Hitchcock, Thriller und Erfolg

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GCII

Hitchcock, Thriller und Erfolg

#1 Beitrag von GCII » 11.07.2014, 08:12

Vor Jahren in eine Situation bei Schulkameraden gekommen als ich sie besuchte, um berufliches zu besprechen. Er war schon lange mit seiner Freundin zusammen. Ich hatte von den Eltern Geld mitbekommen um ins Kino zu gehen. Als ich ins Kino wollte ließ das Paar mich nicht ins Kino. Ich musste durch das Kellerfenster ins Freie klettern und floh Nachts nach Hause. Aus beruflichen Gründen befand sich der Schulkamerad jahrelang oft in meiner Nähe. Sie lebt verheiratet mit einem Gärtner. Ich bin immer noch Junggeselle. Verbinden einen berufliche Beziehungen so stark, dass man extreme und persönliche Eigenarten akzeptieren muss?

Boris
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Re: Hitchcock, Thriller und Erfolg

#2 Beitrag von Boris » 11.07.2014, 09:59

GCII hat geschrieben: Verbinden einen berufliche Beziehungen so stark, dass man extreme und persönliche Eigenarten akzeptieren muss?
Diese Frage kann man von verschiedenen Seiten betrachten und ist somit schwer von einer Person zu beantworten. Letztendlich ist es die Frage, wie viel kann man ertragen.
Das erste Problem ist die wirtschaftliche Abhängigkeit. Wer will schon seinen Job aufgeben, den er evtl. viele Jahre macht. Ich muss mich ernähren! Und so schnell findet sich (abhängig u. a. vom Alter ) oft kein neuer Job, der meinen Erwartungen entspricht. Außerdem ist es oft schwer anderen Menschen meine Bedrängnis zu erklären und ihnen klar zu machen, dass ich deshalb meinen Job kündigen werde (Abhängigkeit vom allgemeinen Meinungsbild). Viele werden sagen: Du wirst doch deinen Job nicht wegen... hinschmeißen u. ä.

Alles Betrachtungsweisen, die mich von der evtl. nötigen Konsequenz abhalten.
Das kann dann laufen wie bei mir:
Starke Ermüdungserscheinungen, Kraftlosigkeit, Kopf- Nacken- Brust- und Herzschmerzen, Atemnot uvm. Dann geht nichts mehr.

Einfacher Grund: Ich hatte die körperlichen Symptome nicht mit der Psyche in Verbindung gebracht. Bis der Körper nicht mehr mitgespielt hat. Totalausfall. Zudem kommt, dass mit den Worten Burnout und Depression in der Gesellschaft nach wie vor falsch umgegangen wird. Und das wird sich auch nicht wesentlich ändern.

Es ist fast unmöglich, ohne Kenntnisse, einzuschätzen, wann belastet mich eine Situation so stark, dass ich Konsequenzen ziehen muss. Und wenn: Welche Konsequenz.
Es ist aber erlernbar.

Wie bei anderen schwierigen Themen oder Krankheiten auch hier der Rat: Holen Sie sich Hilfe. Und wenn Sie sich dazu überwinden müssen, tun Sie es einfach. Sie sind nicht geisteskrank o. ä., nur weil Sie einen Menschen mit Fachkenntnissen aufsuchen. Dumm wäre es, sich keine Hilfe zu holen. Also auf zum Hausarzt und Überweisung holen. Wenn Sie dem Hausarzt Befindlichkeiten erklären, die er auch nicht dauerhaft lösen kann, sollte er eventuell von selbst darauf kommen. Wenn nicht, sprechen Sie ihn darauf an.

Ich bin jetzt vom schlimmen Fall ausgegangen.

Antwort auf die anfängliche Frage:
Ich muss es akzeptieren, wenn ich den Job behalten will (oder ich kann mit dem Chef über eine Umsetzung verhandeln).
Ich muss es nicht akzeptieren, wenn es mir Schaden zufügt.
Wenn ich die Situation allein nicht richtig einschätzen kann, hole ich mir Hilfe.

LG Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

GCII

Re: Hitchcock, Thriller und Erfolg

#3 Beitrag von GCII » 16.07.2014, 16:49

Die vor Jahren erlebte Situation im Keller löste ein irrationales Gefühl durch die eigene "Reaktion des Fliehens" aus, die Angst mit Menschen falsch umzugehen, eine ähnliche Situation erlebte noch keiner.

