hochgradig manipulierte Menschen ihre Manipulierer verteidigen, weil sie selber die Wahrheit für Manipulation halten. — Alexander Schöndeling

R/S
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#86 Beitrag von R/S » 10.03.2017, 21:14

... und das, lieber Schmetterling, beginnt schon bald nach der Geburt, wo Kinder ihre jeweiligen Eltern für die besten, klügsten und wichtigsten halten auf der ganzen weiten Welt ...

... und setzt sich meist nahtlos fort in der jeweiligen Glaubensgemeinschaft, in die sie hineingeboren worden waren ... :)
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Boris
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#87 Beitrag von Boris » 11.03.2017, 22:09

R/S hat geschrieben:... Das tragische ist, dass alles, was der Mensch persönlich mit Gott erlebt, ganz schnell von Kirche vereinnahmt wird, sodass viele dann glauben, dass es sich um einen konfessionellen Gott handeln müsse, der nur in dieser oder jener Kirche bzw. in diesem oder jenem Amt (vollumfänglich) wirken kann ...
... weswegen es auch keine wirkliche Ökumene geben wird.
Absolut Zustimmung
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

Gerlinde

Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#88 Beitrag von Gerlinde » 11.03.2017, 22:22

Ich habe mich sehr oft gefragt, warum diese Würdenträger (egal, in welcher Kirche, Sekte, Kult, etc,) so viel an Geld und Zeit investieren. Heute bin ich mir ziemlich sicher, dass einer der Gründe ist, Macht und Anerkennung zu haben. Das man über andere bestimmen kann.
Ich erinnere mich noch an einen Donnerstag, ich sollte für ein Tempelinterview (siehe mein Manuskript das Kapitel über das "Haus des Herrn") ins Büro des Bischofs (Gemeindeleiters) kommen. Bei dem Interview stellte er die üblichen Fragen, vorher jedoch sagte er sinngemäß, dass ich bei jeder Frage immer daran denken soll, dass er Gott repräsentiert, und, wenn ich ihn belüge, gleichzeitig auch Gott belüge.
Interessante Wortwahl, nicht wahr?

Toleranz
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Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#89 Beitrag von Toleranz » 10.10.2019, 22:53

Ist eine Stellungnahme von der NAK zur Wiedervereinigung ( 3. Oktober 2019 ) erfolgt bzw. bekannt?

Heinrich

Re: NAK und die Stasi (MfS) in der DDR

#90 Beitrag von Heinrich » 11.10.2019, 17:15

@Tom
Ich gehe davon aus, dass es gebraucht wird, sich aufzuregen.
Sie haben Recht, nur wie sich aufregen, bitte? Irgendwelche sehr gute Ideen, Tom?

Nur altgedienten NAK'lern sagen, Leute so bitte geht es nicht weiter, denn dann ist diese auch meine Kirche töter als tot? Das reicht nicht!

Nur so eine Frage aus dem ganz tiefen Süden,
Heinrich

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