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Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 06.07.2017, 08:26
von Heidewolf
Lieber BElster.
Das Argument, die RKK würde es ohne ..... heute so nicht mehr geben, ist m.E. ein Scheinargument.

Denn viele, nicht nur aus meiner Sicht gesehenen, Fehlentwicklungen müssten korrigiert werden.
Da ist z. B. der Zölibat. Meiner Meinung nach ist er mit Ursache für viele sexuelle Übergriffe. Die dann irgendwann hochgekocht sind. In Klöstern, Priesterseminaren, innerkirchlichen Abläufen (Messdiener, Unterrichte usw). Also auch eine Brutstätte für Fehlentwicklungen. Gesteuert eben durch solche Organe, wie die Glaubenskongregation.
Auch das Sakrament der Ehe mit seiner Diskriminierung von Geschiedenen ist doch so ein Beispiel.
Die Ablehnung des Abendmahls mit anderen Konfessionschristen.
Ebenso auch das Papstamt.

Die Herleitung aus der Bibel hat oftmals höchst zweifelhaften Charakter.
Durchgesetzt mit der Drohung durch körperliche Strafen, durch Ausschluß und durch die Androhung von Fegefeuer und Hölle.
All diese Dinge gehören/gehörten zum Machtinstrument der RKK.
Wahrscheinlich wäre auch die Erde immer noch eine Scheibe, wenn nicht, ja wenn der Mut zu Veränderungen da ist und war.

Ein naher Verwandter, er war Messdiener, verabschiedete sich dann innerlich von der RKK, als das Vatikanische Konzil einige Veränderungen brachte, die vorher ganz fest geglaubt werden MUSSTEN. Der Unglaube wurde mit dem Fegefeuer bedroht.
Ein RKK-Religionsgelehrter berichtete mir z. B., dass der Zölibat im Mittelalter eigeführt wurde, um die Kirche von der Last zu befreien, für die Hinterbliebenen der Priester aufkommen zu müssen.

Ich denke, es ist einfach an der Zeit, Dinge abzuschütteln, die einzig aus Tradition entstanden sind. Und, das nicht nur in der RKK.

Und deswegen ist auch Geschichtsforschung so wichtig.

Ich empfehle, sich da ab und zu mal beim Netzwerk apostolische Geschichte schlau zu machen und das APWiki zu nutzen.

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 06.07.2017, 08:53
von Magdalena
Heidewolf hat geschrieben:Ach ja. Seltsam ist, dass ein Vertreter aus Deutschland durch einen Vertreter aus Spanien ersetzt wurde, also aus Ländern mit einer starken Vergangenheit bei der Inquisition.
Nur so by the way, lieber Heidewolf:

Papst Franziskus ist kein Spanier, sondern er ist Argentinier. Merkwürdig, dass das niemandem aufgefallen ist ...

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 06.07.2017, 09:04
von Bezirks-Elster
Ich kann alle deine Punkte unterschreiben, Heidewolf.

Unlängst ist ja der Wachhund Gottes gestorben. Ein Erzkonservativer.
Ich hab in meiner NAK-Zeit unter ebensolchen Betonköpfen gelitten. Fritz Schröder ist bekannt oder? Mein Vorsteher hat kurz nach der Jahrtausenwende noch gesagt: "Mein Ziel ist es, die Einflüsse, die aus dem Westen kommen (=NAK-alte Bundeskländer), so lange wie möglich aufzuhalten."
Und doch, kann ich, wenn ich die Nachrufe auf Meisner lessen, da viele gute Punkte abgewinnen. Das ist abstrus....

Meine Frage ist - auf die ich bisher noch keine ANtwort gefunden habe - hätte ich heute, 2 Jahrtausende nach Christus, den Zugang zum roten Faden des Evangeliums noch, wenn es nicht Institutionen gab, die sie bewahrt haben? Wenn alles sich alles alle 10...15 Jahre gewandelt hätte?

Ich denke, so wie es in der Geschichte gelaufen ist, ist es das Optimum. Starke, bewahrende Kräfte, hier ein Galileo, da ein Martin Luther, paar Jahre später die Aufklärung.....

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 06.07.2017, 09:09
von Bezirks-Elster
Magdalena, Heidewolf meint sicher Luis Ladaria, den neuen Boss der Glaubenskongregation, den Nachfolger Müllers....

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 06.07.2017, 12:43
von Heidewolf
Richtig, den meinte ich natürlich. Auch mit Blick auf den Ursprung der Glaubenskongretation durch die Inquisition.

Franziskus möchte ich da nicht 'angreifen'. Der bietet glücklicherweise einfach zu wenig 'Angriffsfläche'.

