Protestantischer Stammtisch

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evah pirazzi
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Re: Protestantischer Stammtisch

#21 Beitrag von evah pirazzi » 22.08.2012, 23:53

Cemper hat geschrieben:(Übrigens: Für die Wortschöpfung "Glaubensvögel" beanspruche ich das Urheberrecht.)
Das bleibt Ihnen unbenommen(!) – selten so amüsiert, Herr Cempword-Creator! Da jeder schöpferischen Leistung auch ein göttlicher Funke innewohnt, spendiere ich in diesem Fall eine Flasche Alde Gott!

Schgall!! Bild

Gerne hätte ich Ihre Meinung gewusst zu dem Phänomen, wie unterschiedlich "Zensur" bewertet wird. Auf der einen Seite aktuelle Entwicklungen in Birma, wo man nach langjähriger Militärherrschaft sich unter großen Anstrengungen langsam demokratischen Prozessen öffnet und die partielle Vertreibung der Zensur feiert und bejubelt. Auf der anderen Seite das gegensätzliche, mir unerklärliche Phänomen, die von einigen wenigen fast ebenso bejubelte Einführung einer Zensur und zwar innerhalb gewisser Nischen eines Staates, in dem eine jahrzehntelange demokratische Grundordnung vorliegt. Ich beobachte das und verstehe es nicht. Insofern würde ich gerne rückblickend Ihr Angebot – sozusagen vom Ende her betrachtet – annehmen und wäre gerne Ihre Schülerin in "sozialgemeiner Politikbildung" gewesen. Vielleicht erschlösse sich mir dann, warum es immer Tendenzen weg vom vorherrschenden System gibt. Und eventuell hätte ich mich auch meiner politischen Bildungsferne etwas angenähert – zumal, wenn Sie ein paar der langweiligen Politvokabeln mit einigen Wortschöpfungen etwas Leben eingeflößt hätten. Bild

Ihr Vorsteher in einer neuap. Kirchengemeinde wäre ich freilich nicht so gern. Aber was nicht ist, kann ja noch werden ...
…was nicht ist, kann ja noch werden? Sie könnten sich vorstellen – zwar nur sehr ungern – "mein" Gemeindevorsteher in meiner Kirchengemeinde zu werden? Eine sehr erheiternde Vorstellung (!) – aber – und darauf gebe ich im Vorfeld mein Ehrenwort - ich würde Ihnen das Leben nicht schwer machen, Sie höchstens ab und zu mal ein ganz klein bisschen piesacken, damit Sie die Bodenhaftung nicht verlören.

Bild
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
(Bap Klingler - Neujahrsgd 2009)[/size][/i]

Cemper

Re: Protestantischer Stammtisch

#22 Beitrag von Cemper » 23.08.2012, 20:46

Ihre Fragen zur Politik und Zensur kann ich nicht beantworten. Ich kann Ihnen nur dies sagen: Sie wissen doch - jedenfalls darf ich das angesichts Ihrer Frageweise vermuten -, dass es in den Sozialwissenschaften und der Pädagogik u.a. die Arbeitsgebiete politische Theorie, Systemforschung, Kommunikationsforschung und Sozialisationsforschung gibt. Die dort bearbeiteten Fragen oder Sachverhalte sind so komplex und kompliziert, dass man sich - so jedenfalls mein Eindruck - in einem großen Durcheinander bewegt. Die Kompliziertheit der Wirklichkeit spiegelt sich in den Versuchen des Verstehens der Wirklichkeit (der Theoriebildung). Wenn dann noch die Kategorie "Dialektik" ins Spiel gebracht wird, dann bewegen wir uns in einem System von Thesen und Antithesen, aus denen wir Synthesen gewinnen, die wieder zu Thesen werden, zu denen wir Antithesen entwickeln usw. - und dann wird es noch unübersichtlicher. In all diesen Prozessen ist Wissen Macht - und da gibt es dann diese und jene Reaktionen. Die einen wollen Wissen und Macht nur für sich. Sie lassen zensieren. Das kann - wie man in der DDR gesehen hat - ein Grund für einen Systemzusammenbruch sein (ein Grund, es gibt noch viele andere). Hier sieht man dann die Ambivalenz der Macht. Andere wollen nichts wissen, weil das anstrengend ist - sie wollen auch keine Macht; sie sind zufrieden, wenn sie versorgt werden und wenn für sie gedacht wird, wobei sie sogar Positionen gegen diejenigen beziehen, die sie aus ihrer Lethargie herausholen wollen und es dann auch befürworten, wenn kritischen Geistern die Grenzen gezeigt werden. Das führt dann zur "Verblödung" und evtl. auch zum Zusammenbruch. Was da aber jeweils im Einzelnen passiert - wie kann man das erfahren? Und diejenigen, die aufklären - was erreichen die? Es gibt ja auch eine Ambivalenz der Aufklärung und des Fortschritts. In den Naturwissenschaften sieht man es besonders deutlich - am Ende einer Forschung liegen dann Arsenale mit Giftwaffen und ein Overkill-Potential. Wir können uns und die Erde hundertfach auslöschen. Unser technisches Wissen ist größer als unsere Moral.

