Was ist das Leben wirklich?

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Lebensmut27
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Was ist das Leben wirklich?

#1 Beitrag von Lebensmut27 » 15.06.2018, 11:04

Hallo !

Was ist das Leben wirklich?
Diese Frage stelle ich mir zur Zeit.
Diese Frage lässt offen, als was man das Leben zu betrachten hat?

Ist das Leben vielleicht nur eine riesige Kirche bei der die menschen ihren persönlichen Gottesdienst leben und gestalten. Hat das leben vielleicht nur den charakter von Schuld und Sühne verliehen bekommen um nicht auf andere Gedanken zu kommen?

Wenn das Leben ein riesiger Gottesdienst wäre den die menschen gemeinsam in der Zivilisation mensch feiern sollten und nicht sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe zu schieben weil jeder was anders glaubt. Meine Ansicht dazu ist dass man jegliche Schuldmanuskripte abbauen sollte und dem Schuldigen verzeihen sollte.

Die menschen sehe ich gefangen in einem menschlichen Knast aus Schuld und Angstzuweisungen. Geht das nicht auch anders oder muss man sich als Schuldigen behandeln?

Gruss
Lebensmut27

Ps. Das ist nur meine pers. Ansicht dazu. ;)

Boris
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Re: Was ist das Leben wirklich?

#2 Beitrag von Boris » 17.06.2018, 16:25

Diese Frage wird dir jeder anders beantworten.
Auch die Schuldfrage wird immer von der Sichtweise abhängen.

Ich habe mich bequemerweise jahrzehntelang darauf verlassen, dass es für mich Lehrer gibt, die mir die wichtigen Lebensfragen beantworten. Diese Lehrer hatten fast alle vergessen, dass die Antwort auf diese Frage jeder für sich herausfinden muss. Daher waren diese Lehrverhältnisse irgendwann wertlos geworden.

Ich würde die Frage umformulieren:
"Was ist mein Leben wirklich?"

Darauf finde ich einige Antworten.
Was dein Leben wirklich ist, kann dir kein Mensch verraten, auch wenn es manche Oberschlaue gern machen möchten.

Wahrheit und Schuld liegen im Auge des Betrachters. Deshalb kann man sich Meinungen einholen. Ob man sich ihnen unterwirft, wäre zu prüfen,

findet Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

Epheser
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Re: Was ist das Leben wirklich?

#3 Beitrag von Epheser » 15.07.2018, 18:27

Hallo, Lebensmut27,

selbst Naturwissenschaftler und Philosophen tun sich schwer, diese Frage zu beantworten.
Aber so, wie du dir die Frage selbst zu beantworten suchst, denkst du dabei wahrscheinlich eher an die Betrachtung aus biblischer Sicht.

Boris meint: "Diese Frage wird dir jeder anders beantworten. Auch die Schuldfrage wird immer von der Sichtweise abhängen."

Ja, das ist leider heute so, dass jeder sich diese Frage selbst beantworten will. Deshalb gibt es auch so viele unterschiedliche Meinungen darüber, was lebenswertes, sinnvolles, gelingendes Leben ist und was nicht.

Aber sollten wir, wenn wir wissen wollen, was Leben ist, nicht denjenigen fragen, der das Leben gegeben hat?
"Denn bei dir ist die Quelle des Lebens, und in deinem Lichte sehen wir das Licht."   (Psalm 36,10)

Wenn ein Erfinder oder ein Konstrukteur eine Maschine erfunden/gebaut hat, wird er dazu auch eine Bedienungsanleitung bereitstellen.
Die Bedienungsanleitung für gelingendes, funktionierendes - oder eben auch nicht funktionierendes - Leben ist die Bibel. Dort kann man reinschauen, wenn man wissen will, wie der Mensch bzw. das Leben "funktioniert". Gott sagt darin ganz genau, was man tun sollte, damit man im Leben glücklich und zufrieden ist, damit man in stabilen und funktionierenden Beziehungen leben kann, damit man frei wird von Ängsten und Schuld(-gefühlen), damit man selbst in (rein menschlich gesehen) ausweglosen Situationen Hoffnung hat, damit man in Trauer, Leid und Verlust Trost bekommt, damit man Freude am Leben hat .......
Aber er sagt durch ziemlich viele Negativbeispiele in der Bibel auch ganz genau, was passiert, wenn man das alles ignoriert.

Diese Freiheit hat jeder Mensch: zu entscheiden, ob er mit oder ohne Gott leben will. Gott zwingt niemanden zu irgendetwas. Aber egal, wie wir uns entscheiden: wir müssen mit den Konsequenzen leben.
Da die meisten Menschen sich nicht für Gott bzw. für das interessieren, was er sagt, empfiehlt und tut, ist die Welt bzw. die Menschheit heute eben das, was sie ist: "gefangen in einem menschlichen Knast aus Schuld und Angstzuweisungen", wie du so schön beschreibst.
Ja, dieser "Knast" ist "menschlich", denn Gott bietet in Jesus Christus einen Ausweg aus diesem "Knast" an. Er will nicht, dass die Menschen an ihrer Schuld, an ihrem Scheitern, an ihren Sünden, Einschränkungen, Mißerfolgen und Niederlagen kaputt gehen.

Die Allgemeinheit fragt heute nicht mehr nach Gott. 
Man will das Leben möglichst angenehm hinter sich bringen und redet von "persönlicher Freiheit" und "Selbstverwirklichung". Dabei ist man nicht wirklich frei, sondern wird eigentlich nur getrieben, versklavt und fremdbestimmt von seinen Begierden, Süchten, Sehnsüchten, Träumen, Trieben und Wünschen. Und die Erfüllung möglichst vieler dieser Dinge muss man dann in sein kurzes Menschleben packen.
Ist das Leben?