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 07.07.2017, 09:52
von Magdalena
Danke an Elsterchen für die Richtigstellung! Bitte um Verzeihung an Heidewolf, da war ich leider auf dem Holzweg ...

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 07.07.2017, 13:13
von Boris
Neben dem Zölibat ist auch die "Erfindung" der sogenannten Erbsünde ein recht mächtiges Instrument der Katholiken. Soll etwa im 4. Jahrhundert eingeführt worden sein. Die NAK fand es scheinbar ein brauchbares Instrument und hat den Quark übernommen.

LG Boris

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 07.07.2017, 13:26
von Boris
Religion, Kirche und Co. werden zu jeder Zeit Anhänger finden, da die Menschen ein Hilfs- und Schutzbedürfnis verspüren. Wer nicht hinterfragt (hinterfragen will), kann dort durchaus schnelle Antworten auf manche Fragen finden und Zukunftsangst verlieren.

Die RKK hat u. a. den Vorteil, dass sie schon manche ernstzunehmenden "Gegner" damals aus dem Weg geräumt haben, mit Feuer und Schwert große Landstriche christianisiert haben und dadurch Reichtümer angehäuft hat und viel Wissen in ihren "Bibliotheken" der Öffentlichkeit vorenthalten. Das die lange durchhalten, ist nicht verwunderlich.

LG Boris

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 07.02.2019, 22:37
von centaurea
"Missbrauch von Nonnen und Angehörigen geistlicher Gemeinschaften durch Priester - eine weitere Dimension des Missbrauchskandals der Kirche.
Dokumentiert von BR-Kameras gibt es eine Aussprache zwischen einer missbrauchten Ordensfrau und einem hochrangigen Kardinal."
Jetzt in der Mediathek von BR und ARD:
Eine Frau kämpft um Aufklärung

Ein für mich unheimlich offenes, unaufgeregtes und berührendes Gespräch zwischen dem Opfer Doris Wagner und Kardinal Christoph Schönborn.

Doris Wagner, die sich über das Opfersein erheben konnte.
Ein Kardinal, der nichts beschönigt.

Re: Unter den Teppich kehren

Verfasst: 18.02.2019, 22:00
von centaurea
Mutige Frauen der Katholischen Kirche begehren auf gegen geistigen und körperlichen Missbrauch und gehen an die Öffentlichkeit. Doris Wagner in einer weiteren Reportage. Und Jutta Lehnert, Pastoralreferentin spricht auch eindeutig und klar über Kirche: Echtes Leben, Verdrängt, vertuscht, verteufelt - Frauen gegen Missbrauch in ihrer Kirche.
Papst Franziskus berät sich vom 21. bis 24. Februar in Rom mit Bischöfen aus aller Welt über den Missbrauch in der katholischen Kirche. Zum ersten Mal findet eine Konferenz zu diesem Thema im Vatikan statt, die Erwartungen an sie sind hoch. Reden ist wichtig, aber wird das reichen?
"Nein!", sagt Jutta Lehnert, Pastoralreferentin in Koblenz, "es geht nur um Machterhalt, nicht wirklich um Aufklärung und Zuwendung." Ehrenamtlich betreut sie Missbrauchsopfer, "weil ja sonst niemand mit ihnen redet."
Die Theologin will eine Erneuerung von unten, weg von der patriarchalen Papstkirche hin zu einer Volkskirche, in der mehr Frauen das Sagen haben.
Auch Doris Reisinger hat Theologie studiert. Als Ordensfrau fühlte sie sich geistig entmündigt. Und sie wurde von einem Priester vergewaltigt. "Nein sagen ist innerhalb der Kirche sehr schwer, weil Priester auf einen Sockel gestellt werden." Nur öffentlicher Druck werde etwas ändern. Und den baut sie auf, schreibt Bücher, hält Vorträge, gibt Interviews.
"Echtes Leben" begleitet die zwei streitbaren Frauen bei ihrem Kampf für eine andere, bessere Kirche.


In dieser Reportage wird auch VOICES OF FAITH: WIR DÜRFEN NICHT LÄNGER SCHWEIGEN... erwähnt:
"Die katholische Kirche befindet sich in einer tiefen Krise. Eine neue Generation von Katholiken und Katholikinnen hinterfragt die kirchliche Hierarchie und ihre Reaktion auf eine sich verändernde Welt und deren aufkommende Probleme wie beispielsweise den Sexual- und Machtmissbrauch. Verschaffen Sie Ihrer Stimme Gehör - durch unsere globale Kampagne #overcomingsilence"

Die Aktion VOICES OF FAITH sammelt u.a. Klicks als Unterstützung für ihr Anliegen: "Meine Stimme hinzufügen".