Milieu-Stämme in der NAK

Alles rund um die Sondergemeinschaft Neuapostolische Kirche (NAK), die trotz bedenklicher Sonderlehren (u.a. Versiegelung, Entschlafenenwesen mit Totenmission, Totentaufe, Totenversiegelung und Totenabendmahl, Heilsnotwenigkeit der NAK-Apostel, Erstlingsschaft, ..), weiterhin "einem im Kern doch ... exklusiven Selbstverständnis", fehlendem Geschichtsbewusstsein und Aufarbeitungswillen, speziell für die Zeit des Dritten Reiches, der DDR, der Bischoffs-Botschaft ("... Ich bin der Letzte, nach mir kommt keiner mehr. ..."), sowie ihrer jüngsten Vergangenheit und unter erheblichem Unmut ehemalicher NAK-Mitglieder, auch Aussteiger genannt, die unter den missbräuchlichen Strukturen und des auf allen Ebenen ausgeprägten Laienamtes der NAK gelitten haben, weiterhin leiden und für die die NAK nach wie vor eine Sekte darstellt, im April 2019 als Gastmitglied in die ACK Deutschland aufgenommen wird.
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agape
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Milieu-Stämme in der NAK

#1 Beitrag von agape » 20.11.2009, 14:00

evah pirazzi hat geschrieben:"Lebendig - offen - anders"

Ich denke, die prozentuale Verteilung dürfte so aussehen:

- lebendig: 20%
- offen: -10%
- anders: 90%

:wink:
Tja so war/ist es ja nun auch leider.
Auch auf die Gefahr hin, dass ich mich zum 100. Male wiederhole: Es tut mir für meine ehemalige Kirche (NAK) und deren Mitgliedern wirklich sehr, sehr leid, dass sie damals (in den 80er und 90er Jahren) nicht das Einsehen hatte und dementsprechend keine Kraft dafür fand, den lange überfälligen Reformprozess, der sich dann in eine kaum beherrschbare Obstipation verwandelte, einen Öffnungsprozess einzuleiten.

Am Rande
Bild
Sorry, für die Visualisierung, aber ich denke, dass sind die wirklich analogen Krankheiten
dazu im Verdauungssystem des Einzelnen - hervorgerufen durch vorordneten Bewegungsmangel und Fehlernährung (Stress, Frust, allg. Jammer, etc)



Die NAK hat zunächst alles falsch und dann auch erheblich zu spät richtig verstanden, was ihre vermeintlichen Kritiker - die damals schon vor 30 Jahren, vor 20 Jahren ("sog. Aussteigerbewegung"), vor 10 Jahren und vor fünf Jahren - der Kirche als Beistand und Berater helfend anbieten wollten.
Der "Patient Kirche" war uneinsichtig und stolz, sehr sicher, das alles wie gewohnt so weiterginge, schüttelte dann in den letzten fünf Jahren ihre "Störer" ab in der Hoffnung nun endlich in Ruhe sein Ding weiterzumachen. Und jetzt (!) merken allmählich viele, dass sie eine Friedhofsruhe ungeahnten Ausmaßes vorfinden.

Ja, das tut weh und leid, wenn sich die uralten "guten Mütter und Väter" einsam in ihren Bänken umsehen, aber sie können nichts dafür, die anderen aber eben auch nicht, die weggegangen sind. Jeder musste tun, was er tun musste. Verharren oder gehen.

Was die NAK beispielsweise grundsätzlich in den letzten Jahren "falsch umsetzt", ist die Idee von Profilgemeinden, die damals den Sinn gehabt hätten, eine Übergangsphase während eines möglichen Paradigmenwechsels darzustellen und Raum für Reformer zu bieten und somit für die Zukunft der Kirche.
Stattdessen hat die NAK ihre Profilgemeinden in Altersgruppen unterteilt, und nur zielgruppenorientierte Angebote für den Großteil ihres Klientels geschaffen. Dass es so etwas wie eine Wohlfühlkirche geben muss, liegt ja eben gerade an ihrem hedonistischen konsumorientierten Klientel und typischem Stamm-Milieu.
Für Geistliche und Geistliches war NIE Platz, gab es keinen Raum, keinen Aufhänger, quasi rein gar NICHTS.
Öffentlichkeitswirksam dürfen sich dafür engagierte Musiker einen Raum nehmen. Zum einzigen Zweck, dass das von der NAK dann pseudo-ökumenisch fehl-umgedeutet und werbewirksam dargestellt wird.

Das war die arme NAK, mehr kann man von ihr nicht erwarten, mehr bietet sie nicht, mehr hat sie insgesamt nicht drauf. Und nur deswegen (!), weil das so ist (!), wäre es besser, sie würde still einpacken.
Nur deswegen, weil sie am Evangelium zielsicher vorbei arbeitet.
Kann es ein schlimmeres Urteil oder Empfinden für eine Kirche geben?

