Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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Cemper

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#21 Beitrag von Cemper » 19.02.2012, 19:52

Adler -

ich bin ja schon recht lange in diesem und in dem Nachbarforum (früher GK). Dabei ist mir einiges aufgefallen - u.a. eine Neigung zu dieser "Weltsicht" mit einem seltsamen Schuld- oder Verursacherverständnis:

Es gibt viele Einträge, in denen Menschen, die mit ihrer Kirche (der neuap. Kirche) Probleme bekommen haben, die Gründe für diese Probleme von vornherein ganz außerhalb ihrer Person sehen. Dabei schimmert oft durch, dass diese Menschen neuap. geglaubt haben, was konkret zum Beispiel heißen kann, dass sie sich für erwählt gehalten haben. Sie fühlten sich - in einer Metapher gesprochen - zum "Volk Gottes" gehörig und haben sich in der Vorstellung einer ihnen von Außen zufließenden "Gnade" bequem eingerichtet. Dann haben sie - die Gründe können sehr unterschiedlich sein - in ihrer Kirche Schwierigkeiten bekommen. Und dann machen diese Menschen es sich wieder bequem: die Kirche hat ja falsch beeinflusst oder ist / war aus diesen und jenen Gründen "nicht gut".

Anders gesagt: Man ist erwählt oder falsch beeinflusst. Man ist immer nur Objekt, niemals Subjekt.

Mir kommt das manchmal vor, als hätte man es erst mit unreflektiert glaubenden und dann mit unreflektiert kritisierenden und enttäuscht-schimpfenden Marionetten zu tun.

C.

Laura1

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#22 Beitrag von Laura1 » 19.02.2012, 20:01

Zu dem Thema, die Wahrheit auf den Kopf gestellt, möchte ich auch noch etwas schreiben.

Mag sein, dass das was ich zu dem Thema schreibe nicht wirklich dem entspricht was eigentlich hier gemeint ist. Aber es betrifft Gläubige die der Neuapostolischen Kirche angehören... und genau dies praktizieren. Sie stellen die Wahrheit auf den Kopf.

Ich komm darüber einfach nicht hinweg, dass es Glaubensgeschwister gibt die jeden Gottesdienst besuchen, die sich in die Gemeinde und Kirche einbringen, alle Aktivitäten mitgestalten, sich überaus gläubig-christlich zeigen. Das genau diese Menschen ein zweites Gesicht besitzen, ein Gesicht, dass so gravierend von dem überall gezeigten Gesicht abweicht, dass es unfassbar ist.

Da wird die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Die Lüge als Wahrheit verkauft. Diese Menschen, gläubige Gotteskinder, projizieren ihre eigenen Fehler, ihre verlogenen Aussagen auf andere. Sie schieben ihre Lügen anderen in die Schuhe. Und, was besonders fatal ist, sie verkaufen ihre unwahren Aussagen, als die Wahrheit. Ich vermute sogar, dass sie ihre Lügen selbst glauben und für wahr halten.

Ich möchte das Thema nicht zerschießen. Und hoffe, es mit meinem Eintrag auch nicht zu tun...
Es entspricht auch nicht meinem Stil, persönliches zu schreiben. Das bitte ich zu entschuldigen.
Aber ich verstehe das einfach nicht. Ich suche nach Erklärungen und finde sie nicht...
Wie kann das sein, ist so ein Verhalten krank, oder was ist das?


VG Laura1

Cemper

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#23 Beitrag von Cemper » 19.02.2012, 20:17

Laura1 - wenn man die Umstände, die Sie ansprechen, beurteilen soll, würde ein Polizeibeamter oder ein Jurist zunächst sagen, dass es immer auf die Umstände des Einzelfalles ankommt, und er würde Sie dann bitten, ausgewählte Sachverhalte konkret zu beschreiben und die Sachverhalt überprüfbar zu machen. Es würde dann zwischen subjektiver Wahrnehmung und objektiven Tatbeständen unterschieden. Ein Sozialwissenschaftler würde sich für empirisch gesicherte Daten bemühen und dann versuchen, das, was in der Realität passiert, theoretisch "zu durchdringen" - also die Vorgänge zu verstehen und sie in ein plausibles System einzuordnen.

