Unter den Teppich kehren: Vatikan - Papst trennt sich vom deutschen Kardinal Müller.

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Heidewolf
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Unter den Teppich kehren: Vatikan - Papst trennt sich vom deutschen Kardinal Müller.

#1 Beitrag von Heidewolf » 01.07.2017, 13:52

Unabhängig, ob ich die RKK mag oder nicht.
Ich denke, ein Schritt in die richtige Richtung.
Sowohl was Mißbrauch betrifft. Als auch ein Festhalten an alten Traditionen, die der Erkenntnis nicht mehr standhalten.
Vielleicht ein Vorbild für alle christlichen Gemeinschaften.
http://www.spiegel.de/panorama/vatikan- ... 55387.html
Zuletzt geändert von Andreas Ponto am 08.06.2019, 17:08, insgesamt 1-mal geändert.
Grund: Titel ergänzt um: ": Vatikan - Papst trennt sich vom deutschen Kardinal Müller."
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Bezirks-Elster
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Re: Unter den Teppich kehren

#2 Beitrag von Bezirks-Elster » 04.07.2017, 09:58

Ja, die Nachricht klingt erstmal positiv. Kenne mich aber auch nicht tief mit den Hintergründen aus.
...Müller ist Chef der Glaubenskongregation, die Behörde soll die Glaubens- und Sittenlehre der gesamten katholischen Kirche schützen....
Das klingt sehr nach dem hier im Forum schon oft zitierten "Systemerhalt" einer Organisation.... :wink:

Darum habe ich auch Bedenken, dass eine Organisation es selbst schafft, sich zu kontrollieren.
Wie sagte schon der gute Albert Einstein:
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Boris
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Re: Unter den Teppich kehren

#3 Beitrag von Boris » 04.07.2017, 11:44

Ist die Glaubenskongregation nicht die "Behörde", die aus der Inquisition hervorgegangen ist?
Auf mein Nachfragen bestätigte Glasperle vor nicht allzu langer Zeit, dass diese Behörde (Organ der RKK) sich nicht für die Greueltaten im Mittelalter entschuldigt hätte. Man sei, im Gegenteil, stolz, die Kirche und den Glauben so vehement verteidigt zu haben.

Das ein Leiter dieser Organisation nicht wieder ins Amt gesetzt wird, aufgrund seines nach außen bekannt gewordenen extremen Missbrauchs soll ein Schutz der Organisation sein. Das ist kein menschenfreundliches oder gar christliches Verhalten des Papstes. Wenn dieser tatsächlich so wäre, müsste er diese Vereinigung m. E. auflösen. Er nimmt den Mann nur von diesem Posten, damit der nicht noch mehr Schaden anrichten kann,

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Bezirks-Elster
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Re: Unter den Teppich kehren

#4 Beitrag von Bezirks-Elster » 04.07.2017, 15:04

Sind die liberal-demokratischen Verfassungsstaaten westlicher Prägung nicht aus der Französischen Revolution hervorgegangen?
Meines Wissens hat sich keiner dieser Staaten für die Auswüchse und den Terror der radikalen Gruppierungen am Ende des 18. Jh entschuldigt.
Man sei, im Gegenteil, stolz, auf die Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung, auf die Menschenrechte und den modernen Demokratiebegriff ....

:twisted:
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MisterBean
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Re: Unter den Teppich kehren

#5 Beitrag von MisterBean » 04.07.2017, 17:06

Holla! der Vergleich humpelt aber heftig, mein lieber Bezirks-Elster,

Revolution und Gegenrevolution sollte man ethisch nicht gleichsetzen. Die Revolution will unerträgliche politische, soziale und ökonomische Drangsale gewaltsam beenden.
Die Gegenrevolution will diese wieder zugunsten einer kleinen Elite herstellen.

Die französische Revolution, die auf die Abschaffung eines suppresiven politischen Systems mit katastrophalen wirtschaftlichen Konsequenzen für 95% der Menschen abzielte,
endete ja nicht am Abend des 14. Juli 1789 und alle gewalttätigen Ausschreitungen danach fielen demnach schon wieder unter die Friedenspflicht einer geordneten Demokratie.
Das Terrorregime der Jakubiner war kurz (nicht einmal 2 Jahre) aber heftig und verfolgte die Gegenrevolutionäre.

Die Inquisition, ob anlassbezogen wie die mittelalterliche oder institutionalisiert wie die spanische, war ein über mehrere Jahrhunderte aufrecht erhaltenes Unterdrückungsinstrument
der katholischen Kirche zur Absicherung ihrer politischen und wirtschaftlichen Einflussmöglichkeiten. Man sollte sie daher eher mit der GESTAPO (Geheime Staatspolizei) oder der
STASI (Ministerium für Staatssicherheit) als mit den französischen Revolutionären vergleichen.

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Bezirks-Elster
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Re: Unter den Teppich kehren

#6 Beitrag von Bezirks-Elster » 05.07.2017, 14:51

Lieber MisterBean,

das Beispiel hinkt, na klar. Und ein Vergleich einer konservativen, weltweit verbreiteten und konstant agierenden Organisation mit einer Revolution, eines abrupten Systemwandels nicht glücklich.

Mir war wichtig rauszustellen, dass immer zwei Seiten einer Münze da sind. Glaubensbewahrung – Inquisisitionsfolter. Freiheit,Gleichheit, Brüderlichkeit – inflationärer Einsatz der Guillotine. Atomstrom – Atombombe. Etc….

