Herzlichkeit

Erlebter Glaube
Nachricht
Autor
Lobo

Herzlichkeit

#1 Beitrag von Lobo » 26.04.2009, 13:47

...die Kinder dieser Welt sind herzlicher als die Kinder des Lichts...
(Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns)
Die Herzlichkeit und die Menschlichkeit außerhalb der Kirche Stehender, stellt Böll die Engherzigkeit der pharisäerhaften Insiderchristen gegenüber.
Ich meine, ein Aspekt, der an Bedeutung bis heute nichts eingebüßt hat.
Ich erlebe im Bereich der Kirche viel aufgesetztes Mitgefühl. Obwohl dieses Phänomen, im Zitat, auf Kirche begrenzt ist.
In anderen Bereichen, wie Arbeitsplatz, Verein etc., werden ähnliche Erfahrungen gemacht. Doch gerade unter Christen sollte ein anderes Verständnis dafür vorhanden sein, damit aus dem zitierten Satz von Böll, ein Schuh draus wird.

Anne
Beiträge: 687
Registriert: 07.02.2008, 13:09

#2 Beitrag von Anne » 26.04.2009, 14:49

Lobo, das trifft es meiner Erfahrung nach sehr...

Im Umfeld der NAK mache ich immer wieder die Erfahrung, dass Herzlichkeit, Mitgefühl usw. daran gebunden und davon abhängig gemacht werden, ob jemand "treu" (im Glauben) ist oder nicht. Oder ob er vielleicht zurückgewonnen werden kann. :roll:

Im Umfeld anderer Institutionen ist das sicher ähnlich, wenn auch unter "anderen Vorzeichen".

Wohltuend empfinde ich im Vergleich, wenn Menschen einfach auf die Umstände reagieren, die da sind und das zwanglos und unverkrampft. Das geschieht einfach zwischen Menschen (bzw. kann geschehen): dass man sich mitfreut, wenn es was zum Freuen gibt, dass man mitfühlt, wenn Sorgen da sind. Einfach so. Weil das Leben sich eben zwischen uns abspielt. Oder so. :wink:

Im Umfeld der Ev. Kirche stelle ich fest, dass es einfacher ist, in dieser Weise unverkrampft miteinander umzugehen. Der Gemeinschaftsdruck ist da bedeutend geringer.

Aber was davon jetzt ein "Schuh" ist, weiß ich auch nicht. :wink:
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne
(aus "Stufen", H. Hesse)

Lobo

#3 Beitrag von Lobo » 26.04.2009, 16:37

Anne hat geschrieben:...Aber was davon jetzt ein "Schuh" ist, weiß ich auch nicht...
Anne, die Herzlichkeit, damit die Kinder des Lichts "normal" in Großherzlichkeit ihren Lebensweg gehen können.

Gruß
Lobo

Anne
Beiträge: 687
Registriert: 07.02.2008, 13:09

#4 Beitrag von Anne » 26.04.2009, 20:48

Lobo hat geschrieben:Anne, die Herzlichkeit, damit die Kinder des Lichts "normal" in Großherzlichkeit ihren Lebensweg gehen können.
"Normale Großherzlichkeit".

Error.

Ohne Superlativen könnte ein Schuh draus werden. :wink:
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne
(aus "Stufen", H. Hesse)

Maximin

#5 Beitrag von Maximin » 27.04.2009, 05:59

:) Das Fußwaschen heißt, dass einer sich des anderen herzlich annehme, ihn nicht verachte, ihm die Hand reiche, ihn freundlich unterweise und ihm helfe, dass er es besser machen kann. (Dr. Martin Luther)

Maximin

AUFRICHTIGE HERZLICHKEIT...