Laura1

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#24 Beitrag von Laura1 » 19.02.2012, 20:23

Ich möchte die Sachverhalte hier öffentlich, nicht konkreter beschreiben. Bitte verstehen sie das.

Danke für Ihre Antwort.

VG Laura1

Cemper

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#25 Beitrag von Cemper » 19.02.2012, 20:31

Laura1, ich verstehe es und ich halte es auch für richtig. (In meinem Eintrag war übrigens ein Fehler; es muss richtig heißen: "... würde sich um empirisch gesicherte Daten bemühen ..."

Laura1

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#26 Beitrag von Laura1 » 19.02.2012, 20:53

Ich habe auch einen Fehler gemacht...(es muss richtig heißen: Bitte verstehen Sie das).
Manchmal, wenn ich hier, oder im Nachbarforum lese und nach einiger Zeit über meine eigenen Einträge stolpere...
Es ist es mir richtig peinlich...(kaum ein Eintrag, der wirklich fehlerfrei von mir geschrieben wurde..."seufz")

Brombär
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Registriert: 28.11.2007, 00:15

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#27 Beitrag von Brombär » 20.02.2012, 10:47

Laura1 hat geschrieben:Zu dem Thema, die Wahrheit auf den Kopf gestellt, möchte ich auch noch etwas schreiben.

Mag sein, dass das was ich zu dem Thema schreibe nicht wirklich dem entspricht was eigentlich hier gemeint ist. Aber es betrifft Gläubige die der Neuapostolischen Kirche angehören... und genau dies praktizieren. Sie stellen die Wahrheit auf den Kopf.

Ich komm darüber einfach nicht hinweg, dass es Glaubensgeschwister gibt die jeden Gottesdienst besuchen, die sich in die Gemeinde und Kirche einbringen, alle Aktivitäten mitgestalten, sich überaus gläubig-christlich zeigen. Das genau diese Menschen ein zweites Gesicht besitzen, ein Gesicht, dass so gravierend von dem überall gezeigten Gesicht abweicht, dass es unfassbar ist.

Da wird die Wahrheit auf den Kopf gestellt. Die Lüge als Wahrheit verkauft. Diese Menschen, gläubige Gotteskinder, projizieren ihre eigenen Fehler, ihre verlogenen Aussagen auf andere. Sie schieben ihre Lügen anderen in die Schuhe. Und, was besonders fatal ist, sie verkaufen ihre unwahren Aussagen, als die Wahrheit. Ich vermute sogar, dass sie ihre Lügen selbst glauben und für wahr halten.

Ich möchte das Thema nicht zerschießen. Und hoffe, es mit meinem Eintrag auch nicht zu tun...
Es entspricht auch nicht meinem Stil, persönliches zu schreiben. Das bitte ich zu entschuldigen.
Aber ich verstehe das einfach nicht. Ich suche nach Erklärungen und finde sie nicht...
Wie kann das sein, ist so ein Verhalten krank, oder was ist das?


VG Laura1



werte Laura1

meines Erachtens trifft dein Beitrag das Thema hier sehr genau. Du schreibst von Glaubensgeschwistern, welche Sachverhalte auf den Kopf stellen.

Ich kann nachvollziehen, wenn Geschwister so manche Kuriosität ihrer Kirche mit Vehemenz und Herzblut verteidigen. „Die Sach ist dein, Herr Jesu Christ" und muss daher mit allen Mitteln verteidigt werden.“

Ich weiß um das Zusammenrücken der verängstigten Schafe. Ich verstehe, dass es vielen Geschwistern nicht mehr möglich ist, den einmal eingeschlagenen Pfad zu verlassen, ohne ihr soziales Umfeld zu verlieren und seelisch wegen völliger Verunsicherung vor die Hunde zu gehen. Für sie ist Verdrängung allemal noch besser als dem Wahnsinn in die Augen zu blicken. Man muss solche Leute nicht noch mehr in die Enge treiben als sie ohnehin schon sind.

Was nun aber wirklich in ungläubiges Erstaunen versetzt ist der Umstand, dass das neuapostolische Apostolat offensichtlich die Zeit für gekommen sieht, die NAK-Geschichte „auf Kurs“ umzudeuten. Ein halbes Jahrhundert nach Bischoffs Tod muss mit der unseligen Vergangenheit anscheinend gründlich aufgeräumt werden. Die NAK-Führung macht das aber nicht mit den Mitteln der Aufrichtigkeit, Reue und Demut, sondern in dem sie die Dinge auf den Kopf stellt.