Sehen Sie: Falls Sie verheiratet sind - können Sie wirklich sagen, warum Sie in diesem "Status" leben? Sie können einige Antworten geben, das ist ja klar, aber können Sie "wahre" Aussagen über die Wirklichkeiten machen, die hinter dem liegen, was jeder vordergründig erkennen kann? Falls Sie Kinder haben: Können Sie Ihre Erziehungspraxis wirklich begründen? Ich vermute, dass Sie schon auf dieser Ebene einige Probleme bekommen. Und dann fragen Sie mich nach Birma und Zensur! Ich bitte Sie. Ich weiß gar nicht, wo Birma liegt. Und mit der Zensur ist das auch so eine Sache. Lesen Sie mal etwas über die Entstehungsgeschichte des Lessing-Werkes "Nathan der Weise". Diese Geschichte hat auch mit Zensur zu tun. Ein Kirchenmann hat die Zensur gegen Lessing erreicht. Lessing durfte dann nicht mehr publizieren - und er hat ein Theaterstück geschrieben. Das fiel nicht unter die Zensur. Aber warum das alles so und so war, das werden wir nur erahnen können.

Mit anderen Worten: Wir verstehen wenig. Und wenn Sie das nicht glauben: Schauen Sie sich mal in diesem Forum um. Hier haben Sie eine Ausnahme. Oder gehen Sie in einen Gottesdienst. Und berichten Sie davon.

HC :roll:

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evah pirazzi
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Re: Protestantischer Stammtisch

#23 Beitrag von evah pirazzi » 23.08.2012, 22:49

Na ja, dass das menschliche Zusammenleben in allen Bereichen vielschichtig, kompliziert und voll unerklärbarer Phänomene ist, dass es ein Spagat zwischen Macht und Abhängigkeiten, Freiheit und Zensur (Kontrolle), Liebe und Hass ist, wissen schon unsere Kinder. Und dabei entwickelt jeder seine eigenen Aversionen gegen bestimmte Erscheinungen und Auswüchse, die auch den friedlichsten Charakter so richtig in Rage bringen können. Umso erstaunlicher ist es wohl, dass es manchmal trotzdem zu unerwarteter Heiterkeit und Glücksmomenten kommt. Diese sollte man genießen, wann immer sie sich auftun.

Um es auf den Punkt zu bringen: Das Leben ist zu kurz für Ärger über humorlose Kleingeister, kontrollwütige Zeitgenossen und schlechtgelaunte Energievampire – und – schlechten Wein…! Bild

In diesem Sinne -

Bild Santé
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Cemper

Re: Protestantischer Stammtisch

#24 Beitrag von Cemper » 23.08.2012, 23:07

evah pirazzi hat geschrieben:Na ja, dass das menschliche Zusammenleben in allen Bereichen vielschichtig, kompliziert und voll unerklärbarer Phänomene ist, dass es ein Spagat zwischen Macht und Abhängigkeiten, Freiheit und Zensur (Kontrolle), Liebe und Hass ist, wissen schon unsere Kinder.
Was heißt denn hier "unsere Kinder"?

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Re: Protestantischer Stammtisch

#25 Beitrag von evah pirazzi » 23.08.2012, 23:21

Na, unsere kleinen, gelben, puscheligen Knäule, die sich ständig nass machen, Sie alter Ganter!

Bild
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Cemper

Re: Protestantischer Stammtisch

#26 Beitrag von Cemper » 23.08.2012, 23:29

Sie sollten sich mal wieder sehen lassen, so wie Sie aussehen.

Ihr KLICK

Maximin

Re: Protestantischer Stammtisch

#27 Beitrag von Maximin » 24.08.2012, 11:18

:) Ehrwürdiger Cemper,
“nice to see you again…!”

Ihr ausführlicher Beitrag vom 23. 08. 12 offenbart so einiges über Sie. Viel besser kann man m. E. den Zustand bei einer Überhäufung von Wissen nicht darstellen.

Der Journalist, SPD-Vorsitzende und zeitweiliger Kanzler der Bundesrepublik Deutschland habe sinngemäß gesagt: „Der Weg zur höheren Gelehrsamkeit besteht in der Minderung der Informationsaufnahme.“

Öffnete dieser Mann mit dieser seiner Aussage Tor und Tür für Halbwissen selige Dumpfbacken? Ich glaube eher, dass er einen sehr klugen Satz gesagt hat. Jedenfalls für alle Zeitgenossen, die es ablehnen, sich an Informationen zu überfressen. Denn wer sich überfrist, der bekommt zwangsläufig ein Übergewicht und steht u. a. in der Gefahr Zuckerkrank zu werden, was die Lebenserwartung deutlich mindert und außerdem den Überblick verlieren läßt. Wer jedoch den Überbick verliert, der gerät in der Tat in eine prekäre Situation. Manche benennen das mit der Vokabel "Zusammenbruch".