#6 Beitrag von Maximin » 27.04.2009, 06:21

Lobo zitierte am 26.04.09: ...die Kinder dieser Welt sind herzlicher als die Kinder des Lichts... (Heinrich Böll, Ansichten eines Clowns)

Ich weiß nicht, ob und wie Böll die Kinder dieser Welt von den Kindern des Lichtes unterscheiden kann. Ich kann und will es jedenfalls pauschal nicht. Warum? Weil ich mich von dem unsäglichen Schwarzweißdenken verabschiedet habe.

Als Christ orientiere ich mich u. a. an dem hl. Apostel Paulus der folgende Empfehlung aufgeschrieben hat:

„9 Die Liebe sei ohne Falsch. Hasst das Böse, hängt dem Guten an. 10 Die brüderliche Liebe untereinander sei herzlich. Einer komme dem andern mit Ehrerbietung zuvor. 11 Seid nicht träge in dem, was ihr tun sollt. Seid brennend im Geist. Dient dem Herrn. 12 Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet. 13 Nehmt euch der Nöte der Heiligen an. Übt Gastfreundschaft. 14 Segnet, die euch verfolgen; segnet, und flucht nicht. 15 Freut euch mit den Fröhlichen und weint mit den Weinenden. 16 Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch herunter zu den geringen. Haltet euch nicht selbst für klug. 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann. 18 Ist's möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.“ (Römer 12, 9-18 )

Förhliche Morengrüsse vom Micha :wink:

Tom aus Franken

#7 Beitrag von Tom aus Franken » 27.04.2009, 06:33

eine gewisse "Herzlichkeit" ist erlebbar, solange man sich im abgesteckten Rahmen bewegt. Geht's aber wider der Natur, dann lässt auch die Herzlichkeit spürbar nach. Es wird zwar immer wieder dagegen gewirkt, aber der Christ als Mensch ist sehr oft unberechenbar; egal in welcher Funktion.

Lobo

#8 Beitrag von Lobo » 27.04.2009, 11:18

Anne hat geschrieben:...Ohne Superlativen könnte ein Schuh draus werden...
Großherzlichkeit; gemeint habe ich den Begriff im Sinne von,
- nicht kleinlich sein,
- weites Herz haben,
- Verschiedenartigkeit zulassen...

Der Redemptorist und Moraltheologe Berhard Häring hat die Großherzigkeit in einem seiner Bücher gut beschrieben.

Lobo

Re: AUFRICHTIGE HERZLICHKEIT...

#9 Beitrag von Lobo » 27.04.2009, 11:33

Maximin hat geschrieben:...Ich weiß nicht, ob und wie Böll die Kinder dieser Welt von den Kindern des Lichtes unterscheiden kann...
Hallo Maximin,
diese Frage könnte auch nur Böll beantworten. Aber aus dem Kontext seines Buches erschließt sich das genannte Zitat. Und, die in Prosa gefasste Erkenntnis lässt sich wiederum auch nicht leugnen. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Bölls Verhältnis zur katholischen Kirche nicht so prickelnd war.

Gruß
Lobo

abendstern_
Beiträge: 673
Registriert: 25.11.2007, 13:44

#10 Beitrag von abendstern_ » 27.04.2009, 12:00

Von Nietzsche gibt es einen ähnlichen Spruch, sinngemäß

"Die Christen müssten mir erlöster aussehen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte".

Ich bin der Meinung, dass die Christen im Umgang mit den Mitmenschen nichts aber auch gar nichts den Nichtchristen voraus haben. Wenn ein Mensch einem anderen etwas voraus hat, sei es Freundlichkeit, Wahrhaftigkeit, Nächstenliebe, Herzlichkeit, so liegt das am einzelnen Menschen, der sich bewusst dafür entschieden hat. Und das kann ein Nicht-Christ genau so wie ein Christ.

Ich wage zu bezweifeln, dass ein Mensch aufgrund des "Bepredigtwerdens" sich überhaupt positiv ändern kann. Dazu gehört viel Selbstreflektion und die Arbeit an sich selbst ein Leben lang und die lernt man im Gottesdienst eher nicht.

Gesperrt

Zurück zu „Glaubenserfahrungen“