Als vor wenigen Jahren - Forenberichten zufolge – Stammapostel Leber gefragt wurde, ob es das Wirken des Heilige Geistes gewesen sei, dass die Kirche in der bischöfflichen Heimholungshysterie jegliche lebensbejahenden Elemente menschlichen Zusammenseins als Geist der Welt und Machenschaft des Böses gepredigt hat, sollte Leber geantwortet haben dass solche Gedanken nicht im Apostolat geboren wären, sondern in den Gehirnen übereifriger Amtsträger.

Wenn mein leiblicher Vater, welcher 35 Jahre als Amtsträger der neuapostolischen Kirche gedient hat, so etwas gehört hätte, wäre er vermutlich krank und lebensmüde geworden. Gott sei Dank hat er diese Entartung nicht mehr miterleben müssen.

Wenn nun Apostel Eckhardt die damaligen Verhältnisse – welche unsägliches Leid mit sich brachten – zum anderen Mal auf den Kopf stellt und dies auch noch ohne erkennbare Veranlassung, dann kann ich mir keinen anderen Reim darauf machen, als dass dahinter Methode steckt.

Was aber sind das für Apostel, welche die Dinge auf den Kopf stellen ?

Selbst wenn sie zunächst eine göttliche Legitimation gehabt hätten, so wäre diese spätestens mit solchen Machenschaften verwirkt gewesen.

Was ist nur in dieses Apostolat gefahren ?
Das ist unsere Berufung, dass einer dem anderen Rast biete, auf dem Weg zum ewigen Haus.

Schneider

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#28 Beitrag von Schneider » 20.02.2012, 11:33

Ich möchte die Negativerlebnisse, die einige beschreiben, nicht relativieren oder gar in Abrede stellen. Es gab aber in Punkto Erziehungsmethoden auch andere Beispiele:

Meine Mutter hat mir sehr oft folgendes erzählt: Es war in den 1960'er Jahren. Ich war noch ein Kleinkind. Eines Sonntagsmorgens gefiel es mir, den Gottesdienst durch lautes Gebrüll zu bereichern. Der Gottesdienst fand in einem angemieteten Lokal statt. Kinderräume gab es nicht. Die Gemeinde war massiv gestört. Alle Beruhigungsversuche scheiterten. Meine Mutter geriet in Wut, verließ mit mir das Lokal, verschwand in einen abgelegenen Nebenraum und verpasste mir eine gehörige Abreibung (wodurch das Gebrüll zunächst noch lauter wurde). Der damalige Vorsteher bekam das natürlich mit. Nach dem Gottesdienst knöpfte er sich meine Mutter vor und machte ihr ziemlich heftig und unmissverständlich klar, dass

a Gewalt schon mal ganz grundsätzlich nicht geht und
b) sie nichts anderes bewirkt, als in dem Kind einen Hass auf die Kirche zu erzeugen. Wenn sie also ein Interesse daran habe, dass es mir in der Kirche gefällt, möge sie mich bitteschön gut behandeln und alles dafür tun, dass ich mich dort wohlfühle. Und wenn es mal Geschrei gibt: Nun ja, kleine Kinder seien halt so. Das müsse eine Gemeinde schon aushalten.

Solche Vorsteher gab es also auch. Er fiel mir später auch in anderer Hinsicht nicht durch überzogenen Fundamentalismus auf. Ich habe an die Kirche meiner Kinderzeit deshalb auch keinerlei negative Erinnerungen. Das kam alles später und hatte auch nicht so sehr mit elterlichen Erziehungsmethoden zu tun. Die waren sicherlich nicht immer einwandfrei. Dass ich aber heute der Kirche nicht mehr angehöre, haben nicht meine Eltern verursacht, da waren ganz andere Kaliber am Werk.