Und so schön es ist, dass sich jeder, der Mist gemacht hat, hinterher entschuldigt, denke ich, es ist nur ein frommer Wunsch und unter Menschen kaum zu etablieren. Die Motivation, etwas unter den Teppich kehren zu wollen, habe nämlich ICH als Mensch. Dazu muss ich nicht mal zu einer Glaubensgemeinschaft werden.

Ich halte nicht so viel von Entschuldigungen im Nachhinein. Bin ein Kind der Wende 1989. Bin in einer ziemlich roten Klasse gegangen. Interessant, wie wenig Schüler und deren Eltern 1990 irgendetwas mit der Partei zu tun gehabt haben wollen. Die ehemalige FDJ-Leiterin musste, aus Mangel an geeigneten Lehrern, Religionsunterricht geben. Weil der Lehrplan das so vorgeschrieben hatte.

Von daher ist es bestimmt ganz nett, wenn sich die Congregatio pro doctrina fidei für die Ausfälle ihrer Vorgängerinstitution entschuldigt. Keiner der Menschen heute hat mit den Menschen damals irgendeine Verbindung. Die Gesellschaftssysteme sind komplett anders. Ethische Normen nicht vergleichbar.

Jedenfalls will ich meine Enkel davor bewahren, sich für meine Fehler entschuldigen zu müssen. Die können sagen: „Opa Bezirks-Elster hat damals 2017 im Spätkapitalismus gelebt. Er hat Fleisch aus Massentierhaltung gegessen und mit einem 2.0 Liter-Auto massiv an der Erderwärmung und Verschwenung der Ressourcen mitgearbeitet. Das war damals so üblich. Er hatte auch paar gute Seiten, sagt Oma......“
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Boris
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Re: Unter den Teppich kehren

#7 Beitrag von Boris » 05.07.2017, 21:49

Nun, lieber B.-Elster, da haben wir eben verschiedene Sichtweisen.
Ich bin schon der Meinung, dass ich mit meinem Verhalten Einfluss auf meine Nachkommen ausübe. Und das in verschiedensten Bereichen. Ob mir, oder denen, das in den Kram passt, ist völlig belanglos.
Thema Verantwortung für die Kinder und Enkel. So leicht ist das Leben nun auch wieder nicht,

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Heidewolf
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Re: Unter den Teppich kehren

#8 Beitrag von Heidewolf » 06.07.2017, 02:37

Ich denke ganz einfach, dass die RKK neben der Kirchenorganisation (Verkündigung, Organisation, Hilfe) auch über die Jahrtausende ein ausgeklügeltes System der Kontrolle und Unterdrückung entwickelt hat. Und dieses auch ganz geschickt mit Bibelinhalten verknüpft hat. Deswegen ist die RKK gerade immer da, wo dieses System durch Aufklärung angegriffen wurde, auch streng gegen die Aufklärer vorgegangen. Bildlich gesprochen, wurde der eigene Thron gestützt. Zur Zeit können wir sehen, wie die mit einem sehr guten Machtinstinkt versehene, eher ungläubige, Frau Merkel, die Ehe verteidigt. Ein ganz seltsames Schauspiel. Und es ist ja auch zu beobachten, dass die RKK immer noch in der Politik eine gewichtige Rolle spielt. Deshalb hat diese Glaubenskongregation wohl auch nicht nur einen theologischen Aspekt, sondern stark auch einen politischen. Wahrscheinlich laufen da auch die Fäden der Überwachung und politischen Einflussnahme zusammen. Und Aufklärung von sexuellem Missbrauch ist eben nicht ein gewünschtes Thema. Denn das könnte der Ausgangspunkt sein, vieles in der RKK in Frage zu stellen. Wenn der Thron dann wackelt, gibt es schon mal eine Serie von Privataudienzen für Politiker beim Papst.
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Re: Unter den Teppich kehren

#9 Beitrag von Heidewolf » 06.07.2017, 02:41

Ach ja. Seltsam ist, dass ein Vertreter aus Deutschland durch einen Vertreter aus Spanien ersetzt wurde, also aus Ländern mit einer starken Vergangenheit bei der Inquisition.
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Re: Unter den Teppich kehren

#10 Beitrag von Bezirks-Elster » 06.07.2017, 07:36

Ich finde ja gerade das schön an Foren, dass es da verschiedene Meinungen gibt. Ich möchte nicht eine fremde Meinung übernehmen "müssen" - auch will ich niemanden mit meiner Ansicht überzeugen.
Obwohl ich nicht die Divergenz zu deiner Meinung sehe, Boris. Ich mache mir das Leben nicht einfach und spüre auch stark meine Verantwortung, die ich gegenüber meinen Nachkommen habe.
Ich wollte in den Fokus rücken: alles was ich jetzt mache, ist stimmig und kann ich gut verantworten. In 150 Jahren, mit anderen Personen, in einem anderen Gesellschaftskontext, mit anderem wissenschaftlichen Wissen, wird man auch bei mir (und bei euch :wink: )sehr viele Kritikpunkte sehen und sich sagen: "wie konnten die damals nur...." (kopfschüttel!)

Und zu Heidewolfs Statement. Ich denke, die katholische Kirche würde es heute so nicht mehr geben, wenn sie nicht so ist, wie sie ist. Am Bestehenden/Hergebrachten festhaltend = Konservativ. Über ~1800 Jahre einem Grundwert treu bleiben, sehe ich grundsätzlich als guten Wert an.
Und ja, gleich kommen die Einsprüche von euch ..... Progressiv sein, Entwicklungen erkennen und darauf reagieren, zeitgemäß sein, ist natürlich auch wichtig. Ich denke, das macht es so schwierig - die Waage halten .....
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