Ich konnte mich selbst befreien. Ich wurde mir irgendwann der Situation bewusst. Ich bin dabei etwas zu verändern. Aber hätte ich in dieser Situation auf Menschen anstatt auf Enten geschossen um mich zu befreien? Befinden sich diese Menschen immer noch bei mir und werde ich sie irgend wann los? Machen mir andere den Blödsinn nach? In der Situation hatte ich keine Hilfe und es war nicht möglich Hilfe zu erreichen. Der Schaden war gering, wurde aber immer größer durch die Abhängigkeit zueinander und meist gab es keine Alternativen.

Normalerweise gehe ich doch durch die Tür!

Boris
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Re: Hitchcock, Thriller und Erfolg

#4 Beitrag von Boris » 17.07.2014, 09:08

GCII hat geschrieben:Die vor Jahren erlebte Situation im Keller löste ein irrationales Gefühl durch die eigene "Reaktion des Fliehens" aus, die Angst mit Menschen falsch umzugehen, eine ähnliche Situation erlebte noch keiner.

Ich konnte mich selbst befreien. Ich wurde mir irgendwann der Situation bewusst. Ich bin dabei etwas zu verändern. Aber hätte ich in dieser Situation auf Menschen anstatt auf Enten geschossen um mich zu befreien? Befinden sich diese Menschen immer noch bei mir und werde ich sie irgend wann los? Machen mir andere den Blödsinn nach? In der Situation hatte ich keine Hilfe und es war nicht möglich Hilfe zu erreichen. Der Schaden war gering, wurde aber immer größer durch die Abhängigkeit zueinander und meist gab es keine Alternativen.

Normalerweise gehe ich doch durch die Tür!
Ich habe lediglich gewisse Erfahrungen und professionelle Hilfe bekommen. Bin aber selbst kein Fachmann. So sind meine geschriebenen Worte bitte mit Vorsicht zu genießen.

Angst ist ein völlig normales Gefühl. Es ist sogar notwendig. Es warnt uns vor Gefahren. Allerdings ist dieses Gefühl bei jedem unterschiedlich stark ausgeprägt. Oft versuchen uns Mitmenschen das Gefühl als schlecht abzutun, als Schwäche auszulegen. Immer ist der Hintergrund: "Du bist schlechter. Ich bin besser. Ich habe keine Angst."

Das ist natürlich Quatsch. Wir alle haben tagtäglich unzählige Momente, in denen wir Angst verspüren (sollten). Und das ist gut so. Diese Angst warnt uns vor eventuellen Gefahren.

Die Reaktion des Fliehens ist aus meiner Sicht logisch und normal gewesen.

Da Ihnen diese Menschen Schaden antun wollten oder getan haben, hatten Sie folgerichtig Angst und sind körperlich aus dieser Situation geflohen. Psychisch setzen Sie sich unter Druck, indem Sie sich scheinbar von diesen Menschen abhängig machen (arbeitsplatzmäßig, oder wie auch immer) und nicht aus dieser Situation fliehen. Ihre Gefühlswelt hat gut funktioniert. Sie hat Ihnen mit der Angst ein Signal gegeben, sich aus der Gefahrensituation zu entfernen. Nun handeln Sie scheinbar über einen längeren Zeitraum gegen Ihr Gefühl/Empfinden. Damit trainieren sie ein gesundes Gefühl ab. Was denken Sie, soll werden, wenn eine funktionierende Gefühlswelt umtrainiert wird?

Wenn wir gelobt werden produziert unser Körper Glückshormone. Wenn wir getadelt werden produziert er andere Hormone. Es handelt sich nicht einfach nur um "Befindlichkeiten" als solche schlechthin. Unser Körper reagiert auf diese Befindlichkeiten mit der Produktion entsprechender Hormone. Oder er stellt die Produktion von Hormonen ein, so das mit Medikamenten geholfen werden muss. Der Körper reagiert mit Muskelreaktionen, Veränderung des Blutdrucks etc. etc. Dann kommen die vielen oberschlauen Sprüche von Leuten mit null Ahnung, wie: Die pumpen dich mit Antidepressiva zu. Die wollen dich bloß ruhig stellen etc. Du bist doch nicht blöd!" Oder: "Du bist doch erwachsen". Diese, gut gemeinten, schlechten Ratschläge halten uns davon ab uns Hilfe zu suchen.
Zudem ist es wichtig, einen Helfenden/eine Helfende zu finden, der/die zu mir passt um den Erfolg wahrscheinlicher zu machen.

Bei der Suche nach Alternativen, die Sie vielleicht bislang auch nicht als solche gesehen haben, wünsche ich Ihnen viel Erfolg.

LG Boris
Wenn ich mich selbst wirklich kenne, kenne ich auch meine Mitmenschen. Wenn ich mich selbst liebe, kann ich auch andere lieben.

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