90 % anders, ja leider, leider anders, als es das Evangelium vorgibt.

Von weitem sah man sie (die kleinen im Elfenbeinturm befindlichen Menschen) in alle Richtungen gleichzeitig davonreiten....

Gott segne uns alle.





agape
Zuletzt geändert von agape am 20.11.2009, 21:26, insgesamt 2-mal geändert.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
„Ich bin, was ich tue.“ Das bewirkt mystische Erfahrung.
Nach D.Sölle

Ruhrgebiet

#2 Beitrag von Ruhrgebiet » 20.11.2009, 15:07

Danke! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen :wink:

snailor

#3 Beitrag von snailor » 20.11.2009, 16:18

Der NAK fehlten konsistentes Denken und Reden ebenso wie konsequentes Handeln.

Sie hat sich nie eindeutig für eine der möglichen Handlungsoptionen entschieden.

Sie hätte in Wort und Tat kompromisslos und durchgängig bei ihren radikalen Leisten bleiben können.

In Deutschland wäre sie damit weiterhin auf die Sektenecke festgelegt, aber niemand hätte sich einer Täuschung hingeben können, woran er mit der NAK sei und es wäre immerhin respektabel gewesen, wenn sie zu ihren Überzeugungen ohne Wenn und Aber gestanden hätte.

Sie hätte den Weg der Öffnung gehen können

Dazu hätte es aber einiger Voraussetzungen bedurft:

Zum einen hätte die gesamte Leitungsebene das mittragen und zum anderen hätte das Kirchenvolk darauf eingestimmt werden müssen. Das hätte viel Mut und Durchhaltewillen erfordert, wäre aber ebenfalls respektabel gewesen, weil aus neu gewonnenen Einsichten konsequent die entsprechenden Schlussfolgerungen gezogen worden wären.

Sie hätte die internen Auseinandersetzungen offenlegen können

Das hätte die ohnehin brüchige Illusion des "Einsseins der Apostel" zunichte gemacht, wäre aber wiederum respektabel gewesen, weil es ein ehrlicher Umgang mit der Schwierigkeit gewesen wäre, sich vom Heiligen Geist recht leiten zu lassen.

Sie ist nicht bei sich geblieben, hat sich dem "Anderen" nicht geöffnet und hat nichts zur Transparenz beigetragen

Bei allen Optionen hat die NAK die Chancen gering und die Risiken hoch eingeschätzt. Einen breiten, risikofreien Weg gab es aber nicht. Den ist sie gegangen: Den Weg des Wartens auf bessere Zeiten, des untätigen Wartens auf den zeitlich verstandenen Tag des Herrn, des Wartens auf Godot.

Ein bißchen Bleiben bei alten Zöpfen, ein bißchen moderneres Look and Feel. Schließlich ist der Anpassungsdruck ja in den meisten Ländern gering. Da ist man ja anerkannt. Aber z.B. in Deutschland, da muss schon etwas Kreide aufgelegt werden.

Nein. In Glaubensdingen kann man vieles differenziert sehen, man kann sich auch auf unterschiedliche Menschen einstellen, aber verschiedene Interpretationen desselben Sachverhalts kann man nicht zur gleichen Zeit liefern, ohne sich un-glaub-würdig zu machen.

dietmar

#4 Beitrag von dietmar » 20.11.2009, 20:02

Ruhrgebiet hat geschrieben:Danke! Dem ist nichts mehr hinzuzufügen :wink:
Dewm Dank schliese ich mich an. lG

autor

#5 Beitrag von autor » 22.11.2009, 20:38

.

Brombär
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#6 Beitrag von Brombär » 22.11.2009, 22:11

autor hat geschrieben:.

autor,

m.E. ist es schade, dass dein hier nur kurz veröffentlichter Beitrag verschwunden ist. Er war eine gute Basis zu vertiefenden Betrachtungen.


Brombär
Das ist unsere Berufung, dass einer dem anderen Rast biete, auf dem Weg zum ewigen Haus.

autor

#7 Beitrag von autor » 22.11.2009, 22:38

Ach "Brombär",

eine gute Basis ist immer Freundlichkeit. Und ob die in meinen Beiträgen immer sooo deutlich "rüberkommt" – da beschleichen mich dann doch hin und wieder Zweifel. Zum ersten mal habe ich einen Beitrag, den ich eingestellt habe, wieder gelöscht. Für mich ist das schon ein echtes Opfer.

