ÄRGER IM KARTON...!

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Maximin
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ÄRGER IM KARTON...!

#1 Beitrag von Maximin » 11.02.2009, 12:47

Betrachtungen über Matthäus 5, 27-29 (Luther 1912)

Bei der Betrachtung dieses Jesuswortes erinnere ich mich an ein Lied aus dem alten NAK-Gesangbuch, Nr. 296: „So halte fest denn, was du hast, halt aus in Treu und Glauben...“.

Unser Betrachtungstext lautet:

„Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: <Du sollst nicht ehebrechen:> Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf es von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.“ (s.a. Kapitel 18,8.9; Markus 9,43.47; Kolosser 3,5).

Na toll! Unser lieber und scheinbar so harmloser Heiland ruft zur Selbstverstümmelung auf. Unglaublich! Und doch steht dieser Satz genau so in seiner Bergpredigt. Betrachten wir also die wesentlichen Aussagen dieses skandalösen Satzes in drei Teilen.

1. Ärger im Karton.
2. Loslassen oder was?
3. Ab in die Hölle oder lieber nicht?


1. Ärger im Karton.
Natürlich sind wir alle mal so richtig sauer. Ärger übermannt jeden. Sie etwa nicht? „Ich hatte es doch so gut gemeint und dann diese ungerechte und lieblose Zurückweisung. Gemeinheit!“ Ärger im Karton! Dabei muss es sich ja nicht gleich um gescheiterte zwischenmenschliche Beziehungen handeln. Eine verspätete Ankunft, eine unverschuldet verpasste Zugverbindung reichen doch schon aus, um so richtig in Rage zu geraten und sich grün und blau zu ärgern.

Der Herr Jesus aber sagt: „Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde“. Was meint der Herr Jesus genau, wenn er von meinem rechten Auge spricht das mich ärgert? Vielleicht meine Sehensweise? Was meint ER, wenn ER mir rät, das Ärgernis auszureißen, es weit von mir wegzuwerfen? Meint ER wirklich mein rechtes Auge? Und was meint der Herr Jesus wenn ER empfiehlt, „Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde.“

Also ich glaube nicht, dass dieser Jesus von Nazareth zu massenhaften Selbstverstümmelungen aufgerufen hat. Der hat doch stets den ganzen „Karton,“ den ganzen Menschen im Auge gehabt.

2. Loslassen aber was?
Sehen Sie, das schöne alte Lied „So halte fest denn, was du hast, halt aus in Treu und Glauben...“, könnte geeignet sein, uns unbeabsichtigt auf eine falsche Fährte zu führen. Warum? Na weil wir in manchen Kirchenbetrieben, hier mehr, dort weniger, darauf geeicht werden, uns selbst aufzugeben, dem Herrn Jesus möglichst ähnlich zu werden. Das kann aber in einen scheinbar aussichtslosen Glaubenskampf münden: Schaffe ich das, daraus als siegreicher Überwinder hervorzugehen und meine Unzulänglichkeiten aus eigener Kraft auszumerzen?

Ich glaube das nicht mehr. Was ich hingegen glaube ist, dass mich meine frühere Kirche mit ihren „Hochleistungschristentums- Zuchtversuchen“ schlicht und ergreifend überfordert hat. Übrigens ich mich selber lange auch.

Bleibt dabei die sehr ernsthafte Frage unbeantwortet: „Loslassen aber was?“ Genauer und an unserem Betrachtungstext orientiert: „Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir.“

An dieser Stelle kommen wir nun bei unserer weiteren Betrachtung nicht daran vorbei, zu besehen, in welchem Zusammenhang der Herr Jesus unser Textwort gesagt hat. Es steht im Zusammenhang mit massiven Eheproblemen und lautet insgesamt nach Matthäus 5, 27 ff. so:

(27) Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt ist: "Du sollst nicht ehebrechen. (28 ) Ich aber sage euch: Wer ein Weib ansieht, ihrer zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. (29) Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. (30) Ärgert dich deine rechte Hand, so haue sie ab und wirf sie von dir. Es ist dir besser, dass eins deiner Glieder verderbe, und nicht der ganze Leib in die Hölle geworfen werde. (31) Es ist auch gesagt: <Wer sich von seinem Weibe scheidet, der soll ihr geben einen Scheidebrief.> Ich aber sage euch: Wer sich von seinem Weibe scheidet (es sei denn um Ehebruch), der macht, dass sie die Ehe bricht; und wer eine Abgeschiedene freit, der bricht die Ehe." (s. a. Luk 16,18 ; 1.Kor 7,10.11).