Nach meinem Eindruck leben Sie, mein lieber Cemper, in der Gefahr, sich geistig, von geistlich will ich in diesem Zusammenhang lieber gar nicht erst reden, zu überfressen. Ihre Beiträge beschreiben nämlich regelmäßig unüberschaubare Irrgärten.

Der Augustinermönch, Dr. Martin Luther, habe gesagt: „Die Menge der Leute ist tumb.“ War das eine gerechte Beurteilung? Diese Frage wage ich nicht zu beantworten, denn ich lebe in meinen Heute und Jetzt und nicht in der Gesellschaft zu Luthers Zeiten.

Nur den Eindruck habe ich schon, und der deckt sich mit Teilen Ihres o. a. Beitrages wenn Sie sagen:

„Andere wollen nichts wissen, weil das anstrengend ist - sie wollen auch keine Macht; sie sind zufrieden, wenn sie versorgt werden und wenn für sie gedacht wird, wobei sie sogar Positionen gegen diejenigen beziehen, die sie aus ihrer Lethargie herausholen wollen und es dann auch befürworten, wenn kritischen Geistern die Grenzen gezeigt werden. Das führt dann zur "Verblödung" und evtl. auch zum Zusammenbruch.“

Frage ich: „Muss man als lebendiger Christenmensch einen Zusammenbruch fürchten…?“

Beste Grüße vom alten Maximin :wink:

P.S.: Mir scheint übrigens auch, dass Sie sich ein unzutreffendes Bild von unserer Evah P. machen.
Zuletzt geändert von Maximin am 24.08.2012, 15:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Gaby
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Re: Protestantischer Stammtisch

#28 Beitrag von Gaby » 24.08.2012, 13:37

klick ;-)

und

Konfuzius meint dazu:

"Die höchste Stufe menschlicher Bildung ist die vollkommene Ausgeglichenheit der Seele und der maßvolle Lebenswandel."
Denn in alledem liegt der Anfang des Reiches Gottes, das entstehen soll an der Stelle, an der du stehst. Nicht irgendwo, sondern in dir selbst. (Jörg Zink)

Maximin

Re: Protestantischer Stammtisch

#29 Beitrag von Maximin » 24.08.2012, 15:35

Meine liebe Gaby,
ich lese Deinen neuesten Text und er graut mich wegen seines kristallklaren Wahrheitsgehaltes. Da klebt so ein kleiner Zettel an meinem PC. Aufschrift. "Keiner glaubt uns, was wir selbst nicht glauben."

Dieser kleine Zettel klebt da schon längere Zeit. Er glotzt mich permanent herausfordernd an und schein mich zu fragen: "Was glaubst Du und was treibt dich eigentlich in Versuchung, andere glauben zu machen?"

Ich habe diesen kleinen Zetel, jetzt mit der sicheren Gewissheit entsorgt, dass es nicht meine Sache ist, was andere glauben sollen und es andererseits nicht Sache der anderen ist, was ich glauben möchte.

Nur das ist wohl auch wahr: "Es scheint sinnvoll, miteinander zu reden, besser noch, dem anderen aufmerksam zuzuhören."

Frau Annne meinte dazu früher: "Berührung ist alles." Recht hat se...!"

Herzlichst, Micha :wink:

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evah pirazzi
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Re: Protestantischer Stammtisch

#30 Beitrag von evah pirazzi » 24.08.2012, 17:48

Maximin hat geschrieben:...Denn wer sich überfrist, der bekommt zwangsläufig ein Übergewicht und steht u. a. in der Gefahr Zuckerkrank zu werden, was die Lebenserwartung deutlich mindert und außerdem den Überblick verlieren läßt. Wer jedoch den Überbick verliert, der gerät in der Tat in eine prekäre Situation. Manche benennen das mit der Vokabel "Zusammenbruch".
Maxi, wieso verliert der "Diabetiker" den Überblick und erleidet einen Zusammenbruch? Diese Aussage ist viel zu pauschal und berücksichtigt weder das gesamte Krankheitsbild "Diabetes", noch dass es sich bei dem von dir beschriebenen Zustand um eine sog. "Krisensituation" eines Diabetikers handelt, die vorkommen kann, wenn der Erkrankte entweder einen unfähigen Arzt hat oder schlecht eingestellt ist, oder oder oder...!

Wenn du alle deine Aussagen auf solch ein wenig hinterfragtes Fundament stellst, dann solltest du doch den Cemperschen Rat beherzigen und dein Gehirn mit etwas mehr Informationen füttern - ich glaube, es ist noch weit weg vom "Übergewicht" und "Hyperglykämischen Koma" - ich würde sagen, es droht eher ein "Hypoglykämischer Schock".

8)
[i][size=75]"... Ich bin einerseits sehr froh, dass ich diesen Gedanken aussprechen kann, auf der anderen Seite fällt es mir auch nicht schwer..."
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