Mit Worten sagt man eben nicht nur Sachverhalte, sondern gibt Stimmungen Ausdruck, die nur allzu leicht einen unbotmäßigen Angriff auf die Gefühle von Schreiberlingen darstellen können und darüber hinaus dazu angetan sind, den Austausch miteinander nicht zu befördern, sondern zu verderben.

Grüße

a.

Dieter

#8 Beitrag von Dieter » 22.11.2009, 22:47

Lieber autor,

ich habe vorher Deinen Beitrag gelesen und fand ihn absolut nicht "unbotmäßig". Dieses Opfer hättest Du also nicht bringen müssen.

Liebe Grüße
Dieter

Brombär
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#9 Beitrag von Brombär » 23.11.2009, 08:52

agape schrieb :

Dass es so etwas wie eine Wohlfühlkirche geben muss, liegt ja eben gerade an ihrem hedonistischen konsumorientierten Klientel und typischem Stamm-Milieu.

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Ist das nicht " zu kurz gesprungen " ?


Bb.
Das ist unsere Berufung, dass einer dem anderen Rast biete, auf dem Weg zum ewigen Haus.

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agape
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#10 Beitrag von agape » 23.11.2009, 10:14

Brombär hat geschrieben:agape schrieb :
Dass es so etwas wie eine Wohlfühlkirche geben muss, liegt ja eben gerade an ihrem hedonistischen konsumorientierten Klientel und typischem Stamm-Milieu.
---

Ist das nicht " zu kurz gesprungen " ?
Lieber Brombär,

natürlich ist es "zu kurz gesprungen", selbst die Langfassung ist zu kurz gesprungen, es erschien aber mal notwendig überhaupt mal einen Blick auf die NAK Milieu-Stämme zu werfen.
Nur mal gerade ganz kurz, gerne insgesamt später ausführlicher und länger.
Zitat aus dem Vorspann des Artikels:
Welchen "Milieu-Stamm" bedient die NAK besonders?

[...] Milieus sind Stämme, die einem teilweise folglich fremd vorkommen – je nachdem, welchem Milieu-Stamm man selbst angehört. Diese Fremdheit enthält Konfliktpotential. Einige dieser Milieus beißen sich, passen nicht zueinander. Eine Analyse der Milieus innerhalb der NAK leidet im Vergleich zu der wissenschaftlich fundierten Arbeit von Ebertz daran, dass kein repräsentatives, empirisch gesammeltes Datenmaterial zur Verfügung steht. Weiterhin ist der andere kirchengeschichtliche Hintergrund wie die theologisch deutlich radikalere Ausrichtung der NAK in Rechnung zu stellen. Dies meint zum einen die Differenz zwischen einer relativ jungen, in der Atmosphäre der Erweckungsbewegungen des 19. Jahrhunderts durch Abspaltung entstandenen Kirche gegenüber dem bis zu den Ursprüngen reichenden, mittlerweile zweitausend Jahre alten Katholizismus. Demnach dürften die Milieus der NAK sich weniger bzw. in anderer Form ausdifferenzieren, als in der Großkirche. Zum andern prägt die stark eschatologische Ausrichtung der NAK, die bis vor kurzem zu einer radikalen Abschottung vom öffentlichen Leben führte, ihre Mitglieder in anderer Form als die bisweilen recht differenten Theologien der Katholischen Kirche. Das heißt, die von Ebertz entworfenen Milieugruppen können nicht exakt übernommen werden, sondern lediglich als Musterbeispiel dienen. Eine Analyse der Milieus innerhalb der NAK kann im Augenblick also nur einen Entwurfscharakter mit bisweilen recht spekulativen Elementen besitzen und notwendig nur den europäischen bzw. deutschsprachigen Teil zum Gegenstand haben.

Sieht man sich die Milieus der Neuapostolischen etwas genauer an, insbesondere im Hinblick auf die Frage nach ihrem Verhältnis zu Kirche, Religion und persönliche Glaubensüberzeugung und ihre diesbezügliche Ansprechbarkeit, könnte man in Anlehnung an Ebertz folgende Milieus annehmen.....

Siehe auch:
Was versteht man unter Profil-Gemeinden?
Wie könnten sich "NAK-Profilgemeinden" etablieren
und wie würden sie funktionieren?


Siehe auch:
Kirche und soziokulturelle Milieus

Lieben Gruß,
agape

PS:
Sorry, dass das ganze hier jetzt in diesem Thread läuft, ansonsten kann tergram umschaufeln ;)
Es gäbe noch so viel dazu zu sagen...
Zuletzt geändert von agape am 23.11.2009, 10:34, insgesamt 1-mal geändert.
Jesus war einer der glücklichsten Menschen, der je gelebt hat. Er gab seine Kraft weiter, verschenkte, was er hatte,
weil er in Übereinstimmung mit sich und seiner Botschaft lebte.
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