Jeder Mensch wird sich früher oder später - vielleicht nicht offenkundig, aber zumindest im Stillen - einmal die Fragen stellen:
Wo komme ich her?
Wozu bin ich hier bzw. was ist der Sinn meines Lebens?
Wo gehe ich hin?
Und viele dieser Menschen scheitern an diesen Fragen, weil sie keine Antworten darauf finden.

Ja, natürlich könnte man Arbeit, Liebe, Genuss, Fortpflanzung und ähnliche Dinge als Lebenssinn ansehen. Was ist aber, wenn es diese Dinge in einem Leben nicht (mehr) gibt? Wenn man geistlich oder/und körperlich behindert ist? Wenn man alt und gebrechlich ist? Wenn man eben diese(n) geliebten Menschen verliert? 
Spätestens der Tod ist der alles fressende Sinnkiller.

Der Lebenshunger des Menschen kann durch keinen noch so exklusiven irdischen Genuss gestillt werden. Jeder erfüllte Wunsch bringt neue Wünsche mit sich. Eine Zufriedenheit stellt sich, wenn überhaupt, nur kurzfristig ein.

Ein (sinn-)erfülltes Leben unabhängig von allen Lebensumständen kann nur Gott schenken. In seinem Sohn Jesus Christus ist dieses Leben einzig und allein zu haben: 
"Ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und volle Genüge."   (Johannes 10,10)
Wer Jesus findet, findet das Leben (Sprüche 8,35).
Wer Christus im Glauben annimmt, "der hat das ewige Leben ... , er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen."   (Johannes 5,24, Johannes 3,36). Dieses in Christus selbst personifizierte Leben (Johannes 14,6) ist unvergänglich und kann auch durch den biologischen Tod nicht beendet werden!
"Die Kirche ist die einzige Organisation, die für diejenigen existiert, die nicht ihre Mitglieder sind."
William Temple (Erzbischof von Canterbury von 1942-1944)

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Re: Was ist das Leben wirklich?

#4 Beitrag von centaurea » 20.07.2018, 23:05

Was ist das Leben ...?
Vielen Dank für diese Frage.

Die für mich platte und plumpe Antwort von Epheser, hat mich angeregt etwas zu recherchieren.

Zunächst bin ich auf eine Seite mit einem, wie ich finde interessanten Ansatz gestoßen: Dialog Theologie & Naturwissenschaften der Ev. Akademie im Rheinland.

Chefredakteur Dr. Andreas Losch hat dort im März diesen Jahres einen Leitartartikel "Was ist Leben, interdisziplinär betrachtet?" publiziert.
... Aus heutiger Sicht ist der Schlüssel zum Leben wissenschaftlich betrachtet wahrscheinlich die besondere Art der Beziehung, in die sich die physikalisch-chemischen Bestandteile im Laufe der Evolution historisch angeordnet haben. Diese Beziehung kann durch ihre selbsttragende Struktur, im Stoffwechsel zum Ausdruck kommende Offenheit und natürlich die Fähigkeit zur (leicht mutierenden) Replikation charakterisiert werden kann. Die Replikationsfähigkeit führt angesichts der stets begrenzten Umweltressourcen zur natürlichen Selektion, in der sich die an die jeweilige Umwelt besser angepassten Mutationen durchsetzen. ...
... man über die Antwort „Leben ist nur Physik und Chemie“ hinausgehen muss, und es eben die besondere Art der Beziehung der Bestandteile ist, die Leben ausmacht.
Was ist Leben?
Eine besondere Art der Beziehung zwischen Materie. Eine belebte Beziehung zwischen Materie.

Und:
... Für Darwin ... ist die Komplexität des Lebens gerade nicht Beispiel einer intelligenten Gestaltung...
Und in diesem Artikel habe ich auch eine Erwiderung auf Epheser's Ausführung gefunden:
... Theologen sind sich bewusst, dass auch die Bibel aus dem Kontext ihrer Zeit zu lesen ist, und dies gerade wenn man zu ihren zentralen Dimensionen vorstoßen und ihren Kern bewahren will. Wer die Bibel „wörtlich“ verstehen will, versteht sie damit aus seinem unreflektierten Kontext der heutigen Zeit und missversteht sie vielleicht gründlich. ...
Was ist Leben?
... Als Theologe glaube ich, dass es eine zusätzliche Beziehung zur Transzendenz ist, die Leben zum Leben macht (Jackelén). ...
Die transzendente Komponente ist in den belebten Beziehungen zwischen Materie immanent und macht das Leben aus.

Aber:
... Wenn ich mich ... an Gott selbst festmache und keine Naturbeweise benötige, also die Elementarunterscheidung von Transzendenz und Immanenz verinnerliche, dann kann ich auch den Naturwissenschaften einschließlich der Biologie zugestehen, auch ohne die Gotteserklärung (in welcher Ausdruckform auch immer) auszukommen. ...
Versuch über die Grundfrage "Was ist das Leben Wirklich?" hinaus: Welchen Sinn hat das Leben?
Vielleicht hat das Leben keinen Sinn. Vielleicht ist das Leben vielmehr der Sinn.
Und wenn Gott in dieser belebten Beziehung auch noch immanent ist, dann umso mehr.

Was mir beim Lesen noch so in den Sinn gekommen oder wichtig geworden ist:
- Leben ist ein offenes System
- Individuum und Gesellschaft
- Population, Entwicklung, Ressourcen und Selektion.

Nein, fertige Antworten habe ich nicht.
Und dass der Satz "Das Leben ist der Sinn." aus dem Mund eines Christen für andere Christen schwer verdaulich sein muss, ist mir bewusst.
Im Moment jedenfalls habe ich keine anderen Worte für das, was mich zu dieser Frage bewegt gefunden.


LG
Centaurea

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