Hallo: Hier geht es lediglich um massive Eheprobleme und um nichts anderes...!

3. Ab in die Hölle oder lieber nicht?
Sehen Sie, so ein alter Seelsorger wie ich, dem ist inzwischen nichts menschliches mehr fremd. Menschen sind wie Menschen seit Adam und Eva eben sind. Vor allen Dingen neugierig, leichtfertig, leichtgläubig, streitbar und unversöhnlich.

Ich habe erlebt, dass die Menge der Leute mehr die Hölle als den Verlust der Himmel fürchtet. Höllenvorstellungen machen dem einen und der anderen Angst. Was aber ist von den Ahnungen über einen Himmel übriggeblieben? Ein beständiges und friedliches Zusammenleben mit IHM...?

Sind wir nicht eher bereit die Hölle auf Erden auszuhalten? Etwa als geschundene Kinder, als gepeinigter Ehepartner, als missachtete, geknechtete, ausgebeutete und ungerecht behandelte Menschen, oder vielleicht auch als verführte und betrogene Gläubige - von wem auch immer?

Ja, ich glaube, dass es eine Hölle gibt. Einen Ort, an den (angeblich) selbst Gott nicht mehr hinsieht und hinhört. Das wäre dann in meiner Vorstellung ewige Verdammnis. Hölle! Ich glaube aber auch, dass der Gott Abrahams, Issaks und Jakobs, der Vater unseres Herrn und Heilandes, Jesus Christus, nicht will, dass auch nur ein einziger Mensch in dieser unvorstellbaren Hölle landen soll.

Frage: Warum basteln wir uns eigentlich unsere eigenen Höllen sehenden Auges und bei klarem Verstand schon jetzt, ohne die, wie es der Herr Jesus sagte: „Ärgert dich aber dein rechtes Auge, so reiß es aus und wirf's von dir“..., aus uns herauszureißen?

Wohlgemerkt, es geht mir nicht um solche :arrow: Höllenvorstellungen, wie sie beispielweise Hyronimus Bosch gemalt hat. Ne, ne – unsere Höllen sind viel realistischer, allemal durchaus lebensnäher als man sich das im finsteren Mittelalter ausgemalt hat. Ärgern sie uns? Na dann reißen wir sie doch einfach raus. Geht nicht gibt’s nicht!

Gibt´s doch? Was denn? Der gepeinigte Hiob sagt es nicht nur schön, sondern mit großer Gewissheit so:

„19 Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt. 20 Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon. 21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen! 22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch? 23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift, 24 mit einem eisernen Griffel in Blei geschrieben, zu ewigem Gedächtnis in einen Fels gehauen! 25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben. 26 Und ist meine Haut noch so zerschlagen und mein Fleisch dahingeschwunden, so werde ich doch Gott sehen.“ (Hiob 19, 19-26)

Michael Steinbach
Zuletzt geändert von Maximin am 28.12.2009, 18:05, insgesamt 1-mal geändert.
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube.

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Re: ÄRGER IM KARTON...!

#2 Beitrag von Lobo » 11.02.2009, 15:37

Maximin hat geschrieben:...Sind wir nicht eher bereit die Hölle auf Erden auszuhalten? Etwa als geschundene Kinder, als gepeinigter Ehepartner, als missachtete, geknechtete, ausgebeutete und ungerecht behandelte Menschen, oder vielleicht auch als verführte und betrogene Gläubige - von wem auch immer...

Es heißt:
Ein gebrochenes Versprechen
ist ein gesprochenes Verbrechen

Aber kann nicht
ein ungebrochenes Versprechen
ein ungesprochenes Verbrechen sein?

(Erich Fried)
[color=black][size=75]Indonesisches Wort für Hoffnung: durch den Horizont blicken.[/size][/color]

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#3 Beitrag von Maximin » 11.02.2009, 17:08

:wink:
Der kleine Glaube hat denselben starken Heiland wie der große Glaube.

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