Mit ist durchaus bewusst, dass Kinder in anderen Fällen gewaltsam (körperlich oder psychisch) zu treuen Gotteskindern erzogen wurden. Aber nicht alle Eltern waren so.
Schneider

_

Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#29 Beitrag von _ » 20.02.2012, 11:47

es ist doch so - eckhardt wäscht seine hände (und die seiner "vorangänger" und "amtsbrüder") in unschuld.

schuldig sind in seinen augen auch heute noch (oder gar heute erst?) vor allem jene, welche die forderungen aus gottesdiensten und seelsorgegesprächen wie auch die ungeschriebenen (und doch unwidersprochenen) gesetze der gemeinschaft befolgt haben. sie haben sich nach eckhardts diktion nicht nur damals an ihren kindern, sondern perfiderweise auch an ihren "segensträgern" schuldig gemacht. eine derart realitätsfremde sicht auf den immer noch geforderten "glaubensgehorsam" ("auch in kleinen dingen!") mutet schon nach böser absicht an, vor allem, wenn er von einem proponenten kommt, der gleich im nächsten atemzug wieder fordert: alles hört auf mein kommando!

schlimm wäre also nun, wenn eckhardts "apostelbrief" so unwidersprochen im neuapostolischen raum stehenbliebe, wenn sich damalige eltern also nochmals missbrauchen ließen - diesmal nicht nur als erfüllungsgehilfen einer unangebrachten moralvorstellung, sondern auch noch als wasch-mittel zum zweck des reinen, weißen kleides der amtsträger - und die kinder dabei mitspielten oder gar einstimmten: "heute ist ja alles besser!"

Magdalena
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Re: Die Wahrheit auf den Kopf gestellt

#30 Beitrag von Magdalena » 20.02.2012, 11:49

Brombär hat geschrieben:Was ist nur in dieses Apostolat gefahren ?
Auf jeden Fall ist es nicht der Heilige Geist, der ja nach den Worten Jesu in alle Wahrheit führen soll! Und wenn es nicht der Heilige Geist ist? Viel Auswahl bleibt da nicht ...

In meinem ganzen Neuapostolischsein habe ich schon so viel erlebt an Lügen und Gemeinheiten von "oben", die immer in "bester Absicht" erfolgten, um das "Werk des Herrn" zu erhalten, zu schützen - ganz besonders die Amtsträger und die Apostel waren sowieso unantastbar - die konnten sagen und tun, was sie wollten - es war ja immer der HERR!

Auch ich habe immer den "Mantel der Liebe" darüber gebreitet, wollte es nicht wahrhaben und habe jahrzehntelang erfolgreich verdrängt. Dann wurde dieser Mantel gewaltsam durch Ereignisse und Erlebnisse weg gerissen - und ich musste plötzlich erkennen, Stück für Stück, welchem Irrtum, welcher Irrlehre ich aufgesessen bin und das tat unheimlich weh. Der ganze Lebensinhalt war futsch, man hatte nur für die Kirche gelebt und gearbeitet und geopfert.

Dann musste ich erkennen, wie viel Schaden andere und auch ich selbst genommen hatten, weil man diese Lehre 100%ig verinnerlicht hatte und für einen selbst das ewige Leben vom Befolgen jeglicher Aussagen der "getreuen Vorangänger" dran hing - so wie es bei unseren Eltern schon war, die uns "entsprechend" erzogen haben.

Jetzt werden wieder einige sagen: Nun lass mal gut sein, du Nestbeschmutzer, mal muss endlich Schluss sein mit deinen Psychosen, bist doch selber schuld, warum hast du alles geglaubt und versucht, auch alles so zu tun?

Es ist schon was Wahres dran, was Cemper schreibt: Wir waren etwas Besonderes, etwas Einmaliges - das war schon sehr erhebend und verführte zu Hochmut und Arroganz anderen Menschen gegenüber. Aber seltsamer Weise waren bzw. sind die meisten von "uns" mit mangelndem Selbstwertgefühl "gesegnet", wir haben und hatten kein wirkliches Vertrauen zu Gott, weil wir immer nur in Ängsten schwebten, etwas falsch zu machen.

Wir kannten den barmherzigen Gott nicht, der uns so liebt, wie wir nun mal sind. Der uns durch diese Liebe zu sich ziehen möchte und wir endlich durch diese Liebe ohne Druck und ohne Zwang in der Lage sind, diese Liebe entprechend zu erwidern mit Liebe zu IHM, uns selbst und der Liebe zu unserem Nächsten.

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